Wie er das Bayern-Talent charakterisiert

Tarnat im tz-Interview: "Das zeichnet Gaudino aus"

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Nachwuchs-Chef Michael Tarnat hält große Stücke auf Gianluca Gaudino.

München - Gianluca Gaudino überzeugte bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Wolfsburg alle. Die tz sprach mit Nachwuchskoordinator Michael Tarnat über den Rohdiamanten der Roten.

Gianluca Gaudino

Er ist das neueste Aushängeschild des junior teams des FC Bayern. Gianluca Gaudino überzeugte bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Wolfsburg alle – auch seinen Chef. Michael Tarnat ist Sportlicher Leiter des junior teams und bestritt selbst 363 Ligaspiele. Die tz sprach mit dem 44-jährigen Nachwuchskoordinator über den Rohdiamanten der Roten.

Herr Tarnat, haben Sie sich mehr über das 2:1 gegen Wolfsburg oder das starke Debüt von Gianluca Gaudino gefreut?

Tarnat: Über beides. Natürlich freue ich mich für Gianluca. Er hat seine Chance genutzt. Er hat sich in der Vorbereitung bei den Profis sehr gut präsentiert und Pep Guardiola überzeugt. Aber das erste Bundesliga-Spiel ist trotzdem etwas ganz anderes. Da sind plötzlich alle Augen auf einen gerichtet, und man wird genau beobachtet. Doch Gianni hat das super gemacht. In so einem Spiel so eine starke Leistung abzurufen, ist etwas Besonderes.

Sein Auftritt sah unheimlich souverän aus, dabei ist er gerade mal 17 Jahre alt.

Tarnat: So ist sein Spiel, das zeichnet ihn aus. Er denkt sehr strategisch und erkennt frühzeitig, wo er den Ball hinspielen kann. Diese Qualität zeichnete sich schon früh in der Jugend ab. Dass er allerdings so abgeklärt gespielt hat, war auch für mich überraschend. Gianni ist ein unheimlich cleverer Spieler, das hat er am Freitag gezeigt.

Erklären Sie das genauer…

Tarnat: Am Anfang hat er sich die Bälle hinten abgeholt und einfache Pässe gespielt. So hat er sich die Sicherheit geholt. Von Minute zu Minute wurde er dann mutiger, frecher. Mit welchem Selbstbewusstsein er aufgetreten ist, war schon beeindruckend.

Damit hat er auch seine körperlichen Nachteile wettgemacht.

Tarnat: Im physischen Bereich kann er sicher noch zulegen. Er war eigentlich immer der Kleinste, im letzten halben Jahr ist er aber ein bisschen gewachsen (lacht). Körperlich muss er noch zulegen, aber dafür verfügt er über eine starke Technik. Er behält die Übersicht und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Im junior team sind wir alle glücklich, dass er bei den Profis angekommen ist.

Ist sein Aufstieg auch ein Ansporn für die anderen jungen Spieler? Die sehen, dass man den Sprung auch beim FCB schaffen kann.

Tarnat: Natürlich ist es schön für uns zu sehen, dass ein Jugendspieler den Sprung geschafft hat. Das scheint in der Öffentlichkeit oftmals unmöglich. Aber Gianni ist nach Pierre-Emile Höjbjerg und Julian Green das nächste Beispiel der jüngeren Vergangenheit. Und wir haben noch mehr qualitativ gute Spieler in unseren eigenen Reihen, die bei den Profis anklopfen können. Davon bin ich überzeugt. In der Öffentlichkeit wird das aber nie so wahrgenommen. Wir feiern uns nicht dafür, einen Spieler zu den Profis gebracht zu haben. Das ist unser Job. Vielleicht sollten wir uns da in Zukunft auch offensiver positionieren und sagen: Jetzt hat es schon wieder einer geschafft!

Karl-Heinz Rummenigge wollte im Nachwuchsbereich nachfragen, warum beim EM-Titel der deutschen U19-Auswahl kein Münchner dabei war. Ist Gaudino jetzt Ihre Antwort?

Tarnat: Zum einen können wir sicher mit Gianni antworten. Aber zum anderen ist es auch so, dass wir sicherlich auch einen Spieler in der U19 gehabt hätten, der sogar eine nicht ganz unwesentliche Rolle gespielt hätte. Doch Julian Green hat sich für die USA entschieden und an der WM in Brasilien teilgenommen – und dort sogar ein Tor geschossen. Und Höjbjerg ist auch ein 95er-Jahrgang.

Kann sich Gaudino jetzt dauerhaft bei den Profis etablieren?

Tarnat: Man darf nicht zu viel von ihm erwarten. Erst mal hat er seine Chance genutzt. Momentan sind aber auch einige Spieler verletzt, die auf seiner Position spielen. Auf der anderen Seite hat Pep aber gesagt, dass er Gianni erst mal bei sich behalten möchte. Ich denke, dass er erst mal fester Bestandteil des Kaders bleibt.

Interview: Sven Westerschulze

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