Einer seiner Jobs war „unmenschlich“

Einst schenkte er dem FC Bayern ein legendäres Tor ein - nun ist der Ex-Bundesliga-Profi Busfahrer

Nico Patschinski (weißes Trikot) im Zweikampf mit Bayerns Thomas Linke.
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Nico Patschinski (weißes Trikot) im Zweikampf mit Bayerns Thomas Linke.

Der FC Bayern erlebte 2002 eine deftige Niederlage, bei der ein Profi mit seinem entscheidenden Tor bekannt wurde. Heute arbeitet er als Busfahrer in Hamburg.

München - Heutzutage sind die Wege vieler Fußballprofis nach deren Karriereende bereits vorbestimmt. Einige beginnen eine Trainer-Laufbahn, manche machen eine Ausbildung zum Manager im Verein und ein paar wenige Erlesene dürfen ihre Meinung als TV-Experte kundtun. Ein ehemaliger Bundesliga-Spieler, der mit einem legendären Tor gegen die Bayern Berühmtheit erlangte, hatte es nach dem Ende seiner Profi-Laufbahn nicht leicht - und arbeitet heute als Busfahrer.

FC-Bayern-Besieger: Bundesliga-Profi bezwang die Münchner - nach seiner Karriere verlief nichts wie geplant

Ende November 2001 gesiegte der damalige Champions-League-Sieger FC Bayern München gegen die Boca Juniors aus Argentinien mit 1:0 nach Verlängerung und wurde zum ersten Mal Weltpokalsieger. Als die selbstbewussten Bayern im Februar beim Aufsteiger FC St. Pauli antraten, schien die Sache zunächst klar. Doch nach einer halben Stunde erzielte Thomas Meggle das 1:0 für den Underdog. Stürmer Nico Patschinski konnte nach 33 Minuten Oliver Kahn überwinden und entschied somit das Spiel, das sensationell mit 2:1 endete. Der ‚Weltpokalsiegerbesieger‘ FC St. Pauli war geboren!

Schuss ins Glück! Patschinski verwandelte das Millerntor mit seinem 2:0 in ein Tollhaus.

FC-Bayern-Besieger Patschinski: Spielsucht und falsche Investments kosteten ihn sein Geld

Torschütze Patschinski wurde an jenem Mittwochabend zum Helden, auch wenn St. Pauli in derselben Saison noch aus der Bundesliga abstieg. Über den heute 44-jährigen Ost-Berliner wurde jedoch nicht nur aufgrund seiner Tore berichtet, sondern auch über seine Spielsucht, die ihn lange begleitete und ihn sein Erspartes kostete.

„Ich habe damals nicht schlecht ver­dient, aber aus­sorgen konnte man als Zweit­li­ga­profi nicht“, meinte Patschinski vor einiger Zeit in einem 11Freunde-Interview. Unterm Strich habe er „nicht mehr als 30.000 Euro verspielt“, erzählt er. Auch „fal­sche Inves­ti­tionen, Immo­bi­lien, Zah­lungen an meine Ex-Frau“, waren der Grund dafür, dass sich Patschinski nach seiner bewegten Profi-Karriere um eine Arbeit bemühen musste.

FC-Bayern-Bezwinger Patschinski: Einer seiner vielen Jobs war „unmenschlich“

Nach Jobs als Küchenhilfe, Disponent und Paketzusteller erlangte er 2015 wieder kurze Berühmtheit, als er den unüblichen Beruf des Bestatters ausübte. 2018 folgte eine Ausbildung bei den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein, für die er seitdem als Busfahrer im Einsatz ist. Einen Job vergisst der Überlebenskünstler bis heute nicht. „Teer­ar­beiter. Der Gestank, die Hitze: unmensch­lich“, meint der 153-fache Zweitligaspieler.

Patschinski ist nach wie vor bescheiden und „Ich lebe heute noch in einer Ein­zim­mer­woh­nung. Ist doch okay. Ich kann mich eh nur in einem Zimmer auf­halten“, so der Ex-Profi, der sich mit seinem Tor mindestens am Millerntor unsterblich gemacht hat. Und vielleicht trugen die damaligen Bayern-Stars wie Stefan Effenberg, Thorsten Fink oder Giovane Elber dank Patschinskis Treffer ein kleines St.-Pauli-Trauma davon. (ajr)

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