Pfiffe und Hohn in der Allianz Arena

„Beleidigte Leberwurst“: Insider mit fatalem Zeugnis für Bayern-Star Sané

50 Millionen kostete Leroy Sané den FC Bayern München. Doch wird der Mega-Star jetzt zum Problem? Ein Sportpsychologe analysiert sein Auftreten.

München - Als Stadionsprecher Stephan Lehmann kurz vor Wiederanpfiff der Partie zwischen dem FC Bayern und dem 1. FC Köln (3:2) am Sonntagabend die Halbzeit-Auswechslung von Leroy Sané (25) verkündete, gab es Applaus von der Südtribüne in der Münchner Allianz Arena. Das Klatschen galt jedoch nicht dem eingewechselten Jamal Musiala (18), sondern der Tatsache, dass Sané nach dem Pausenpfiff in der Kabine bleiben musste.

Schon in den ersten 45 Minuten hagelte es Pfiffe gegen den Offensivspieler, wenn ihm Fehlpässe unterliefen oder er einen Freistoß in die Kölner Mauer drosch. „Am Ende gehört es sich, dass Fans einzelne Spieler unterstützen. Das ist mir am Ende mehr wert und wichtig“, kommentierte Trainer Julian Nagelsmann im Nachgang die Pfiffe. Joshua Kimmich wählte im Rahmen seiner Vertragsverlängerung schon deutlichere Worte: „Das war frech und bitter, was wir erlebt haben. Das finde ich nicht in Ordnung.“

FC Bayern: Leroy Sané reagiert bockig auf Pfiffe der Fans - „Er macht auf beleidigte Leberwurst!“

Der letzte Münchner Spieler, der von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde, war Arjen Robben im Jahr 2012. Robben zog daraus die Motivation, die ihn ein Jahr später zum Siegtorschützen im Champions-League-Finale gegen Dortmund machte. Doch bei Sané scheint es so, als würde mangelnder Rückhalt genau das Gegenteil bewirken: Wird der Superstar angesichts der 50-Millionen-Ablöse noch zum Mega-Problem für den Rekordmeister?

„Einerseits zeigen die Pfiffe, dass Sané den Fans wichtig ist“, erklärt Sportpsychologe Matthias Herzog im Gespräch mit der tz. Der Motivationsexperte sagt über den Auftritt des Flügelspielers aber auch: „Die Körpersprache von Sané erinnert an ein bockiges Kind, das sich fragt: Was wollt ihr eigentlich von mir? Er macht auf beleidigte Leberwurst!“ Das Persönlichkeitsprofil des nominellen Königstransfers beschreibt Herzog so: „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Etwas in der Mitte gibt es nicht. Das ist fatal.“

Die Körpersprache von Sané erinnert an ein bockiges Kind, das sich fragt: Was wollt ihr eigentlich von mir?

Sportpsychologe Matthias Herzog über den Bayern-Star am Sonntag

FC Bayern München: Probleme mit Leroy Sané - wenig Leistung und falsche Einstellung?

In den Augen des Sportpsychologen will Sané ohne großen Titeldruck einfach nur Spaß am Kicken haben, doch genau dort liegt das Problem! Die Bayern-Bosse erwarten vom Linksfuß, dass er mit vielen Toren und Torvorlagen zum Leistungsträger und Unterschiedsspieler wird. Das wurde ihm intern bereits vermittelt.

Tenor: Die Schonzeit nach seinem Wechsel inklusive überstandener Kreuzbandverletzung ist vorbei. Sané muss künftig nicht nur mit Geistesblitzen in der Offensive, sondern auch mit disziplinierter Defensivarbeit und der richtigen Mentalität überzeugen. Doch seine Einstellung steht ihm nach wie vor am meisten im Weg: Sein Engagement im Training hält sich häufig in Grenzen, weshalb dem Vernehmen nach sogar schon der eine oder andere Führungsspieler teilweise genervt ist.

Nach Pfiffen in München: „Wir sind ein Team“ - FC Bayern-Bosse stellen sich hinter Leroy Sané

Trotzdem kündigte die Bayern-Führung um Vorstandsboss Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic vollumfängliche Rückendeckung für Leroy an. „Wir sind ein Team, wir können nicht einen einzelnen Spieler von den Fans auspfeifen lassen. Leroy wird immer geschützt“, so Salihamidzic. Kahn ergänzte: „Es geht für Leroy darum, das jetzt wegzustecken und es zu verarbeiten.“ (bok)

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