Bundesliga-Duell am Samstag

Köln-Boss Heldt: Einst spielte er mit Flick zusammen - jetzt lüftet er ein Geheimnis

Horst Heldt am 23. Oktober 2020 in Süddeutschland
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Horst Heldt sieht der Partie des 1. FC Köln gegen den FC Bayern München gelassen entgegen (Archivbild).

Vor der Partie der Kölner gegen den FCB spricht Horst Heldt über seinen einstigen Mitspieler Hansi Flick. Außerdem erklärt er, wie ein Transfer mit den Münchnern platzte.

München - Die Tage in Köln sind rau. Karnevals-Absage, 15 Spiele ohne Sieg: Aber Sport-Geschäftsführer Horst Heldt (50) gibt sich trotzdem guter Laune. Er freut sich auf das Gastspiel des FC Bayern am Samstag (15.30 Uhr, Sky) – und das Wiedersehen mit seinem Kumpel Hansi Flick.

Herr Heldt, Sie haben schon viele Spiele gegen Bayern bestritten – welches ist Ihnen besonders im Kopf?

Heldt: Leider Gottes muss ich tiefer graben, um mir selbst Siege in Erinnerung zu rufen. Die sind nahezu an einer Hand abzuzählen, während die Niederlagen sich über die Jahre angehäuft haben. Aber ich glaube, da stehe ich nicht alleine da (lacht).

Waren das Siege zu aktiven Derby-Zeiten – oder als Manager?

Heldt: Ein Derby – das war immer ein Highlight. Alle noch im Olympiastadion, die ganze Stadt war elektrisiert. Aber leider Gottes habe ich ein Derby nicht gewonnen, sondern nur ein Unentschieden rausgeholt. Aber: In meinem ersten Jahr als Manager habe ich gegen Bayern gewonnen.

Wenn man auf die Kölner Situation blickt: Kommen die Bayern zur Unzeit - oder kommen sie das sowieso immer?

Heldt: Zweiteres: Sie kommen immer zur Unzeit. Das meine ich nicht unhöflich oder respektlos, sondern mit aller Hochachtung.

Tabellenplatz 16, trotzdem wirken Sie sehr entspannt. Sieht es schlimmer aus als es sich anfühlt?

Heldt: Es fühlt sich an wie erwartet. Wir haben hier keinen 100-Meter-Lauf, sondern einen Marathon vor uns. Bundesliga, 34 Spieltage, ein Ziel. Wir haben uns selbst eingeordnet– und für uns gilt: Die Klasse halten. Wenn ich nach dem fünften Spieltag dann Panik habe und resigniere, wenn ich keine Nackenschläge einkalkuliere, ist das der falsche Weg. Wir haben uns für Souveränität und Ruhe als Basis entschieden. Sonst schafft man diesen Marathonlauf nicht.

Markus Gisdol hat seit 15 Spielen nicht gewonnen. Hätten Sie in Ihren Anfangsjahren als Manager anders entschieden?

Heldt: Eine gewisse Coolheit gehört dazu, vor allen Dingen aber hat es mit Verantwortung zu tun, dass man sich nicht lenken und treiben lässt, sondern die eigene Wahrheit findet. Wir lügen uns nicht in die Tasche, um keine Entscheidung treffen zu müssen. Wir sind überzeugt von unserem Weg. Wir haben eine Mannschaft, die die Liga halten kann, davon bin ich überzeugt. Und ich sage: Trainerentlassungen sind oft ein kurzzeitiges Entfliehen.

In Köln heißt es „Zesamme simmer stark“ – ist das wie das Mia san mia?

Heldt: Das Mia san mia kann ich – außer dass ich in München meinen Lebensmittelpunkt habe – nicht wirklich beschreiben und bewerten. Für Köln kann ich aber sagen, dass das Motto schon eine brutale Identifikation der Menschen, der Stadt mit dem 1. FC Köln bedeutet. Da sagt man sich gerne die Meinung, da wird man Kritik los, transportiert Sorgen und Nöte, und das dann auf die einzigartige Kölsche Art. Es ist wie in einer Familie: Man streitet mal, jeder weiß es besser – aber vor allem hält man zusammen.

