Die 36-Minuten-Demütigung

Spuren bei FC-Bayern-Talent Leroy Sané? „Er wird das schon verkraften“ - Bilder besagen das Gegenteil

Die „Höchststrafe“ für Leroy Sané in Leverkusen wirkt offenbar nach - Karl-Heinz Rummenigge vermisst bei dem Nationalspieler das „Bayern-Gen“.

München - Es gibt Bilder, die sagen mehr als tausend Worte. Gerade in der Welt des Profifußballs* wird gerne versucht, Brisantes vor den Medien herunterzuspielen. Auch Hansi Flick* versuchte sich nach der Ein- und wieder Auswechslung von Leroy Sané innerhalb von 36 Minuten am Samstag bei Bayer Leverkusen* darin, diese Art von fußballerischer Schmach für seinen Schützling auf sportliche Beweggründe herunterzubrechen.

Wer jedoch Sané selbst beobachtete, wie er dick eingemummt in seiner Jacke auf der Tribüne der BayArena schmollte, während seine Kollegen auf dem Platz den Last-Minute-Treffer von Robert Lewandowski zur Herbstmeisterschaft bejubelten, der wusste: Das, was da soeben mit dem 24-Jährigen passiert war, hatte Spuren hinterlassen.

Hansi Flick wechselt Leroy Sané gegen Leverkusen ausgewechselt: „Thomas ist für uns einfach unverzichtbar“

Man nennt es ja auch nicht umsonst Höchststrafe, wenn man in der 32. Minute (für den verletzten Kingsley Coman) aufs Feld kommt, um bereits in der 68. (für den sieben Jahre jüngeren Jamal Musiala) wieder ausgewechselt zu werden. Flick sah das alles naturgemäß anders. „Warum Höchststrafe“, fragte der Cheftrainer der Münchner* auf der Pressekonferenz. „Wenn wir auswechseln, müssen wir es sinnvoll machen. Thomas ist für uns einfach unverzichtbar, weil er kluge Entscheidungen trifft, weil er die Räume sehr, sehr gut besetzen kann und weil er sich über 90 Minuten in den Dienst der Mannschaft stellt. Und Serge hat in der zweiten Halbzeit einen Sprung gemacht. Wir mussten so reagieren.“

Enttäuscht: Leroy Sané bei der Partei gegen Leverkusen in der BayArena.

Übersetzt bedeuten Flicks Ausführungen so viel wie: Müller, Gnabry und Musiala waren ihm in den Schlussminuten des Topspiels gegen Leverkusen wichtiger als Sané – und das auch zu Recht. „Es geht am Ende um den Erfolg der Mannschaft, da muss jeder Einzelne zurückstecken“, unterstrich Flick und fügte mit Blick auf Sané an: „Er wird das schon verkraften und bekommt all unsere Unterstützung.“

Rummenigge zu Sané: „Er ist noch nicht so richtig in dem Bayern-Gen angekommen“

Die des Kollegen Müller bereits auf dem Platz. Er legte seinen Arm um Sané, meinte bei Sky: „Ich wollte ihm nur sagen, dass es darum geht, dass er da nicht Frustration aus der Aktion rausnimmt, sondern eher eine Motivation.“ Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nahm Sané am Sonntag im Doppelpass in die Pflicht. „Er ist noch nicht so richtig in dem Bayern-Gen angekommen“, sagte Rummenigge und fügte an: „Wir sind alle bereit, den Spieler zu fördern, aber wir fordern auch. Er muss den nächsten Schritt machen, er hat die Möglichkeiten. Er muss den Charakter des FC Bayern* annehmen.“

Sané selbst äußerte sich via Bild: „Über allem steht die Freude, dass wir dieses so wichtige Spiel am Ende gewinnen konnten. Wir stehen jetzt in allen Wettbewerben sehr gut da. Die Auswechslung kam im ersten Moment überraschend für mich – das kannte ich so nicht. Aber auch das passiert einmal. Das Team war direkt nach Abpfiff an meiner Seite, und wir haben uns alle über die drei Punkte gefreut.“ Die Bilder aus der Bay­Arena besagten das Gegenteil. *tz.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Rubriklistenbild: © Christina Pahnke/sampics

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