Bayern-Sieg ohne Schönheitspreis

"... dann ist es schwer,  das alte Gesicht zu zeigen"

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Manuel Neuer, hier beim Aufwärmen vor dem Spiel.

Stuttgart - Der FC Bayern ist froh, wenigstens eine Halbzeit lang ansatzweise sein altes Gesicht gezeigt zu haben. Aber Schönheitspreis haben die Roten in Stuttgart keinen gewonnen.

Stuttgart – Manchmal haben Besuche in einem Fußballstadion erfreulichen Mehrwert. In Stuttgart zum Beispiel wird die Arena bis zum Anpfiff von Hits der „Fantastischen Vier“ beschallt, fast ein wenig Konzert-Atmosphäre kommt auf. Die Deutsch-Rapper sind glühende VfB-Fans, im Stadionheft ist ihre Hymne „Troy“ auf den Klub umgedichtet. „Diese elf Jungs sind zum Verlieben“, lautet eine Zeile. Beim 2:0 des FC Bayern am Samstag war das glatter Etikettenschwindel: Dass die Stuttgarter, nun Tabellenletzter, seit längerem keine Herzen erwärmen, daran hat man sich am Neckar gewöhnt. Auch die Münchner kickten aber keineswegs so, dass der Puls höher schlägt.

Den Bayern war das durchaus bewusst, als sie ihren Bus ansteuerten. Man habe gesehen, dass die zwei Spiele ohne Sieg zum Start ins Jahr 2015 Spuren hinterlassen habe, gab Manuel Neuer unumwunden zu: „Wenn man ein, zwei Schritte zurück gemacht hat, ist es schwer, wieder das alte Gesicht zu zeigen.“ Eine Halbzeit sei als Rehamaßnahme nötig gewesen. „Da konnte man sehen, dass wir aus unseren ersten beiden Spielen eine gewisse Verunsicherung mitgenommen hatten“, sagte der Torwart, „die zweite Hälfte war vernünftiger: So, wie man den FC Bayern kennt.“

Nunja. Es war ein Schritt in die richtige Richtung, nicht mehr und nicht weniger. Die Bayern verbuchten nach dem Wiederanpfiff wieder wie gewohnt mehr Ballbesitz, ihrem Passspiel hafteten auch nicht mehr so viele Fehler an, Stuttgart hatte keine nennenswerte Torchance mehr – „aber“, merkte selbst Neuer an: „Das war jetzt mal eine Halbzeit.“ Und noch dazu eine, die die Schwächen in den ersten 45 Minuten kaum vergessen ließ. Wenn selbst die biederen Schwaben, die ihre Krise mit nun sieben Heimspielen ohne Sieg und sechs Heimspielen ohne Tor eindrucksvoll untermalen können, die Bayern durcheinanderbringen können, ist Skepsis bezüglich der hohen Ziele in der Champions League angebracht.

Bilder & Noten zum Bayern-Sieg: Zweimal die 2, zweimal die 5

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Sicherlich ist es schwer, gegen Gegner, die ihren 16er mit Fünfer- oder gar Sechserreihen verbarrikadieren, Lücken zu finden. Doch die Ideenarmut und die akute Abhängigkeit von Arjen Robbens Genieblitzen verträgt sich kaum mit den Ambitionen eines internationalen Spitzenteams. Auch die Anfälligkeit bei Kontern wird man in Madrid, Barcelona, London, Paris und sogar Donezk notiert haben. Pep Guardiola hat in diesen Tagen mit seinem prallgefüllten Promi-Lazarett das Problem, dass sein Stil in erster Linie zwei Spielertypen benötigt: Ballsichere Akteure in der Offensive sowie schnelle in der Defensive. Davon stehen momentan zu wenige zur Verfügung. Und wenn einem Bastian Schweinsteiger vorne mal wieder ein Abspiel misslingt, haben Dante und Kollegen Mühe, bei den Kontern hinterherzujapsen. Gotoku Sakai hätte das in der ersten Hälfte fast sanktioniert.

Es ginge in der jetzigen Situation nicht darum, „einen Schönheitspreis“ zu gewinnen, erkläre Thomas Müller, „es ist alles kein Wunschkonzert“. Und so begnügten sich die Bayern damit, in Stuttgart wenigstens eine Hälfte lang ansatzweise ihr altes Gesicht gezeigt zu haben – zum Verlieben sehen sie aber so noch lange nicht aus. „Wir ziehen weiter durch die Republik, von Kick zu Kick und Sieg zu Sieg“, dichten die „Fantastischen Vier“ im Stadionheft. Stuttgarter wie Bayern müssen zulegen, wenn diese Zeilen wirklich das Motto der Rückrunde werden sollen.

Andreas Werner

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