"Gotttttttttttlob" aus dem Tiefschlaf gerissen

TV-Kritik: Der Pokal hat seine eigenen Geschwätze

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Für tz-Kolumnist Heinrich sind Scholl und Opdenhövel ein Dreamteam der Langweiligkeit und Belanglosigkeit.  

München - tz-Kolumnist Jörg Heinrich hat wieder was zu sagen. Diesmal schreibt er über den Pokalabend am Dienstag im Ersten und die unsägliche Viertelstunde vor Anpfiff.

Pokal Dienstagabend im Ersten – und viele Zuschauer waren freudig erregt: Würde Mehmet Scholl verkünden, dass auch er wieder arbeiten geht? Sein Ex-Analyse-Kollege Stefan Effenberg ist ja mittlerweile als Trainer dermaßen erfolgreich, dass ihn viele schon den „Guardiola ohne Führerschein“ nennen. Daran könnte sich Scholli ein Beispiel nehmen. Dienstagabend war davon allerdings noch nichts zu merken. Der Mehmet betreibt den Fußballsport weiterhin leider nur theoretisch, und redet drüber.

Zusammen mit Spezi Opdenhövel bestätigte Scholl die alte Regel: „Der Pokal hat seine eigenen Geschwätze.“ Man wurde bei ihren fluffigen Lilalaune-Dialogen von keinerlei Erkenntnisgewinn belästigt. Opdi erkundigt sich über Lewandowski: „Wo stufst Du ihn ein im Regal der Weltklasse?“ Scholli antwortet, aus dem Regal der Analyseweltklasse: „Das Trikot, das man beim FC Bayern anhat, ist schwerer als andere Trikots.“ Dann will Opdi wissen: „Jetzt mal Tacheles, wie stark sind die Bayern wirklich?“ Eine sinnvolle Antwort auf diese Frage ist in 40 Sekunden nicht möglich, entsprechend ungefähr antwortet Mehmet: „Da führt kein Weg daran vorbei, dass sie wieder Meister werden.“ Ach ehrlich?

Sagenhaft, was man in 15 Minuten vor Spielbeginn alles nicht erfahren kann. Dazu passte auch Matthias Sammer, der im Gespräch mit Markus Othmer verriet: „Das Triple ist eine wunderbare Bezeichnung für Luft.“ Es wird Zeit, dass das Fernsehen die blödsinnigen 15 Minuten vor Spielbeginn abschafft und mit seinen Übertragungen erst zum Anpfiff beginnt. In dieser Viertelstunde könnte man für Flüchtlinge sammeln, Dorthe-Kollo-Videos oder alte Pumuckl-Folgen zeigen – alles sinnvoller als dieses Maximalvakuum.

Mit Spielbeginn übernahm Gerd Gottlob, der Mann mit den lustigen BetonUNGen. Er verkündete die Bayern-Aufstellung wie folgt: „Neuer sowieso im Tor, ist klar.“ Und er wusste: „Das ist die Elf, die Pep Guarrrrrrdiola aufbietet.“ Beim 1:0 riss Costa den selig schlummernden Gotttttttttttlob aus dem Tiefschlaf. „Woäääääääääää!“, plärrte der erschreckte Reporter. Beim 2:0 erfand der fantasiebegabte Gerd ein Lewandowski-Abseits. Nach dem 3:0 analysierte er messerscharf: „Das hat sich Hecking anders vorgestellt.“ Ach sag? Bitteres Fazit für VW-Werksverein Wolfsburg: An Tagen wie Diesel.

Jörg Heinrich

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