Das große Merkur-Interview

Hopfner: "Wir können auch 100 Millionen für Müller ausschlagen"

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Bayern-Präsident Karl Hopfner.

München - Im großen Merkur-Interview spricht der FC-Bayern-Präsident Karl Hopfner unter anderem über die große Konkurrenz aus England und den DFB-Skandal.

Herr Hopfner, wie sehen Sie generell die Entwicklung auf dem Transfermarkt? Muss der FC Bayern mit Blick auf die Millionen in England bald den nächsten Rekord-Transfer machen?

Hopfner: Nein. Und da muss ich unserem Vorstand ein Kompliment machen. Die Verträge, die abgeschlossen sind, sind langfristig. Letztendlich läuft kein Vertrag kurzfristig aus. Ich sehe da überhaupt keine Gefahr. Man kann gern bieten für Transfers, keine Frage – aber der FC Bayern kann auch nein sagen.

Ist nicht mal der Punkt erreicht, wo der FC Bayern sparen muss, um auf lange Sicht vorbereitet zu sein?

Hopfner: Die Alternativen sind ja nicht Geld ausgeben oder sparen. Das einzig Wichtige ist, dass wir eine gute Mannschaft haben, die vorn mitspielen kann. Und dabei geht es sicher nicht ums Sparen. Geld schießt Tore und verhindert sie auch – das habe ich immer gesagt. Da hat sich nichts geändert, nur weil die Summen höher werden.

Kann man Angebote über 100 Millionen Euro für Thomas Müller in Zukunft auch noch ausschlagen?

Hopfner: Ja. Aber man muss eins auch mal richtig sehen: Einen Vertrag unterschreiben ja beide Seiten, das ist keine Einbahnstraße. Da gibt es eine Laufzeit, mit der beide Seiten einverstanden waren. Wenn Angebote hier eingehen, haben wir immer das Recht, nein zu sagen.

Hat der FC Bayern Angst vor der Konkurrenz aus England? 

Karl-Heinz Rummenigge ist auf der Jahreshauptversammlung sehr deutlich geworden. Er hat Angst vor der Welle aus England.

Hopfner: Natürlich lockt das englische Geld. Aber wir haben weiter gute Argumente für uns. Wichtig wird bleiben, Spieler aus dem eigenen Nachwuchs an die Mannschaft heranzubringen. Das heißt aber nicht, dass man keine Transfers macht.

Was erwarten Sie sich von Ihrem neuen Nachwuchsleistungszentrum?

Hopfner: Das ist ein großes Projekt, es kostet immerhin 70 Millionen Euro. Die ersten Säulen stehen schon, ich schaue immer gern mal auf dem Weg zur Allianz Arena vorbei. Wir waren in der Juniorenarbeit zuletzt nicht mehr führend, um es so auszudrücken. Jetzt haben wir eine Basis, um wieder salonfähig zu sein. Das Areal gibt die Chance, noch intensiver zu schulen; es ist unter anderem mehr Platz vorhanden. Infrastruktur kann aber nur eine Hilfsleistung sein, die Ausbildung kann man natürlich nicht ersetzen. Kicken müssen die Burschen schon selber können (lacht).

Ist das ein Dorn im Auge, dass in der Jugendarbeit schlecht gearbeitet wurde?

Hopfner: Moment! Ich sage nicht, dass schlecht gearbeitet wurde. Vielleicht haben wir nicht die richtigen Spieler gefunden, wir mussten da akzeptieren, dass Jahrgänge mit dabei waren, die nicht ihren Beitrag geleistet haben. Aber wenn ich jetzt unsere B-Junioren sehe, die sind Tabellenführer – also, da kommt schon was nach. Man darf ja auch nie vergessen, dass es bei uns immer schwerer wurde: Es ist ein extremer Unterschied, ob einer Erstligaspieler wird – oder in der Champions League mithalten können muss.

Und gegen die Engländer mit ihren Millionen.

Hopfner: Das stimmt. Aber ich sage Ihnen ehrlich: Ich bin bei diesem Thema ziemlich entspannt. Denn auch die Engländer können nur einen Kader von 20 bis 25 Spielern haben. Da gibt es auch eine Grenze. Was aber stimmt: Wir müssen unseren TV-Markt auf das Level heben, auf das er gehört. Es kann nicht sein, dass wir in Europa nur auf Rang 5 sind, hinter all den anderen großen Fußballnationen. Es gab in den letzten Jahren in Deutschland zwar eine Steigerung – aber die ist noch nicht ausreichend, um dem deutschen Markt zu entsprechen.

