Spanien-Experte über Barcelona

"Für ihn war das, was Pep anstellte, der helle Wahnsinn"

München - Hier schreibt der spanische Journalist Moises Llorens für die tz. Er charakterisiert nicht nur den FC Barcelona, sondern auch Trainer Luis Enrique.

Mit den Jahren fängt jede Maschine langsam zu rosten an. Die Jahre machen sich bemerkbar, und die Zahnräder greifen nicht mehr ganz so reibungslos ineinander wie zuvor. Ein Motor, der ständig auf tausend oder mehr Umdrehungen pro Minute tourt, muss irgendwann mal auch zur Ruhe kommen – andernfalls geht er kaputt. Revisionen zur richtigen Zeit und gegebenenfalls auch Reparaturen können die Maschine aber jederzeit wieder auf Vordermann bringen. Das beste Beispiel dafür ist Barça. Viele dachten nach der Ära Guardiola, sie würden nie wieder ein derart ansprechendes Kombinationsspiel zu sehen bekommen. Heute, ein paar Saisons später, hat sich jedoch gezeigt, dass man niemals nie sagen sollte. Die Maschine läuft wieder.

Barca-Trainer Luis Enrique.

Luis Enrique übernahm Barcelona, das hatte sich jeder erhofft. Zuerst trafen er und Pep Guardiola in der ersten Mannschaft Barças aufeinander, später in den Büros der Ciutat Esportiva, dem Trainingszentrum der Katalanen. Für den Mann aus Asturien war das, was Pep mit den Profis anstellte, der helle Wahnsinn. Er selber eiferte ihm mit der Zweiten nach, schaffte es hingegen nie auf sein Niveau, hauptsächlich weil er nun mal nicht dasselbe Material zur Verfügung hatte.

Luis Enrique hat es aber dennoch geschafft, den Barça-Fan mitzureißen. Nach einer langen Phase der Rotation verfügt er nun zur wichtigsten Phase der Saison über eine frische und fitte Truppe – der erste Pluspunkt gegenüber Peps Bayern. Der Trainer war auch der Meinung, dass man die Pille genauso gut auch mal hinten rausdonnern kann, wenn man auf diese Weise eine gefährliche Situation verhindert. Wenn sich Pique oder Mascherano also mal in Bedrängnis sehen – Zündung und Ruhe! Gerardo Martino zum Beispiel, sein Vorgänger auf der Bank der Katalanen, kosteten ähnliche Situationen den Job. Nachdem er von Barcelona nach Rosario und wieder zurück geflogen war, um seinen Vater zu begraben, kehrte er zu der Partie bei Rayo Vallecano zurück. Seine Mannschaft gewann 4:0, doch in einer Situation zog Valdes den langen Ball vor, worauf Martino ohne Ende kritisiert und am Ende entlassen wurde.

„So ist es nun mal, Barcelona ist heute um einiges vielseitiger“, heißt es dieser Tage aus der Kabine. „Klar, das Positionsspiel ist die Basis unseres Spiels, wenn wir den Gegner aber auch mit Geschwindigkeit überraschen können, sollen und müssen wir das tun.“ Ein Mitglied des Trainerstabs fügt an: „Das ist Fußball, und so wird uns auch niemand von unserer Idee abbringen. Barça will immer den Ballbesitz und bekommt ihn auch. Was wir jedoch wollen, ist den Sieg. Und darauf ist die Mannschaft getrimmt.“

Moises Llorens

Rubriklistenbild: © dpa

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