Blaupause für die nächsten Partien

Machen's jetzt alle Bayern-Gegner Gladbach nach?

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Fatale Flugeinlage: Bayern-Star Arjen Robben zog sich bei der Landung nach einem Foul von Tony Jantschke einen Bauchmuskelriss zu.

München - Das 0:2 gegen Gladbach deckt Münchner Schwächen auf – es ist gut möglich, dass sich die kommenden Bayern-Gegner das Borussen-Spiel zum Vorbild nehmen.

Das gab es lange nicht mehr in der Allianz Arena. „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“, riefen die Fans aus Gladbach. Normalerweise besingt der Anhang der Hausherren gegen Ende einer Partie des FC Bayern die anstehende Meisterschaft oder Ziele in der Hauptstadt („Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“), wo bekanntlich das Finale der Champions League und des DFB-Pokals veranschlagt sind. Aber in der katastrophalen Form von gestern Abend werden alle Endspiele ohne eine Münchner Beteiligung stattfinden. 0:2 verloren sie, sang- und klanglos, im wahrsten Wortsinn. Als die Gäste-Fans ihr Lied über Textilvergehen an bajuwarischer Tracht grölten, leerte sich die Arena bereits. Die Anhänger der Bayern verschwanden, ohne den Abpfiff abzuwarten.

Das erste Spiel gestern war eigentlich eine kleine Vorlage, um Wolfsburg im Meisterrennen noch mehr auf Distanz zu bringen; der VfL hatte nur ein 1:1 gegen Mainz zustande gebracht. Doch am Ende verkürzte sich der Abstand zum Zweiten sogar – ein wenig. Die Gladbacher lieferten eine Blaupause für alle Gegner des Double-Siegers, denn wie sie schonungslos die Münchner Schwächen aufdeckten, dürfte sich nicht zuletzt die internationale Konkurrenz für Demobänder interessieren. Wie bereits beim 1:4 gegen Wolfsburg zum Rückrundeauftakt verblüffte die bayerische Ideenarmut, auch eine Anfälligkeit bei Kontern war nicht zu übersehen. Der nächste Gegner nach der Länderspielpause ist Dortmund. Das wird interessant.

Es war die erste Heimniederlage seit elf Monaten, 16 Pflichtspiele in der Allianz Arena wurden in Serie gewonnen. Die letzte Pleite zuhause war das 0:4 gegen Real Madrid in der Champions League. In der Liga konnte nur Schalke heuer etwas Zählbares holen, allerdings reichte es lediglich zu einem Teilerfolg (1:1). Der Mann des Tages war Raffael, der zunächst dank eines kapitalen Schnitzers von Manuel Neuer traf (30.) und gegen Ende einen Konter zum 2:0 unterbrachte. Neben der Niederlage schmerzt eine Verletzung von Arjen Robben. Der Niederländer musste wie gegen Donezk nach kurzer Zeit verletzt raus. Er wurde nach einem Foul noch in der Pause in seinem Dress in die Praxis von Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt gefahren. Der Arzt klingelte gleich nach der Partie in die Kabine durch, er hatte sehr schlechte Nachrichten: Robben fällt wegen eines Bauchmuskelrisses mehrere Wochen aus. „Das schmerzt so wie die Niederlage“, sagte Vorstand Karl-Heinz Rummenigge. Die Länderspiele und die Champions League-Spiele gegen Porto muss der 32-Jährige abschreiben. Mindestens.

Nach Robbens Aus nahm sich keiner der Aufgabe an, die Gäste mit Raffinesse durcheinanderzubringen. Franck Ribery fehlte ja auch, wegen einer Fußstauchung. Im Mittelfeld mühten sich David Alaba und Juan Bernat, doch vor allem die zentralen Spieler Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso vermochten es nicht, nennenswerte Impulse zu setzen. „Wir haben heute keine Lösungen gefunden“, räumte Schweinsteiger ein. Die Platzherren passten sich den Ball zu, aber die Gladbacher isolierten sie dabei stets in Regionen, die keine Gefahr bedeuteten. Gegen Ende hätten sie bei Kontern sogar noch ein deutlicheres Ergebnis feiern können, Andre Hahn traf unter anderem den Pfosten. „Heute lief es nicht gut“, sagte Schweinsteiger kleinlaut.

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Philipp Lahm kam nach 70 Minuten, doch auch der Kapitän konnte nichts mehr retten. „Wir hätten heute den Sack zumachen können, das haben wir nicht geschafft“, meinte er, „wir sind natürlich enttäuscht, aber wir sind nicht frustriert.“ Die Frustration blieb den Fans überlassen. Schmerzhafte Schmähgesänge inklusive.

Hanna Schmalenbach

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