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Götze-Berater packt über Wechsel zum FCB aus: „Er warf mir alle Beleidigungen an den Kopf“

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Mario Götze (l.) bei seiner Bayern-Vorstellung im Nike-Shirt.
Mario Götze (l.) bei seiner Bayern-Vorstellung im Nike-Shirt. © dpa

Mario Götzes Wechsel zum FC Bayern 2013: Kaum ein Deal in der Liga-Geschichte sorgte für so viel Aufsehen. Götzes Berater gibt nun genaue Details des Transfers preis.

München - Kein Wechsel in der jüngeren Bundesliga-Geschichte hatte solche Sprengkraft, wie Mario Götzes Transfer von Borussia Dortmund zum FC Bayern im Jahr 2013. Götzes ehemaliger Berater Volker Struth beschreibt in seinem neuen Buch nun genaue Details des Transfers des späteren WM-Finaltorschützen.

Damals war die Welt in der Bundesliga noch eine andere: Der BVB war 2011 und 2012 Meister geworden, stand 2013 im Champions-League-Finale gegen den FCB. Anders als heute begegneten sich die Teams auf Augenhöhe. Die Transfers der Leistungsträger Götze, Robert Lewandowski und Mats Hummels vom sorgten für viele Diskussionen. Gerade bei Toptalent Götze, der in Dortmund als großes Zukunftsversprechen galt.

Umso brisanter war der Götze-Deal. In seinem neuen Buch „Meine Spielzüge. Aus der Kohlensiedlung zum erfolgreichsten Spielerberater Deutschlands“ (Erscheinungsdatum 28. Oktober im Piper Verlag, 22 Euro, 336 Seiten), aus dem die Bild einige Passagen veröffentlichte, schreibt Struth einige interessante Details.

Wechsel von Mario Götze von Dortmund zu Bayern: Die Skepsis kam sofort

„Matthias Sammer rief an und sein erster Satz klang, als wolle er nur mal mit mir Kaffee trinken. ‚Volker, könntest du dir vorstellen, dass wir uns mal zusammensetzen?‘, sagte er. Und dann: ‚Ich würde mich mal gerne über Mario mit dir unterhalten.“‘ Sammer arbeitete als Sportvorstand für Bayern München. Etwas explodiert jedes Mal wieder vor Freude in mir, wenn ich meinen Spielern so eine Nachricht überbringen kann: ‚Bayern München rief gerade an!‘“, schreibt Struth in seinem Buch.

Sammers Anruf habe ihn allerdings nicht vollständig glücklich gemacht: „Bevor ich diesen Satz aufschrieb, habe ich meine Erinnerungen mehrmals hinterfragt: Kam mir die Skepsis wirklich sofort, bei Matthias Sammers erster Anfrage? Ich bin sicher: Ja, das war so. Denn ich wusste ja, was passieren würde.“

Wie Struth schreibt, sei einen Monat zuvor herausgekommen, dass Pep Guardiola neuer Trainer des FC Bayern wird. Für ihn sei klar gewesen, dass Götze dort sofort hinwollen würde. „Nicht zum FC Bayern, aber zu Guardiola. Und ich fragte mich, ob das gut gehen konnte. Wo war der Platz für Mario in Guardiolas Bayern-Elf? Doch der Name Guardiola machte blind“, so Struth weiter.

Wechsel von Mario Götze von Dortmund zu Bayern: Zorc ist erst sprachlos, dann schimpft er

„Ich versuchte, mich selbst zu überzeugen. Marios Talent konnte niemand aufhalten. Er spielte in Dortmund schon im dritten Jahr auf höchstem Niveau, Bundesliga und Champions League, er hatte mit 20 schon mehr Erfahrung als die meisten 25-jährigen Profis“, fasst Struth zusammen. Er informierte Michael Zorc - und hatte offenbar einen völlig unvorbereiteten Sportdirektor am Telefon. Als Struth diesem erzählte, dass man die Ausstiegsklausel ziehen wolle, war Zorc sprachlos.

