“Ich wusste gar nicht, dass...“

FC Bayern schnappt sich den Pott – und tankt nun Kraft für die Triple-Jagd

Dank sensationeller Tore holt der FCB Bayern München gegen Leverkusen das Double. Jetzt geht es in den Urlaub - wie es nach der Pause weitergeht, verrät Coach Hansi Flick im Interview.

  • Der FC Bayern München* konnte das Double aus Meisterschaft und Pokal holen.
  • Als nächstes geht im im Achtelfinal-Rückspiel gegen Chelsea in die Vollen.
  • Jetzt nimmt die Mannschaft sogar das auf dem Index stehende T-Wort wieder in den Mund.

München - Wem der Sinn nach Gewohnheit in solch wirren Zeiten steht, der möge sich am FC Bayern festhalten. Das Coronavirus* hat unser gesamtes Leben auf den Kopf gestellt, selbst das Pokalfinale am vergangenen Samstag* fand unter bis vor kurzem kaum vorstellbaren Verhältnissen statt. Keine Christine Theiss, die den Pokal in goldener Ferrero-Rocher-Montur ins Berliner Olympiastadion trug, auch Helene Fischer* griff in der Halbzeit glücklicherweise nicht zum Mikrofon. 

Die einzige Konstante im verwaisten Rund im Westen der Hauptstadt blieb der Rekordmeister*. Zwei Wochen nach der achten Meisterschaft in Serie schlugen die Bayern Leverkusen mit 4:2 (2:0) und holten den 20. Goldpokal ihrer Geschichte. Es war zugleich das 11. Double seit 2000. Doch wie sagte Uli Hoeneß einst: „Das war’s noch nicht.“

FC Bayern München: „Macht es unaufgeregt“ (Rummenigge)

Auf die Zwei folgt bekanntlich die Drei, eine Zahl, die erstmals seit 2013 wieder klar und deutlich am Horizont über der Säbener Straße aufsteigt. Daraus machen auch die Protagonisten selbst keinen Hehl. „Das Schöne am heutigen Tag ist: Wir haben das Double und sind trotzdem noch im dritten Wettbewerb“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge im Rahmen des Double-Banketts im Berliner Mannschaftshotel. „Macht es unaufgeregt. Alle, die 2013 schon dabei waren, wissen, dass es ein langer und schwieriger Weg ist. Aber wenn ich euch in den letzten Wochen und Monaten so beobachtet habe, ist es ein Weg, der möglich ist.“ Besonders dann, wenn die Champions League bereits kommende Woche in die Vollen gehen würde. Das ist bekanntlich jedoch nicht der Fall.

Für die Doublesieger, die am Sonntag im Münchner Rathaus empfangen wurden, geht es erst mal 13 Tage lang in den Urlaub – einen Tag länger als geplant, den gab es vom Cheftrainer Hansi Flick* als Zuckerl für den Triumph am Samstag obendrauf. Diese zweiwöchige Zäsur ist das Einzige, das den aktuell übermächtigen Münchnern einen Strich durch die Triple-Rechnung machen könnte. 

FC Bayern München: Neuer & Co. in Kurz-Corona-Quarantäne

Knapp zwei Wochen legen Manuel Neuer & Co. nun die Beine hoch, danach folgt Ende Juli eine Kurz-Quarantäne samt Mini-Vorbereitung und am 7. oder 8. August geht es mit dem Achtelfinal-Rückspiel gegen Chelsea wieder in die Vollen. Flick jedenfalls ist – wie so oft – guter Dinge. „Wir haben vor Corona* dominanten Fußball gespielt und haben es auch danach geschafft, uns optimal auf eine Power-Saison von sieben Wochen vorzubereiten. Das wird diesmal das Gleiche“, kündigte der Coach an. „Ich habe hundert Prozent Vertrauen in diese Mannschaft.“

Und die Mannschaft in ihn. Als die Spieler ihren Trainer am diesem historischen Abend vor der skurrilen Szenerie des menschenleeren Olympiastadion hochleben ließen, strahlte das Kraft aus. Es waren Bilder, die an den federleichten Jupp Heynckes von Wembley erinnerten. „Es war schön, ein bisschen zu fliegen“, gab der in Champagner gebadete Flick zu. „Ich wusste gar nicht, dass die Mannschaft so stark ist, um dieses Gewicht hochkatapultieren zu können.“ 

So stark sogar, dass sie mittlerweile das lange auf dem Index stehende T-Wort wieder in den Mund nimmt. Kapitän Manuel Neuer dazu: „Wir haben jetzt eine kleine Pause und dann werden wir uns top vorbereiten – und versuchen, das Triple einzufahren.“ Und wer weiß: Vielleicht fliegt Flick am 23. August durch den Nachthimmel von Lissabon.

FC Bayern München: FCB-Coach Hansi Flick im Interview

Hansi Flick* ist jetzt gleichauf mit seinem Vorgänger Niko Kovac. Klingt komisch, ist aber so. Der aktuelle Bayern-Coach ist erst der zweite Akteur, der als Spieler und Trainer das deutsche Double aus Meisterschaft und Pokal feiert. Zuvor war das nur Kovac gelungen. Im Interview spricht Flick über den Münchner Pokalerfolg.

Herr Flick, was bedeutet Ihnen persönlich dieser Sieg, und wie ordnen Sie ihn ein?

Flick: „Mir bedeutet es sehr viel für die Mannschaft. Sie hat in den letzten Wochen sensationell gespielt. Das war schon beeindruckend. Ich bin absolut happy, gerade die erste Halbzeit war glaube ich sehr, sehr beeindruckend. In der zweiten Halbzeit haben wir etwas Glück gehabt, hatten aber auch Chancen, um nachzulegen. Im Großen und Ganzen bin ich glücklich, dass wir das Double geholt haben.“

Sie haben das Kunststück geschafft, als Spieler und Trainer das Double zu holen. Welchen Stellenwert hat das für Sie?

Flick: „Das Double als Spieler war im ersten Jahr beim FC Bayern, da habe ich weniger gespielt. Deswegen ist dieser Moment viel, viel intensiver. Ich bin absolut happy mit dem, was passiert ist. Ich bin stolz auf die Art und Weise, wie wir als Team fokussiert zusammenarbeiten.“

Was ist für den FCB nach der Pause noch möglich? 

Flick: „Das, was kommt, interessiert jetzt erstmal nicht. Wir haben am Montag noch einen Marketing-Tag. Dann hat die Mannschaft den verdienten 13-tägigen Urlaub. Wir haben heute einen Tag mehr oben draufgelegt, weil sie heute gewonnen hat. Das war eine kleine Zugabe vom Trainerteam. Ich denke, die Mannschaft braucht es, dass sie einfach mal abschaltet, dass sie mental resettet und neue Energie bereitstellt.“

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Rubriklistenbild: © dpa / Alexander Hassenstein

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