Was ist gegen Bayern drin?

Heldt: Keiner geht am Samstag ins Spiel und sagt: Egal, wie es ausgeht – wir werden verlieren. Dass es schwer wird, ist klar. Weil dieses Team mit einer Qualität bestückt ist, die ihresgleichen sucht. Dagegen versuchen wir uns aber zu wehren. Wissen Sie, was kurios ist?

Bitte!

Heldt: Ich habe mit vielen Teams unterschiedlicher Qualität gegen Bayern gespielt, oft hieß es danach: Ihr seid gar nicht in die Zweikämpfe gegangen, ihr habt euch aufgegeben. Da sage ich: Was macht denn die Qualität der Bayern aus? Dass der Gegner gar nicht in die Zweikämpfe kommt! Das geht fast jedem so. Auch Barcelona, wenn ich das mal so sagen darf.

Sie spielten von 1990 bis 1993 mit Hansi Flick zusammmen für den 1. FC Köln. War er als Spieler schon so, wie er als Trainer ist?

Heldt: Definitiv. An seinem Naturell hat sich nichts geändert. Hansis Auftreten beschreibt eigentlich seinen außerordentlich guten Charakter in vielerlei Hinsicht. Mit einer gewissen Ruhe, Souveränität, er will nicht in den Vordergrund. Er macht seinen Job fokussiert, überlässt nichts dem Zufall, aber er ist dabei ruhig und abgeklärt. Einen Oscar für schauspielerisches Auftreten wird er nicht mehr bekommen (lacht). Aber genau das tut diesem großem Klub gut. Sie folgen ihm bedingungslos, weil er auftritt, wie er auftritt.

Sie haben im vorigen Jahr harsche Kritik an der Nachwuchsarbeit des FC Bayern geübt – unter Flick haben zahlreiche Junge debütiert.

Heldt: Er hat diverse Positionen durchlebt, auch beim DFB – und ich finde es schön, dass er das nun auch bei Bayern verändert. Wir wollen alle dafür Sorge tragen, dass der deutsche Fußball gut und intensiv ausbildet. Wenn dann der größte und beste Verein seinen Beitrag leistet, ist das immens wichtig. Das tun die Bayern mittlerweile, da muss ich meine Kritik revidieren. Das imposante Nachwuchsleistungszentrum hat lange nicht in die Vereinspolitik gepasst. Das fand ich schade. Jetzt leben sie ihre Idee.

Es kann aber doch auch ein Vorteil sein: Nicht alle werden es in München bis zu den Profis schaffen.

Heldt: Das kann sein. Aber tendenziell sind die Spieler dann so gut ausgebildet, dass sie bei einem Topklub landen wollen. Zumindest in der Champions League, vielleicht auch im Ausland. Die suchen sich dann nicht unbedingt ein Team wie uns aus – also ab Platz zehn.

Haben Sie das bei Joshua Zirkzee spüren müssen, den Sie gerne wollten?

Heldt: Wir hatten Kontakt. Ich habe mich mit Hasan (Salihamidzic/d.Red.) und Hansi ausgetauscht – aber es war einfach der falsche Zeitpunkt. Das war nach dem 8:2 gegen Barcelona, da habe ich Hasan erst mal gratuliert – und dabei nach Joshua gefragt. In dem Moment wollten die Bayern ihn nicht ausleihen, das hat sich im Laufe der Transferperiode verschoben. Ganz am Ende, am vorletzten Transfertag, war es für uns dann zu spät. So was kommt vor.

Vielleicht klappt es beim nächsten Mal.

Heldt: Es ist für uns zukünftig schon interessant, vielleicht den einen oder anderen Spieler, der Spielpraxis braucht, auszuleihen. *tz.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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