Klose, Sauer und Seitz über die Nachwuchsentwicklung beim FC Bayern

Talentförderung: Muss der FC Bayern die U19 abschaffen?

Miroslav Klose (l.), Jochen Sauer (m.) und Holger Seitz (r.) stehen stellvertretend für die Nachwuchsarbeit beim FC Bayern München.
+
Miroslav Klose (l.), Jochen Sauer (m.) und Holger Seitz (r.) stehen stellvertretend für die Nachwuchsarbeit beim FC Bayern München.

Miroslav Klose, Holger Seitz und Jochen Sauer sind die Gesichter der Nachwuchsförderung beim FC Bayern. Jochen Sauer denkt dabei laut über das Ende der U19 nach.

München – Worauf kommt es an, um den steinigen Weg zum Profi-Fußballer erfolgreich zu bestreiten? Welche Rolle spielen Trainer, Eltern und Berater dabei? Und was läuft generell schief in der deutschen Nachwuchsarbeit? Diesen und weitere Fragen geht Spielerberater und Ex-Sportjournalist Kai Psotta in seinem neuen Buch „Kicken wie die Profis“ nach. 

Unsere Zeitung druckt vorab Aussagen und Auszüge aus dem Buch, das am 8. März im Heyne-Verlag erscheint.

Im ersten Teil diskutieren FCB-Nachwuchschef Jochen Sauer und sein Stellvertreter Holger Seitz zusammen mit WM-Rekordtorschütze und Bayern-Co-Trainer Miroslav Klose über verschiedene Aspekte der Talente-Entwicklung in Deutschland.

Klose: Der größte Vorteil für Bayern-Talente ist Hansi Flick

Verzahnung zwischen Jugend- und Profi-Bereich: „Der größte Vorteil für die Bayern-Talente ist Hansi Flick. Er gibt den Jungs ernsthafte Chancen, sofern sie es sich verdient haben. Für ihn spielt das Alter keine Rolle, sondern vor allem die Einstellung und der Charakter eines Spielers“, sagt Klose, der die vergangenen zwei Jahre als Trainer im Jugendbereich des FCB tätig war, ehe er im Sommer die Stelle als Co-Trainer von Hansi Flick bei den Profis antrat.

Klose erklärt darüber hinaus die Zusammenarbeit zwischen Jugend- und Profi-Bereich in München wie folgt: „Das ganze Trainerteam ist permanent im Austausch mit Holger (Seitz/Anm. d. Red.) und Jochen (Sauer/Red.) und natürlich hilft es auch ein bisschen, dass ich viele Spieler schon aus der Jugend kenne. 

Wir haben einfach auch eine glänzende Ausgangssituation für unsere Toptalente, weil sie in unserer zweiten Mannschaft schon sehr früh richtigen Männerfußball in einer professionellen Liga lernen können.“

„Kicken wie die Profis“

Sauer: „Kann man die Ausbildung verbessern, indem wir keine U 19 mehr haben?“

Probleme im Übergangsbereich: Campus-Chef Jochen Sauer regt im Buch an, über eine Abschaffung der U 19-Mannschaften nachzudenken: „Ich frage mich ja, ob es wirklich sinnvoll ist, in der U 19 zwei Jahrgänge zusammenzufassen. Man kann jetzt sagen, dass wir dadurch einen Konkurrenzkampf zwischen dem älteren und jüngeren Jahrgang entfachen, der dann auch im Profi-Bereich ausgehalten werden muss. 

Wir könnten aber auch feststellen, dass wir dadurch einfach nur Zeit verlieren, weil es sinnvoller sein mag, dass der U 19-Jahrgang bereits im Herrenbereich spielt. Wir müssen uns also – meines Erachtens – eine Frage stellen, die da lautet: Kann man die Ausbildung verbessern, indem wir keine U 19 mehr haben?“

Dass der Fußball-Nachwuchs von einer Abschaffung der U 19 durchaus profitieren kann, hat Sauer in Österreich beobachtet, wo es diese Altersstufe nicht mehr gibt: „Da ist nach der U 18 Schluss mit Jugendfußball. Das führt dazu, dass einDayot Upamecano weit vor seinem neunzehnten Geburtstag schon über fünfzig Spiele im Herrenbereich bestritten hat.“ 

Klose teilt diese Ansicht: „Es ist ganz wichtig, dass die Toptalente, sofern die Einstellung, die körperlichen Voraussetzungen und der Charakter stimmen, früh an den Männerfußball herangeführt werden. Das beinhaltet natürlich auch, die Chance zu bekommen zu spielen, selbstverständlich nur dann, wenn die Leistung passt.“

Hochveranlagte Spieler wie Bright Arrey-Mbi (l.) überspringen öfter die U19 und spielen schon mit jungen Jahren im Herrenbereich, beim FC Bayern zumeist in der 3. Liga bei der zweiten Mannschaft.

Seitz: Wir müssen die Besonderheiten der Talente fördern

Umgang mit Talenten: Holger Seitz hat in seiner Zeit beim Bayerischen Fußballverband und als Co-Trainer der DFB-Nachwuchsmannschaften einen negativen Trend im Umgang mit Talenten festgestellt: „Die Jungs tun sich schwer, über sich und ihre Stärken zu reden. Sie können viel mehr über ihre Schwächen reden als darüber, was sie positiv ausmacht. Die Jungs haben teilweise gar kein Vertrauen in ihre eigene Leistungsfähigkeit. Weil zu viel mit ihnen über ihre Schwächen geredet wird.“

Seitz führt diesen Eindruck im Buch weiter aus: „Ein Talent wird aber nicht zum Bundesliga-Spieler, weil man seine Schwächen aufgefangen hat. Der Junge wird dann für einen Bundesligatrainer interessant, wenn er etwas Besonderes hat, eine Waffe. 

Wir müssen die Besonderheiten, die jedes Talent hat, vorantreiben. Wir müssen Spieler in irgendwas besonders machen. Im Sport geht es doch vornehmlich um Begeisterung, um Freude. Beim Sport benötigt man eine hohe Motivation. Es ist doch bekloppt, immer über das zu sprechen, was man nicht kann. Selbstbewusste Spieler entscheiden Spiele. Deshalb erzählen wir ihnen hier am Campus schon, was sie können. Wir sind Verstärker.“

(MANUEL BONKE)

Auch interessant

Kommentare