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Hat der FC Bayern München ein Psycho-Problem?

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Von: José Carlos Menzel López, Manuel Bonke

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FC Bayern Trainer Julian Nagelsmann
FCB-Trainer Nagelsmann nach der Bochum-Niederlage und Remis gegen Salzburg: „Fußball ist ein Kopfspiel“ © Tobias Hase / dpa

Der Rekordmeister FC Bayern München tut sich in dieser Bundesliga-Saison ausgerechnet gegen Außenseiter schwer. Handelt es sich dabei um eine reine Kopfsache?

München - Die „Fußballzwerge“ der Republik bereiten Julian Nagelsmann im ersten Jahr als Cheftrainer des FC Bayern bisher die größten Probleme. Vier Niederlagen setzte es in der bisherigen Bundesliga-Saison gegen Teams aus dem hinteren Tabellenbereich wie Frankfurt (Platz 10), Bochum (11), Gladbach (13) und Augsburg (16). Nun gastiert am Sonntag (15.30 Uhr, DAZN) mit der SpVgg Greuther Fürth ausgerechnet das Liga-Schlusslicht in München. Fluch oder Segen?

Beim 1:1 im Achtelfinal-Hinspiel unter der Woche bei Champions-League-Außenseiter RB Salzburg war in den ersten 45 Minuten deutlich zu sehen, dass die Münchner nach der 2:4-Pleite gegen Bochum weiterhin verunsichert sind. Vor allem die Abwehr präsentierte sich erneut gefährlich wackelig. Aber woran liegt’s? Haben die Bayern etwa ein Psycho-Problem?

FC Bayern mit Problemen gegen Bochum: Teampsychologe soll helfen

„Es ist oft so, dass man psychologisch mehr zu tun hat als fußballerisch“, antwortete Nagelsmann am Freitag auf entsprechende Nachfrage und ergänzte: „Fußball ist ein Kopfspiel. Wir haben in Bochum nicht absichtlich eine schlechte erste Halbzeit gespielt.“ Zwischen den Zeilen verriet der gebürtige Landsberger, weshalb das Mia-san-mia-Selbstverständnis diese Saison einen Knacks erlitten hat: „Natürlich ist da dann auch das Pokalspiel mit im Kopf.“ Zur Erinnerung: Ende Oktober setzte es in der zweiten Pokalrunde die historische 0:5-Blamage bei Borussia Mönchengladbach, die den deutschen Rekordmeister anscheinden noch heute beschäftigt – und an seinem Selbstverständnis nagt.

Kein Wunder, dass nach dem 2:4 gegen Bochum und dem Remis in Salzburg derzeit oft der Name Maximlian Pelka fällt. Der Teampsychologe, mit dem Nagelsmann bereits in Leipzig zusammenarbeitete, folgte seinem „Chef“ im Sommer nach München. Im Podcast Unlimited erklärt Nagelsmann die Rolle des Psychologen innerhalb der Mannschaft wie folgt: „Max ist bei uns auch dafür zuständig, gewisse Ungewissheiten zu minimieren, was beispielsweise den Matchplan angeht.“ Darüber hinaus sei er das Verbindungsglied zwischen Trainerteam und Spielern. Sein Aufgabe in dieser Funktion: „In angespannten Situationen eine gewisse Würze rausnehmen und es auf eine sachliche Ebene runterbrechen.“

FCB gegen Fürth: „Wir brauchen wieder mehr Selbstverständnis und Souveränität“

Wie groß der psychologische Einfluss auf die sportliche Leistung ist, zeigt folgendes Beispiel: Nagelsmann zerbricht sich laut eigener Aussage bei Einwechslungen den Kopf, ob er neue Spieler nach taktischen oder psychologischen Gesichtspunkten in die Partie bringt. Gemeinsam mit Pelka hat er Grafiken erstellt, die den psychologischen Einfluss gewisser Spieler auf das Geschehen auf dem Platz aufzeigt: „Wenn ich Spieler x einwechsle, haben wir in neun von zehn Fällen einen psychologischen Effekt für die Mannschaft. Dass wir dann wieder präsenter sind oder mehr Balleroberungen haben.“

Mit Blick auf das Spiel gegen Fürth sei es für Nagelsmann daher wichtig, dass man kritisch und analytisch bleibe, aber nicht alles infrage stelle: „Wir brauchen wieder ein wenig mehr Selbstverständnis und Souveränität. Da ist der Kopf ein wichtiger Teil des Körpers.“ (bok/lop)

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