Spanier bei Elfer-Sieg der entscheidende Mann

Kung-Fu-Thiago plagt das schlechte Gewissen

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Bayerns Mittelfeldspieler Thiago beteuert, dass sein Foul an Stefan Kießling keine Absicht war.

Leverkusen - Ausgerechnet Thiago wird zum tragischen Held bei Bayerns Sieg im Elfmeterschießen. Denn aus der Sicht der Leverkusener hätte der Spanier nach seinem Kung-Fu-Tritt gar nicht mehr auf dem Feld stehen dürfen.

Während bei Bayern München nach dem erfolgreichen Elfmeterkrimi schon über den Halbfinalgegner Borussia Dortmund diskutiert wurde, schäumten die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen immer noch vor Wut. „Es war natürlich eine klare Rote Karte, da braucht man nicht diskutieren. Das war ein Foul, das hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen“, echauffierte sich Bayer-Sportchef Rudi Völler über die Kung-Fu-Attacke von Thiago gegen Stefan Kießling kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit. Leverkusens Geschäftsführer Michael Schade hielt nach dem Tritt des Spaniers an die Brust des Bayer-Torjägers sogar eine „dunkelrote Karte“ für angemessen.

Extrem unglücklich waren aus Leverkusener Sicht die aus dem Foul resultierenden Ereignisse. Denn der nach dem Tritt verletzte Stefan Kießling musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Josip Drmic, der prompt den ersten Elfmeter für die Werkself verschoss. Bayerns Thiago sah für das rotwürdige Foul nur die gelbe Karte und konnte als letzter Schütze im Elfmeterschießen antreten. Und ausgerechnet der Spanier war es dann, der nach 120 torlosen Minuten, um genau 23.12 Uhr, den letzten Elfmeter im Viertelfinale zum 5:3 versenkte. Damit ließ er beim Titelverteidiger den Traum vom zweiten Triple nach 2013 weiter leben. Bayern-Trainer Pep Guardiola, der den Shootout auf einem Klappstuhl am Spielfeldrand verfolgt hatte, atmete erst einmal tief durch, als seine Mannschaft nach einem nervenaufreibenden Abend das glücklichere Ende für sich hatte.

Keine Absicht von Thiago

Anschließend wurde aber zunächst einmal über die Attacke von Thiago gegen Kießling debattiert. „Es war eine unglückliche Situation, ich habe ihn nicht gesehen und mich tausend Mal bei ihm entschuldigt“, beteuerte der Übeltäter, der für sein brutales Einsteigen lediglich die Gelbe Karte vom Berliner Unparteiischen Felix Zwayer erhalten hatte. „Ich habe mit ihm gesprochen, als er am Boden lag, während des Elfmeterschießens und in der Kabine“, sagte Thiago, den offensichtlich ein schlechtes Gewissen plagte.

Eine nachträgliche Sperre muss der 21-Jährige nicht befürchten, da Zwayer die Aktion während des Spiels gesehen und bewertet hat Vom Vorstandsvorsitzenden bekam er ein dickes Lob. „Er kommt nach 70 Minuten rein und ist sofort im Spiel. Dann macht er noch den fünften, entscheidenden Elfmeter rein. Das zeichnet einen Weltklassespieler aus – und er ist Weltklasse“, meinte Rummenigge. Es ist genau die Klasse, die die Bayern jetzt während der Ausfälle von Arjen Robben und Franck Ribéry dringend benötigen. Wie in Dortmund bewies der Ballzauberer in einigen Aktionen, wie wichtig er für die Mannschaft sein kann.

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Ein schlechtes Gewissen hätte der Mittelfeldspieler aber nach Ansicht von Matthias Sammer gar nicht haben müssen. „Thiago ist nicht der Spieler, der so etwas mit Absicht macht. Deswegen war es auch keine Rote Karte“, argumentierte der Bayern-Sportvorstand und erhielt diesbezüglich sogar Unterstützung von Bayer-Trainer Roger Schmidt: „Thiago ist ein fairer Spieler, das war bestimmt keine Absicht.“

Schmidt ärgerte sich vielmehr, dass sein Team drei Wochen nach dem Aus in der Champions League durch ein Totalversagen im Elfmeterschießen bei Atletico Madrid erneut in der Lotterie die Niete gezogen hatte. „Das tut weh, wird uns aber für den Rest der Saison zusätzlich stärken. Jetzt werden wir die erneute Champions-League-Teilnahme klar machen und in Mainz wieder ein Zeichen setzen“, so der stolze Bayer-Coach.

Schlechte Laune wegen Personalsorgen

Bei den Bayern war dagegen trotz des Sieges beim Rückflug am Donnerstagvormittag die Laune nicht die beste. Denn in Medhi Benatia droht nach David Alaba, Franck Ribery, Arjen Robben und Bastian Schweinsteiger der nächste gravierende Ausfall. Zudem klagten nach dem Match die Weltmeister Mario Götze und Jerome Boateng über Probleme.

„Wir haben einen Kader, der bis in die Spitze sehr breit besetzt ist“, sagte aber Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und ergänzte. „Wir haben zum Glück viele Pläne und nicht nur A, B oder C in unserem Alphabet. Zudem findet unser Trainer immer eine Lösung.“ Sammer war nicht ganz so optimistisch: „Das geht an die Substanz und ist normalerweise nicht kompensierbar“, sagte er mit Blick auf die kommenden Aufgaben in der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt und kommende Woche in der Champions League beim FC Porto.

SID/mzl/sw

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