Bittere Woche für Mittelfeldmann

Sommer-Neuzugang bei Bayern vor dem Aus? Flick platziert gleich zwei Seitenhiebe, Matthäus wundert sich

Marc Roca (l.) spielt beim FC Bayern nur eine untergeordnete Rolle.
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Marc Roca (l.) spielt beim FC Bayern nur eine untergeordnete Rolle.

Trainer Hansi Flick gönnt einem der Sommer-Neuzugänge keine Einsatzzeiten. Kommt es in wenigen Monaten schon zur Trennung vom FC Bayern?

München - Marc Roca tut sich weiterhin schwer beim FC Bayern. Der Spanier fremdelt noch immer mit seiner neuen Heimat München. Die letzte Woche verlief besonders bitter für den Sommer-Neuzugang - muss er am Saisonende schon wieder weg?

Marc Roca galt in Spanien schon in jungen Jahren als großes Talent. Für Espanyol Barcelona kam der defensive Mittelfeldspieler auf weit mehr als 100 Spiele. Im Herbst letzten Jahres klopfte der FC Bayern an und der mittlerweile 24-Jährige fühlte sich reif, den berühmten nächsten Schritt hin zu einem Top-Klub zu gehen. Die Bayern ließen sich Roca neun Millionen Euro Ablöse kosten und statteten ihn mit einem Vertrag bis 2025 aus.

FC Bayern: Marc Rocas bittere Woche - Flick setzt lieber auf Martinez

Ein klarer Plan oder eine echte Perspektive für Roca beim deutschen Rekordmeister ist nach fast einem halben Jahr allerdings nicht zu erkennen. Roca kommt bislang nur auf zehn Pflichtspiele, fünf davon in der Bundesliga. Bayern-Trainer Hansi Flick lässt den hoch veranlagten Techniker links liegen, scheint schlichtweg keine Verwendung für ihn zu haben. Spätestens die letzte Woche vor der Länderspielpause lässt daran keinen Zweifel mehr.

In der Champions League gegen Lazio Rom gingen die Münchner mit einem 4:1-Vorsprung ins Rückspiel. Flick hielt trotzdem keine Experimente für angebracht und bot seine Topelf auf. Roca schmorte die komplette Spielzeit auf der Bank, und das, obwohl Flick fünfmal wechselte. Selbst Landsmann Javi Martinez durfte ran, dabei gilt der 32-Jährige mit auslaufendem Vertrag im Gegensatz zu Perspektivspieler Roca eher als Auslaufmodell. Selbst die Experten-Runde bei Sky um Lothar Matthäus war über diese Entscheidung verwundert. In seiner Sky-Kolumne schrieb Matthäus: „Roca bekommt selbst dann kaum Einsatzzeiten, wenn personell auf seiner Position Not am Mann wäre.“ Beim Hinspiel in Rom war Roca sogar der einzige Feldspieler gewesen, der nicht zum Einsatz kam.

„Ich habe nur fünf Auswechslungen, leider keine sieben. Deshalb wurden zwei (Roca und Bouna Sarr, d. Red.) nicht eingewechselt“, begründete Flick nach dem Spiel die Nicht-Berücksichtigung. „Das ist meine Entscheidung! Die Spieler, die wir rausgenommen haben, wollten wir adäquat ersetzen und von daher gab es keine andere Option mehr.“ Rumms! Roca ist also kein adäquater Ersatz? Flicks Aussagen dürften dem Spanier zu Denken geben.

FC Bayern: Kein Platz für Roca - trotz Kimmich-Ausfall

Nur drei Tage später wiederholte sich das Drama um Roca. Diesmal fehlte sogar Mittelfeld-Motor Joshua Kimmich aufgrund einer Erkältung, doch Flick verzichtete erneut auf die Dienste von Roca. Stattdessen rückte gegen Stuttgart Abwehrchef David Alaba in die Mittelfeld-Zentrale. „Es ist wichtig, dass wir Spieler auf dem Platz haben, die die Mannschaft mitreißen können – vor allem im Mittelfeld“, meinte Flick vor der Partie. Als der Österreicher nach der Roten Karte für Alphonso Davies als Linksverteidiger aushelfen musste, wurde Roca wieder nicht beachtet. Thomas Müller übernahm den Part neben Leon Goretzka und wurde erst in der Schlussphase von Martinez abgelöst. Flick hatte am Ende sogar noch einen Joker übrig, beließ es aber bei vier Wechseln.

Am gesetzten Mittelfeld-Duo Kimmich und Goretzka gibt es kein Vorbeikommen, doch auch als Ersatz scheint Roca den Ansprüchen nicht zu genügen. Die einzige Möglichkeit auf mehr Spielpraxis scheint derzeit eine Leihe im Sommer zu sein. Rocas Berater Christian Wein dementierte eine solche Idee vehement. „Es wäre verrückt und unprofessionell, schon jetzt über eine Leihe zu diskutieren. Marc hat einen langfristigen Vertrag beim FC Bayern und ist abgesehen davon kein Typ, der nach nur fünf Monaten das Handtuch wirft. Er ist jemand, der um seinen Platz kämpft“, sagte Wein den Internetportalen Spox und Goal.

Spaniens U21-Nationaltrainer Luis de la Fuente, der mit Roca 2019 Europameister wurde, glaubt an seinen ehemaligen Schützling. „Spielern wie ihm gehört die Zukunft. Er kommt aber bereits auf erste Einsätze. Hinzu kommt das tägliche Training an der Seite von Weltstars, das ihm einen zusätzlichen Schub geben wird. Ich bin mir sicher, dass er einer der Eckpfeiler des Zukunftsprojekts in München sein wird“, sagte de la Fuente im tz-Interview. Kann sich Roca doch noch bei den Bayern durchsetzen? Darüber werden die nächsten Monate Aufschluss geben. (ck)

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