„Nichts. Borussia Dortmunds Sportdirektor sagte einfach nichts. Die Stille verweilte. ‚Ich ...‘, begann Zorc, ‚ich muss jetzt erst einmal schlucken. Lass uns in fünf Minuten wieder telefonieren.‘ Fünf Minuten später rief er wieder an. Er warf mir alle Beleidigungen an den Kopf, die die deutsche Sprache hervorgebracht hat, eine nach der anderen, minutenlang. Ich sagte nur einen Satz. ‚Ich kann deinen Zorn verstehen. Aber ich kann es nicht ändern.‘“, sagte Struth laut Buch im Gespräch.

Wechsel von Mario Götze von Dortmund zu Bayern: Guardiola als Knackpunkt

Einen Tag später habe Zorc erneut angerufen. Er berichtete von einer „Schockstarre“ beim BVB und bat um ein Treffen - welches auch nach dem nächsten Bundesliga-Spiel stattfand. Neben Zorc waren auch Jürgen Klopp, damals BVB-Coach, Klubboss Hans-Joachim Watzke, Struths Geschäftspartner sowie Götze und dessen Vater anwesend. „Ich ertappte mich dabei zu hoffen, dass Borussias Trainer Jürgen Klopp den Jungen zum Bleiben überreden würde. Klopp hat eine sensationelle Art zu werben“, schreibt Struth.

Wechsel von Mario Götze von Dortmund zu Bayern: Klopp versucht zu überzeugen

Wie Struth schreibt, habe Klopp angefangen, zu reden, schwärmte von der Einheit mit dem Publikum, der Liebe, die die ganze Stadt für den Verein und auch für Götze empfand. Bevor Struth überhaupt eingreifen konnte, hätte dann Götze für sich selbst gesprochen: „Ich möchte das einmal erleben, für Guardiola zu spielen. Das bedeutet nicht, dass mich irgendetwas in Dortmund stört. Ich weiß bloß, das ist eine Chance, die nie mehr wiederkommt und die ich nutzen will.“

Struth gibt an, er hätte Götze „in solch einer Stresssituation außerhalb des Fußballplatzes noch nie so selbstsicher, so emotional im Gleichgewicht erlebt“. Gute zwei Stunden habe es gedauert, bis man auf Dortmunder Seite festgestellt habe, dass alle Bezirzereien ins Leere liefen. „Ihre Wut traf mich. Denn ich hatte doch sicher Mario eingeimpft, was er zu sagen hatte, oder wieso trat der so unfassbar entschieden auf? Aber auch gegenüber Mario hielten die Dortmunder ihre Enttäuschung nicht mehr zurück“, fasst Struth zusammen. „Hab schon verstanden, Mario, ich bin halt kein Guardiola“, habe Klopp laut Struth gesagt, sei danach grimmig gewesen. Götzes Entschluss habe aber festgestanden.

Er hatte Bauchschmerzen beim Götze-Wechsel nach München: Spielerberater Volker Struth.
Er hatte Bauchschmerzen beim Götze-Wechsel nach München: Spielerberater Volker Struth. © Christian Charisius / dpa

Wechsel von Mario Götze von Dortmund zu Bayern: Berater hat Bauchschmerzen

Im Buch beschreibt Struth eindrucksvoll seine gemischte Gefühlswelt nach dem Treffen. Trotz Götzes sicheren Auftreten habe Struth Zweifel gehabt. Besonders, da Guardiola im gesamten Transfer-Prozess nicht einmal bei Götze persönlich angerufen hatte und vorstellig geworden war. Auch deshalb sprach er diese Gedanekn am Abend, bevor Götze zum Medizincheck flog, gegenüber Spieler und Vater nochmal an. „Du bist dir sicher, Mario?“, habe Struth gefragt. „Ihr seid euch sicher?“ - „Ganz sicher“

So landete Götze also in München - und Struth behielt Recht. Obwohl er mit den Bayern Erfolge feierte, wurde er dort nie ganz glücklich und wechselte schließlich zurück zum BVB, wo er ebenfalls nicht mehr an frühere Leistungen anknüpfen konnte. Heute spielt Götze beim PSV Eindhoven, wo er zu den Leistungsträgern zählt. (cg)

Auch Julian Nagelsmanns Wechsel sorgte für viel Aufsehen. Sein Berater Volker Struth verrät in seinem Buch nun neue Details zum Mega-Trainer-Transfer.

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