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„Weil wir sonst vom Franz auf die Fresse kriegen“: Erinnerungen an die Bayern-Krise vor 21 Jahren

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Von: Hanna Raif

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Der ehemalige Bayern-Stürmer Giovane Elber (l.) mit seinem damaligen Präsidenten Franz Beckenbauer.
Der ehemalige Bayern-Stürmer Giovane Elber (l.) mit seinem damaligen Präsidenten Franz Beckenbauer. © imago

Sieglos-Serien gibt‘s beim FC Bayern nicht oft. Dafür bleiben solche Krisen dann aber lange in Erinnerung. Die letzte dieser Art gab es vor 21 Jahren.

München - Es ist ein Jammer, dass Ottmar Hitzfeld selbst schweigt. Natürlich erinnert sich der 73-Jährige gut an die schwere Phase, die er zwischen November 2001 und Februar 2002 als Trainer des FC Bayern durchmachen musste.

Aber darüber sprechen, nein, das möchte er nicht. Er hat sich zurückgezogen in Lörrach, genießt das ruhige Leben. Interviews, das sei ihm vergönnt, stören das idyllische Leben im Schwarzwald. Also muss halt der Blick in die Archive reichen, um die letzte Sieglos-Serie des auch aktuell seit vier Spielen auf einen Erfolg wartenden FC Bayern zu rekonstruieren.

Bayern-Krise im Winter 2001/2002: Ottmar Hitzfeld bemühte Durchhalteparolen

1:1 gegen Gladbach, 1:1 bei Union Berlin, 2:2 gegen Stuttgart und 0:1 in Augsburg – nur drei Punkte haben die Bayern heuer an den Spieltagen vier bis sieben sammeln können. Vor 21 Jahren sah es da sogar noch schlimmer aus. Nach Niederlagen in Bremen (0:1) und bei Hertha BSC (2:1) sowie Unentschieden gegen Nürnberg (0:0) und Wolfsburg (3:3) standen aus vier Spielen nur zwei Punkte zubuche – und Hitzfeld schon da mächtig unter Druck – vor allem dann, wenn Sieglos-Spiele Nummer fünf, sechs und sieben folgten.

Am Wochenende danach – 15. Dezember 2001 – stand die Reise nach Rostock an, Ergebnis: 0:1, Schlagzeile unserer Zeitung: „Keine Hiebe vor Weihnachten.“ Uli Hoeneß betonte: „Das Team spielt nicht schlecht, ihm fehlt aber das nötige Quäntchen Kraft.“ Schon drei Tage später gastierte Gladbach im Olympiastadion, Hitzfelds Parole: „Geduld behalten, Nerven bewahren.“ Zerfallserscheinungen, betonte er, sehe er noch nicht.

Beckenbauer frustriert: „Zum Glück ist bald Weihnachten“

Gegen Gladbach kamen Stefan Effenberg, Oliver Kahn & Co. nicht über ein 0:0 heraus. Präsident Franz Beckenbauer verschwand schimpfend in den Katakomben – und wurde zitiert mit den Worten: „Warum sollten wir auch plötzlich eine blühende Mannschaft haben? Zum Glück ist bald Weihnachten!“

Damals wurde die zuvor längste Sieglos-Serie herangezogen, 1994 unter Giovanni Trapattoni. Statt Trainerdiskussion aber gab es Durchhalteparolen. Und Uli Hoeneß stellte trotz fünf Punkten Rückstand auf Bayer 04 klar: „Der FC Bayern wird immer um die Meisterschaft spielen – egal, wie viele Punkte irgendwer Vorsprung hat.“

Krise beim FC Bayern: 2002 war es noch schlimmer - Elber: „Weil wir sonst vom Franz auf die Fresse kriegen“

Der Vorsprung wurde im Januar noch größer – es folgte der Tiefpunkt. 1:5 auf Schalke. Hoeneß kündigte an, nachzudenken, Karl-Heinz Rummenigge wurde laut, Hitzfeld stellte klar: „Es gibt nur noch Endspiele.“ Warum es besser werden sollte, wurde Giovane Elber gefragt. Antwort: „Weil wir sonst vom Franz auf die Fresse kriegen!“

Das wollte niemand. Daher: Befreiungsschlag am 4. Februar – ausgerechnet in Leverkusen. Wie passend, dass am Freitag Bayer zu Gast ist. Ein Sieg – und Julian Nagelsmann könnte sich die anstrengenden Wochen, die Hitzfeld zwischen Sieglos-Spiel fünf und sieben erlebt hat, ersparen. hlr

Sadio Mané befindet sich bei den Bayern aktuell in einem Formtief. Nun erhält er Rückendeckung vom Sportvorstand Hasan Salihamidzic.

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