Interview mit dem Münchner Merkur

"Ich hatte zwei Optionen: Fußball – oder sehr große Schwierigkeiten"

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Zur Stammkraft gemauert: Der 28-Jährige Innenverteidiger Medhi Benatia. 

München - Er ist Abwehr-Hoffnungsträger der Bayern: Medhi Benatia. Jetzt äußert sich der Verteidiger gegenüber dem "Münchner Merkur" zu seiner Vergangenheit - und seiner "neuen" Heimat Bayern München. 

Lewandowski, Robben, Müller, Götze, neuerdings auch Douglas Costa: Der FC Bayern hat eine Offensive, mit der nur ganz wenige Vereine der Welt mithalten können. 80 Tore in 34 Bundesliga-Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Das erste Tor in dieser Spielzeit glückte dann aber keinem dieser teils filigranen Ballvirtuosen, sondern einer Abwehrkante, die vor kurzem nicht mehr viele auf der Rechnung hatten: Medhi Benatia. Der Innenverteidiger aus Marokko kam vergangene Saison aus Rom für 30 Millionen Euro. 

Debütsaison durchwachsen 

Die Rechtfertigung für die immense Ablösesumme bleib der Marokkaner in seinem ersten Jahr schuldig. Zwar spielte der Neuzugang durchaus solide, Verletzungen warfen ihn aber immer wieder zurück. "Das erste Jahr war schwer, ich musste erst ankommen: Neues Land, neue Sprache, neue Mentalität", so Benatia im Exklusiv-Interview mit dem Münchner Merkur. "Dazu war ich körperlich nicht top drauf in der Vorbereitung, das brauche ich aber. Ich bekam keine Kontinuität in mein Spiel." Diese Saison sieht es anders aus. In der Vorbereitung spielte der 28-Jährige stark auf und wuchs mehr und mehr in die Rolle des Abwehrleaders hinein. 

Kommunikation als Schlüssel 

Ein ganz wichtiger Faktor für diese Entwicklung ist laut Benatia die Kommuniaktion. "Neulich fuhr ich im Auto und habe versucht, im Radio wenigstens mal ein Wort zu verstehen – ich habe nicht ein Wort verstanden, nicht eines!" Dafür habe er sich die Fachtermini der Fußballsprache bereits angeeignet.  Und in der Kabine spreche er mit den Deutschen Englisch, dazu mit Rafinha Italienisch, mit Dante und Franck Französisch. Die Kommunikation funktioniert also  - und sorgt dafür, dass Benatia wieder seine eigentliche Stärke für die Bayern auf den Rasen bringen kann: die Aggressivität. 

"Ich sage immer: Den Ball verlieren, mal einen Fehlpass spielen, das passiert, wir sind alle Menschen und niemand ist perfekt. Aber ein Verteidiger muss immer aggressiv sein, da darf dir in deiner Zone keiner auf der Nase herumtanzen." Und weiter: " So ist mein Spiel angelegt. In meiner Zone bin ich der Boss, da gebe ich den Ton an. Ich muss in dieser Zone den Ball kriegen. Immer. Wenn ich 50 Prozent meiner Bälle verliere, kann ich auch zuhause bleiben. Dann habe ich nicht die Leistung gebracht, die ich bringen muss." 

"Ich hatte nur zwei Optionen: Fußball – oder sehr große Schwierigkeiten"

Klare Worte von einem, der wissen muss, wie man sich durchbeißt. Benatia wuchs in Evry auf, einem Problemviertel am Rande von Paris. "Mein Bolzplatz war die Straße, jedes noch so kleine Plätzchen war gerade richtig. Unsere Torpfosten waren zwei T-Shirts. Abends waren die Knie blutig und die Hosen zerrissen. Immer." Mit 13 kam er schließlich aufs Fußballinternat nach Clairefontaine. Ein Schritt, der sich mehr als gelohnt hat. "Der Fußball hat mein Leben komplett verändert. Ich hatte nur zwei Optionen: Fußball – oder sehr große Schwierigkeiten." Benatia traf die richtige Entscheidung. 

Eine Zeit, die ihn zu dem machte, der er heute ist - weshalb die Bayern im Sommer 2014 einen großen Batzen Geld in die Hand nahmen, um ihn zu verpflichten. Inzwischen fühlt er sich sogar richtig heimisch in München.  Auch deshalb sagt er: "Ich lebe gerade meinen Traum, mein Herz gehört voll und ganz dem FC Bayern." 

Scheint also, als hätte Benatia in seiner neuen Heimat noch einiges vor. Wenn er so weiter spielt, werden die Bayern-Verantwortlichen die Letzten sein, die etwas dagegen hätten. 

Lukas Praller / Andreas Werner

 

Das vollständige Interview können Sie am Donnerstag im Münchner Merkur lesen - und im Laufe des Tages auch auf Merkur.de. 

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