Licht und Schatten bei zwei Spielern

Bayern-Neuzugang auf dem Abstellgleis? Flick hatte „keinen Platz“ - Ein Juwel verzückt dagegen alle

Zwei Bayern-Profis erlebten eine sehr unterschiedliche Woche. Jamal Musiala feierte sein Startelf-Debüt, während Neuzugang Marc Roca gar nicht berücksichtigt wurde.

  • Youngster Jamal Musiala verzückt aktuell die Verantwortlichen des FC Bayern.
  • Sorgen bereitet dagegen Marc Roca - er kommt gar nicht zum Zug.
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München - Das Geschrei im Geister-Stadion war laut, gefühlt noch lauter als sonst. Und der Name, den man vor allem in den ersten Minuten dieses 1:1 gegen Bremen am öftesten durch die Allianz Arena hallen hörte, war: „Jamal!“ Thomas Müller schrie: „Jamal, hier!“ Javi Martinez legte nach: „Gut, Jamal!“ Es war offensichtlich, dass die Routiniers den Debütanten unterstützen wollten, wo es ging. Das gelang immerhin so gut, dass Hansi Flick trotz des Remis sagte: „Also mit ihm bin ich zufrieden.“

Tatsächlich hatte auch Musiala sich – außer ein paar Ballverlusten in der Anfangsphase – nicht viel vorzuwerfen, als er in der 63. Minute Platz für diejenigen machte, denen er nacheifert. Serge Gnabry, Leroy, Sané und Eric Maxim Choupo-Moting lösten den 17-Jährigen sowie den Rest des offensiven Mittelfelds ab, sie kamen, um das Spiel zu drehen. Allerdings blieb am Ende doch eher der Auftritt Musialas in Erinnerung. „Er hatte es so schwer wie die komplette Mannschaft. Die Räume waren zu, das hat Jamal auch gespürt“, sagte Flick. Aber der Jungspund im Team war durchaus bemüht – was man nicht von allen Teamkollegen behaupten konnte.

Jamal Musiala: Startelfdebüt auch bei der englischen U 21 gegen Albanien

Auf der Acht, neben Müller, vor Martinez und hinter Douglas Costa sowie Kingsley Coman hatte Flick den Engländer aufs Feld geschickt – und damit schon vor Anpfiff Musialas perfekte Woche gekrönt. Erst vier Tage vor dem Gastspiel der Bremer hatte er beim 5:0 der englischen U 21 gegen Albanien sein Startelfdebüt gefeiert und gleich getroffen, nun folgte das nächste. Und obwohl die Bremer tief und dicht standen, konnte er auch Akzente setzen. Er holte mal einen Gegner von den Beinen oder selbst einen Freistoß raus, gab sich mutig, dribbelte, schoss, versuchte alles. Was aufblitzte: Die „enorme Qualität“, die Flick ansprach. Wenn es mal einen Überraschungsmoment im Offensivspiel der Gastgeber gab, dann war Musiala mit seinen schnellen, manchmal unberechenbaren Bewegungen meist beteiligt.

Flick ist nicht unbedingt dafür bekannt, junge Spieler in den Himmel zu jubeln – er weiß, was dann üblicherweise passiert. Bei Musiala aber hat der 55-Jährige keine Bedenken, Sätze zu sagen wie: „Er hat es verdient, zu spielen. Spiele wie heute sind für ihn einfach mal drin.“ Da hört man schon einen anderen Tonfall raus, als wenn der Coach etwa auf Joshua Zirkzee angesprochen wird. Erst zuletzt hatte Flick mit Blick auf den Stürmer gesagt: „Es geht auch ein bisschen um die Mentalität, die Einstellung, den unbedingten Willen, zu zeigen, was man kann.“ All diese Tugenden hat Musiala, während sie bei Zirkzee intern zu oft vermisst werden. Stichwort: Starallüren.

Bei Musiala besteht da keine Gefahr.

Marc Roca: Für ihn ist beim FCB im Moment „kein Platz“

Äußerst rund sah der Gang aus, mit dem Joshua Kimmich die Allianz Arena betrat. Keine Krücken, keine Bandage, die Treppen zum Sitzplatz auf dem Unterrang nahm der Nationalspieler fast federnden Schrittes. Wüsste man nicht, dass Kimmich erst vor zwei Wochen operiert worden ist, könnte man meinen, da steht einer bald wieder zur Verfügung. So ist es aber nicht. Erst 2021 darf Kimmich wieder kicken.

„Joshua wird immer fehlen“, sagte Hansi Flick nach dem 1:1 der Bayern gegen Werder Bremen. Weil auch Corentin Tolisso kurzfristig hatte passen müssen, war das Mittelfeld des Triple-Siegers am Samstag spärlich besetzt. Bevor Lucas Her­nandez verletzt ausgewechselt wurde, hatte Javi Martinez als alleiniger Sechser agiert, die Rolle nahm dann Leon Goretzka ein. Der 25-Jährige war laut Flick „immer präsent“ und leitete auch den Ausgleich ein. Aber er konnte alleine nicht verhindern, dass Bremen immer gefährlich blieb.

Auf der Tribüne zitterte Kimmich mit, auf der Bank bzw. beim Einlaufen Marc Roca – der allerdings erneut vergeblich auf seine Chance wartete. Noch am Freitag hatte Flick den Neuzugang gelobt, der bisher genau eine einzige Bundesliga-Minute im roten Trikot spielen durfte. Aber, sagte der Coach, „das heißt ja nicht, dass er eine Stammplatzgarantie hat“. Gegen Bremen sei Martinez die bessere Option gewesen, „er ist länger im Verein, hat die Position schon oft gespielt“.

Flick hatte freilich „auf einen anderen Spielverlauf“ gehofft, wollte Roca eigentlich bringen. Weil er aber in die Offensive investieren musste, schloss er das Thema mit dem Satz: „Heute war kein Platz für Marc.“ Am Mittwoch gegen Salzburg wohl auch nicht. hlr

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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