„Klubs sollen Homosexuelle stützen“

Bayern-Star wagt sich an Tabu-Thema des deutschen Fußballs: Goretzka wirbt fürs Outing

Im Fußball-Geschäft wird viel, manchmal sogar sehr viel geredet. Nur ein gewisses Thema scheint nicht zu existieren. FCB-Star Leon Goretzka möchte das jetzt ändern.

München - Das Thema Homosexualität ist im deutschen Männerfußball noch immer ein Tabu. Während sich in der Frauen-Bundesliga schon einige Spielerinnen geoutet haben, gibt es bis heute nicht einen Fußballer, der sich während seiner Karriere zu seiner Homosexualität bekannt hat. Der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger (39) tat dies nach seiner Karriere, ist damit noch immer ein Vorreiter.

FC Bayern: Leon Goretzka wagt sich an Tabu-Thema Homosexualität

Bayern*-Star Leon Goretzka* (26) hofft darauf, dass künftig auch mal ein Aktiver den Schritt in die Öffentlichkeit wagt. „Ich würde mich freuen, wenn ein aktiver Spieler den Mut hätte, sich zu outen, keine Frage. Ich glaube, dass das vielen den Weg ebnen würde, sich nicht mehr verstecken zu müssen“, sagt Goretzka in der aktuellen „Playboy“-Ausgabe (Juni). Allerdings ist sich der deutsche Nationalspieler durchaus darüber bewusst, welche Folgen das für den Spieler haben könnte. „Bei einem Outing würden natürlich auch populistische und gestrige Kommentare kommen. Gerade in Stadien, wo die Hemmschwellen teilweise auch zu niedrig sind. Aber wir leben im Jahr 2021“, meint Goretzka.

Toleranz ist ihm ein Anliegen: Bayern-Star Leon Goretzka.

Der frühere Bayern-Profi Philipp Lahm hatte Fußballern zuletzt in seinem Buch Das Spiel: Die Welt des Fußballs von einem öffentlichen Bekenntnis zur Homosexualität abgeraten. „Gegenwärtig schienen mir die Chancen gering, so einen Versuch in der Bundesliga mit Erfolg zu wagen und nur halbwegs unbeschadet davonzukommen“, schreibt der 37-Jährige. Mögliche Anfeindungen will Goretzka hingegen nicht so einfach als Argument gelten lassen – er fordert: „Hier sind wir als Team, als Fans, als Vereine und als Gesellschaft gefordert, dass wir Spielern Mut machen und sie nach ihrer Leistung beurteilen, nicht nach ihrer Sexualität.“

Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass Goretzka sich so meinungsstark äußert. Nach einem Rassismus-Eklat bei einem Länderspiel 2019 hatte der gebürtige Bochumer erklärt: „Ich komme aus dem Ruhrpott, wo man auf die Frage der Nationalität mit Schalke, Dortmund oder Bochum antwortet.“ Die AfD bezeichnet er zudem als „Schande für Deutschland“. (jau) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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