Mehr als ein Edel-Statist

Götze: Gutes Spiel und trotzdem im Schatten

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Mario Götze (r.) war gegen Wolfsburg einer der Aktivposten.

München - Mario Götze durfte endlich in einem wichtigen Spiel von Anfang an ran - und überzeugte über weite Strecken. Trotzdem ging sein guter Auftritt bei der Lewy-Show unter.

Mit dem Glück ist das so eine Sache – vor allem, wenn man verschiedene Blickwinkel auf eine bestimmte Gegebenheit hat. Mario Götze hat sich wahrscheinlich weder am 30. Januar noch am 1. August diesen Jahres gedacht, dass er Glück gehabt hat. An beiden Tagen hat der FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg gespielt, oder besser gesagt: An beiden Tagen hat der FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg verloren. Einmal 1:4, einmal 4:5 im Elfmeterschießen. Götze hat sich beide Partien größtenteils von der Bank anschauen müssen bzw. dürfen. Denn rückblickend betrachtet war es vielleicht doch Glück, dass er nicht dabei war. So hatte zumindest einer vor dem Abend am Dienstag kein Wolfsburg-Trauma.

Ob Pep Guardiola sich daran erinnert hat, als er die Startaufstellung in der Kabine platzierte, ist unwahrscheinlich. Sicher jedoch ist, dass der Bayern-Trainer meinte, dass an der Zeit ist, diesem Mario Götze doch mal eine echte Chance zu geben. Nicht in Spielen gegen Darmstadt oder Hoffenheim, sondern gegen einen Top-Gegner, in einer Partie, auf die jeder Spieler hinfiebert. Mit dem Ergebnis, dass Götze dabei war bei den „Lewandowski-Festspielen“ – im Gedächtnis aber bleibt wieder nicht er, sondern ein anderer.

Auf der linken Seite war der 23-Jährige von Guardiola zunächst eingeteilt worden, er sollte gegen den sonst oft unsicheren Christian Träsch seine Chance nutzen. Allerdings: Weder war Christian Träsch am Dienstagabend sonderlich unsicher, noch Mario Götze sonderlich kreativ. Als der Nationalspieler bereits nach wenigen Minuten bei einem Zweikampf im Mittelfeld eine Bauchlandung hinlegte, ahnte man Schlimmstes. So wurde es nicht – aber eben auch nicht ausnahmslos überzeugend. Götze bewegte sich zwischen den Welten: Hier und da ließ er seinen Zug zum Tor aufblitzen; wenn er sich aber mal durchgesetzt hatte, wurden seine Bälle häufig abgelaufen oder verpufften.

Note 1+ für Lewandowski - besser geht's leider nicht

Warum die Bayern mit Blick auf die schwachen Auftritte Götzes über die Außenbahn in der vergangenen Saison heuer Costa und Kingsley Coman verpflichtet haben, konnte man in manchen Szenen gut nachvollziehen. Als er dann in der zweiten Halbzeit über die Zentrale kam – und die Bayern auf einmal aufdrehten – legte auch Götze zu. Auch wenn ihm selbst kein Treffer vergönnt war: Zumindest zwei legte er Robert Lewandowski, dem Mann des Abends, auf. So war Götze doch mehr als nur ein Edel-Statist.

Sicherlich hatte Götze gegen Wolfsburg auch davon profitiert, dass Lewandowski immer noch leicht angeschlagen ist und nicht von Beginn an spielen konnte. Allerdings hat er ja auch den Anspruch, sich in diese Elf zu kämpfen. In allen drei Halbfinal-Spielen in Champions League und Pokal kam Götze in der letzten Saison von der Bank. Auch im Supercup durfte er lange nur zusehen, genauso wie im ersten Topspiel der Saison gegen Leverkusen. Guardiola sieht in WM-Finaltorschützen keinen Mann für die wichtigen Spiele. Bis zum Dienstag. Und es wird spannend sein, wie es nun, da Lewandowski sich bewiesen hat, weitergeht.

Als der Stadionsprecher nach dem fünften Treffer von Lewandowski binnen weniger als zehn Minuten von „Lewandowski-Festspielen“ sprach, freute sich Götze mit seinem Kollegen. Ihm selbst ist so Vergleichbares im Bayern-Trikot noch nie gelungen. Er muss ein bisschen Glück haben, um im nächsten Topspiel in eineinhalb Wochen wieder dabei zu sein. Die letzte Partie gegen Dortmund sah er - genau: Von der Bank.

Das Spiel der Bayern gegen den VfL Wolfsburg im Ticker zum Nachlesen.

Pressestimmen: "Ein-Mann-Tornado" Lewandowski

Von Hanna Schmalenbach

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