Mittelfeld-Oldie in der Krise

Wird Xabi Alonso zum Bayern-Problemfall?

München - Der FC Bayern hat sich beim 4:1 gegen Eindhoven den Frust der vergangenen Wochen von der Leber geschossen. Nur einer kriselt weiter: Altmeister Xabi Alonso.

Xabi Alonso hat alles gewonnen, was Fußballprofis gewinnen können. Er ist Weltmeister, Europameister, Champions-League-Sieger, Spanischer Meister, Deutscher Meister - und so weiter und so fort. Jetzt - irgendwo zwischen spätem Herbst und frühem Winter seiner zweifelsohne beeindruckenden Karriere - wird der stolze Spanier womöglich zum Problem für Bayern-Coach Carlo Ancelotti.

Alonsos Statistikwerte lassen tief blicken

Der Grund: Alonso spielt schlecht, präsentiert sich seit Wochen außer Form. Hatte die Saison noch vielversprechend mit zwei Treffern und zwei Assists begonnen, ist seither der Wurm drin bei Alonso. Ein Blick auf die nackten Zahlen beweist das. Köln - 4, Frankfurt - 5, Eindhoven - 4. Das sind die Noten, mit denen die tz die Leistungen des Spaniers zuletzt bewertete.

Und auch auf dem Platz ist deutlich zu sehen, dass Alonso kriselt. Setzt das gegnerische Mittelfeld ihm konsequent zu, macht er Fehler. Tiefpunkt war zweifelsohne seine Leistung gegen Frankfurt. Acht Fehlpässe in 45 Minuten standen zu Buche. Ein Armutszeugnis für den sonst so ballsicheren Spanier. Konsequenz: Ancelotti nahm den Noch-34-Jährigen zur Halbzeit raus. Frappierend ist auch eine andere Alterserscheinung. Die Geschwindigkeit. Alonso ist oft schlicht zu langsam für das agile Bayern-Spiel. 

Rappelt sich Alonso noch mal auf?

Keine Frage, dem Welt- und Europameister ist mit all seiner Erfahrung durchaus zuzutrauen, dass er sich berappelt. Das Tal momentan ist nicht das erste, das er durchschreitet. Dass Alonso mittel- und langfristig eine Rolle im Bayern-Zentrum spielen wird, ist dennoch unwahrscheinlich. Momentan spricht nicht sonderlich viel für eine Verlängerung seines Vertrages über das Ablaufdatum im Juli 2017 - auch wenn er selber gerne weitermachen würde. „Ich will so lange weitermachen, wie mein Kopf und mein Körper mitmachen“, sagte er kürzlich. Der ehemalige Bayern-Coach und ausgewiesene Alonso-Fan Jupp Heynckes glaubt an dessen Wiedererstarkung. Er ist nach wie vor richtig gut“, sagte der 71-Jährige dem Kicker. „Aber er muss frisch und ausgeruht sein.“ Sind Einsatzpausen also die Lösung für das Alonso-Dilemma? Problem: Alternativen im defensiven Mittelfeld gibt der Bayernkader kaum her. Einzig Joshua Kimmich und Javi Martinez kommen als Vertreter infrage - aber die wurden von Ancelotti und dessen Vorgänger Pep Guardiola zum Offensivspieler und Innenverteidiger umfunktioniert. Zumindest im Falle Martinez könnte sich das bald ändern. Ancelotti brachte ihn gegen Eindhoven spät - allerdings nicht für Alonso, sondern für Kimmich. 

Matthäus trauert Kroos hinterher

Alonsos Krise wirft Fragen auf beim Rekordmeister. Eine dieser Fragen ist: „Warum hat Bayern Toni Kroos gehen lassen?“ Der Ex-Münchner trumpft bei Champions League-Hauptkonkurrent groß auf, ist Dreh- und Angelpunkt bei den Königlichen - und einer, der auch dem Bayern-Mittelfeld gut zu Gesicht stehen würde. „Sie hätten Toni Kroos 2014 niemals zu Real Madrid ziehen lassen dürfen“, schreibt Bayern-Legende Lothar Matthäus in seiner Sport-Bild-Kolumne. Haben sie aber - und den damals 32-jährigen Alsonso als Ersatz geholt. Eine Investition in die Zukunft wäre eher der damals 24-jährige frischgebackene Weltmeister gewesen. Was also machen mit dem strauchelnden Star Alsonso? Ancelotti ist nicht dafür bekannt, schwächelnde Spieler fallen zu lassen. Muss er auch nicht. Glaubt man Jupp Heynckes, dann reicht Xabi Alonso ab und zu ein Päuschen. Ob es das am Wochenende gegen Gladbach geben wird, ist allerdings höchst fraglich.

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Rubriklistenbild: © dpa

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