Steigt der FC Bayern aus der Zentralvermarktung aus?

Um mit England Schritt halten zu können, wurde auch die Zentralvermarktung infrage gestellt.

Hopfner: Karl-Heinz Rummenigge hat das richtig gesagt: Wenn man uns zufriedenstellen kann, ist kein Bedarf. Dann sind wir für die Zentralvermarktung. Aber die Lokomotiven in Deutschland – und ich spreche jetzt bewusst in der Mehrzahl – müssen mehr Geld bekommen. Und wenn sie mehr Geld bekommen, werden auch automatisch die anderen mehr Geld bekommen. Damit wäre allen gedient. Es geht dabei nicht darum, ob zentral oder dezentral vermarktet wird. Wir müssen aber erstmal abwarten, was in der Ausschreibung steht. Und dann werden wir über die Verteilung reden.

Steht die Liga vor einer Zerreißprobe?

Hopfner: Der Solidargedanke ist doch nirgendwo höher als beim FC Bayern. Denn wenn man mal betrachtet, was die Einzelvermarktung gegenüber der Zentralvermarktung bringen würde, dann muss man nicht darüber reden, wer in dem Zusammenhang Solidarität zeigt. Und unsere Solidarität geht ja noch weiter, bis in die Zweite Liga. Das gibt es doch in keinem anderen Land. Wir sagen: Es gehört dazu. Aber es muss vernünftig geregelt sein, das heißt, annähernd marktgerecht.

Ist der Preis für die Solidarität nicht irgendwann zu hoch für den FC Bayern?

Hopfner: Das ist vielleicht der falsche Ausdruck. Aber man kann Solidarität auch überstrapazieren. Und wenn das der Fall ist, müsste man reagieren. Es gibt kein Limit, aber es müssen alle vernünftig zusammenarbeiten. Wenn einzelne Klubs meinen, sie müssen jetzt ganz was anderes machen, ist das deren Sache. Ich glaube nicht, dass das mehrheitsfähig ist in der Liga, und gehe davon aus, dass die Vernunft siegen wird. Aber wir schauen uns das genau an.

Sie schlossen neulich eine Zerstückelung des Spieltages nicht gänzlich aus.

Hopfner: Stopp. Das darf jetzt nicht falsch rüberkommen! Mir geht es konkret um den Montag als zusätzlichen Bundesliga-Spieltag. Das ist nichts anderes als ein Entgegenkommen an die Klubs, die in der Europa League spielen. Wenn dies mehr sind, soll nicht die Konstellation entstehen, dass ein Klub schon wieder am Samstag spielen muss, wenn er erst am Donnerstagabend in der Europa League gespielt hat. Dafür sind nur fünf Montags-Termine vorgesehen. Wir finden das sportlich deutlich gerechter. Mit mehr Einnahmen hat das gar nichts zu tun.

Sind Salami-Spieltage also zu umgehen?

Hopfner: Auf jeden Fall. Es muss im freien Fernsehen eine Highlight-Verwertung geben. Und eine Salami-Taktik hat keinen Sinn. Im DFL-Vorstand ist klar besprochen, dass wir die Spieltage nicht erweitern wollen. Einzige Ausnahme Montag – aus erklärten Gründen.

Waren Sie im Jahr 2015 mehr von der FIFA oder vom DFB enttäuscht?

Hopfner: Das kann man nicht miteinander vergleichen. Man muss beim DFB den Schlussbericht abwarten. Ich kann nicht sagen, für was Geld verwendet wurde. Ich weiß nur eines: Den Brief, der ja auch veröffentlicht worden ist, hat Theo Zwanziger unterschrieben. Er war in einer verantwortlichen Position. Er muss sich erklären, was mit dem Geld passiert ist. Dass es auf ein FIFA-Konto gegeben wurde, ist klar. Deshalb ist nicht nur der DFB, sondern auch die FIFA in der Pflicht.

Ist der DFB inzwischen die FIFA light?

Hopfner: Nein, auf gar keinen Fall. In meinen Augen ist das, wie ich eben sagte, nicht vergleichbar. Wenn man die ganzen Verhaftungen und Untersuchungen bei der FIFA sieht, ist das schon ein gewaltiger Einschnitt. Die Parallele zum DFB darf man deshalb nicht ziehen.

Das sagt FC-Bayern-Präsident Hopfner zum Fall Franz Beckenbauer

Franz Beckenbauer hat davon gesprochen, Dinge „blind unterschrieben“ zu haben. Ist so etwas im Alltag eines Funktionärs überhaupt vorstellbar?

