Schwaches Passspiel im Probetraining

Bayern-Star wurde von Viertligist abgelehnt - „Hätte er bei uns auch so eine Karriere gemacht?“

Bayern-Star Niklas Süle (M.) wäre in der Jugend beinahe bei Carl-Zeiss Jena gelandet.
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Bayern-Star Niklas Süle (M.) wäre in der Jugend beinahe bei Carl-Zeiss Jena gelandet.

Ein aktueller Viertligist lehnte einen heutigen Bayern-Star als Jugendspieler ab. Der einfache Grund: Er fiel im Probetraining durch.

München - Tausende Jugendliche träumen in Deutschland von einer Karriere als Profi-Fußballer. Doch zwangsläufig schaffen es am Ende nur die wenigsten, ganz oben anzukommen. Oft sind Talent und die richtige Einstellung gar nicht die entscheidenden Faktoren, manchmal muss man einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein - oder auch nicht.

FC Bayern: Niklas Süle wurde von Jena ins Probetraining eingeladen

Davon kann Niklas Süle ein Lied singen. Seit 2017 spielt der Innenverteidiger für den großen FC Bayern, ist zwischenzeitlich sogar zum Abwehrchef der deutschen Nationalmannschaft aufgestiegen. Im Mai 2013 gab Süle im Alter von 17 Jahren sein Profi-Debüt im Abstiegskampf der Bundesliga. Sein Trainer bei der TSG Hoffenheim war damals Markus Gisdol, dessen Co-Trainer war wiederum Julian Nagelsmann. Im Sommer übernimmt Nagelsmann den Trainerposten bei den Bayern, dann dürfte es für Süle zum Wiedersehen mit seinem einstigen Förderer kommen. Nagelsmann trainierte Süle seinerzeit in der Hoffenheimer U17 und später bei den Profis.

Süle legte also eine Bilderbuch-Karriere hin, er war eben am richtigen Ort. Dabei hätte wenige Jahre zuvor alles ganz anders kommen können. Der Bayern-Star wäre 2009 nämlich fast beim heutigen Viertligisten FC Carl Zeiss Jena gelandet. Der gebürtige Frankfurter wurde in der Jugend von Eintracht Frankfurt ausgebildet, war schon damals kantig und zweikampfstark. „Ein guter Innenverteidiger eben“, sagt Miroslav Jovic, der Scout vom FCC zu Bild. Nach dem ersten Kontakt, wurde Süle zum Probetraining eingeladen.

FC Bayern: Süle rasselt in Jena durchs Probetraining - schwaches Passspiel und fehlende Übersicht

Doch Süle konnte die Nachwuchstrainer in Jena nicht vollends überzeugen. Der Beweis ist ein Blatt Papier, das Jovic in seinem Aktenschrank hütet. „Es ist ein Fragebogen, den Niklas damals bei uns ausgefüllt hat“, erzählt er. Seine Stärken sollte er angeben. „Selbstbewusst war Niklas schon damals. Er schrieb: ‚Die wird man im Training sehen‘“, verrät Jovic, der früher in der Bundesliga für Energie Cottbus stürmte.

„Jedes Jahr haben wir hunderte junge Spieler, die wir sichten, denen wir Einladungen aussprechen“, erklärt Jovic. Im Herbst 2009 sei Süle ein Kandidat gewesen. „Er wollte aus Frankfurt weg, wir haben ihn eingeladen.“ Das Probetraining lief durchwachsen. Sein Zug nach vorne, die Schnelligkeit und die technischen Fähigkeiten seien Pluspunkte für Süle gewesen und wurden auf dem Fragebogen vermerkt. Mit dem Passspiel und der Übersicht war der damalige Drittligist jedoch unzufrieden und entschied sich letztlich gegen eine Verpflichtung.

Süle wechselte stattdessen kurze Zeit später zu Hoffenheim, der Rest der Geschichte ist bekannt. Eine Frage treibt Jovic noch bis heute um: „Hätte er bei uns auch so eine Karriere gemacht?“ Wenige Jahre später stand Borussia Dortmund kurz vor einem Transfer von Süle, gab aber einem anderen Talent den Vorzug, das heute in der vierten Liga kickt. (ck)

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