Hopfner: Ich habe lange genug mit Franz Beckenbauer zusammengearbeitet. Wenn Franz mal Vertrauen hat, hat er Vertrauen. Es geht bei ihm so weit, dass wenn man etwas vorbereitet hatte und ihm das Schreiben hingelegt hat, er das unterschrieben hat. Er ist auch bei uns als Präsident nicht jedes Schreiben und jeden Brief durchgegangen. Aber das ist eben die Frage des Vertrauens. Beim DFB waren hohe administrativ Verantwortliche dabei – und dass der Franz nicht unbedingt ein administrativer Typ ist, um es mal vorsichtig zu sagen, weiß jeder.

Unterschreiben Sie auch schon mal blind?

Hopfner: Das kommt schon ab und zu vor. Aber nicht bei einem entscheidenden Vorgang. Blind unterschrieben hat auch Franz die Überweisung zur FIFA nicht. Das war ein Brief, der von zwei damals Verantwortlichen unterschrieben wurde.

Der DFB steht vor dem Neustart. Reinhard Grindel wäre ein Präsident, an dem sich die Geister scheiden.

Hopfner: Das ist kein Thema, das Profis und Amateure entzweit. Es geht um etwas ganz anderes: Es muss eine Strukturänderung her, das geht nicht anders. Es muss Einiges klargestellt werden. Das ist nicht abhängig von einer Person. Vielleicht war das Vorpreschen der Landesverbände nicht glücklich, das heißt aber nicht, dass man grundsätzlich gegen Herrn Grindel ist. Er ist ja als Schatzmeister schon mal von der gesamten Liga gewählt worden. Da gibt es keine Abneigung.

Wie begleitet der FC Bayern den DFB-Umbruch?

Hopfner: Es ist ja vorgegeben, dass die Landesverbände und die Amateurvertreter die Mehrheit haben. Aber es müssen in den neuen Verträgen auch alle Interessen berücksichtigt sein. Dafür setzen wir uns ein.

In England trennten sich Profis und Amateure.

Hopfner: Ich hoffe nicht, dass das hier auch passiert. Es wäre schön, wenn die Zwei-Säulen-Strategie im DFB erhalten bleibt. Das wäre ideal. Viele beneiden uns darum im Ausland, um dieses Hand-in-Hand gehen. Aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob es so bleiben wird, wenn ich bestimmte Äußerungen höre. Es muss ein Kompromiss her.

Also wackeln die Säulen doch ein bisschen?

Hopfner: Nein. Aber die auslaufenden Verträge müssen neu verhandelt werden. Da sollte es keine Risse in den Säulen geben.

DFL-Chef Christian Seifert hat in Bezug auf FIFA und UEFA gedroht, dass sich die Ligen in Zukunft mehr zur Wehr setzen werden. Hat er im FC Bayern einen mächtigen Mitstreiter?

Hopfner: Speziell mit dem ECA-Präsidenten Karl-Heinz Rummenigge hat er da einen Mitstreiter. Denn da geht es ja erstmal um die Klubs, die ja die Spieler abstellen müssen. Und die Klubs sind sehr gut vertreten.

Unter anderem würde er sich gegen eine WM mit 40 Teams wehren.

Hopfner: Ich glaube, es werden derzeit viele Wahlversprechen abgegeben wegen der FIFA-Präsidentschaftswahl. Dass die Vollversammlung all diese lustigen Vorschläge umsetzt, ist unwahrscheinlich. Und eine Ausweitung zulasten derer, die die Spieler abstellen, wird nicht durchsetzbar sein. Eine WM mit 40 Teams? Nicht mit uns!

Seifert regt auch an, die 50+1-Regel aufzulockern. Wie sehen Sie den Fall?

Hopfner: Das muss jeder Klub für sich entscheiden. Ich kann nur für den FC Bayern sprechen. Wir haben festgelegt, dass es bei uns ohne Votum der Mitglieder nicht unter 70 Prozent geht. Wenn andere meinen, das anders zu machen, sollen sie. Wir sind da relativ offen.

War die Meisterfeier 2015 eigentlich bisher die schönste – weil das Frauenteam als Meister mitfeierte?

Hopfner: Es war auf jeden Fall einmalig schön, und ich hoffe, es wiederholt sich. Es schaut nicht schlecht aus, die Frauen sind ja schon im Pokalhalbfinale und an der Tabellenspitze mit neun Punkten sogar weiter voraus als die Männer ihrer Konkurrenz. Ich hätte nichts dagegen, wieder gemeinsam zu feiern.

Interview: Andreas Werner

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