Giganten-Duell am Sonntag

Großer tz-Check vorm Finale: Neymar gegen Lewy, Flick gegen Tuchel, Katar gegen Festgeldkonto

Hansi Flick trifft auf Thomas Tuchel, Robert Lewandowski auf Neymar, ein solide wirtschaftender Klub auf einen, der finanziell am Tropf Katars hängt. Der große tz-Check vor dem Endspiel.

  • Der FC Bayern München steht im Champions-League-Finale.
  • Die tz vergleicht vor dem Giganten-Gipfel den FCB mit Gegner Paris St. Germain.
  • Hansi Flick trifft auf Thomas Tuchel, Robert Lewandowski auf Neymar, ein solide wirtschaftender Klub auf einen, der finanziell am Tropf Katars hängt.

München - Vorhang auf für den Giganten-Gipfel! Am Sonntag (21 Uhr/ ZDF, Sky und DAZN) steigt im Estadio da Luz in Lissabon das Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern und Paris Saint-Germain. Hansi Flick trifft auf Thomas Tuchel, Robert Lewandowski auf Neymar, ein solide wirtschaftender Klub auf einen, der finanziell am Tropf Katars hängt. Der große tz-Check vor dem Endspiel. Jonas Austermann

FC Bayern München gegen Paris St. Germain: Trainer

Hansi Flick (55) hat im November 2019 die Nachfolge von Niko Kovac angetreten. Seither ist er maßgeblich an der sagenhaften Münchner Erfolgsgeschichte beteiligt: Der ehemalige Co-Trainer von Jogi Löw gewann 32 der 35 Partien als FCB-Coach. Flick winkt nach dem Oberliga-Titel mit Hoffenheim (2001) sowie der diesjährigen Meisterschaft und dem Pokalsieg der vierte Titel als Cheftrainer. Als DFB-Co wurde er 2014 bereits Weltmeister.

Thomas Tuchel (46) greift nach seinem ersten internationalen Titel – ausgerechnet gegen die Bayern. 2018 galt der ehemalige Mainzer lange als Münchner Top-Kandidat für die Heynckes-Nachfolge. Präsident Uli Hoeneß allerdings hatte Bedenken, letztlich sagte Tuchel dem FCB ab und ging nach Paris. Dort gewann er bislang zwei Mal die Meisterschaft sowie einmal Pokal, Supercup und Ligapokal.

Im Champions-League-Finale kommt es zum Duell zweier deutscher Trainer: Hansi Flick und Thomas Tuchel.

FC Bayern München gegen Paris St. Germain: Kader

Der Kader des FCB kommt auf einen Gesamtmarktwert von fast 929 Millionen Euro. Wertvollste Münchner im Champions-League-Aufgebot sind laut transfermarkt.de Joshua Kimmich (75 Mio.) und Serge Gnabry (72 Mio.). Seit Sommer 2011 – damals stieg das Emirat Katar bei PSG ein – hat der FCB 670 Mio. für 81 neue Spieler ausgegeben. Der Teuerste war Lucas Hernandez, der im vergangenen Sommer für 80 Mio. von Atlético Madrid kam. 

Das Pariser Starensemble ist rund 800 Mio. wert, dabei stechen vor allem Kylian Mbappé (180 Mio. Marktwert) und Neymar (128 Mio.) heraus. Für die beiden blätterte PSG auch irrsinnige Summen hin: Neymar kam 2018 für die weltweite Rekord-Ablöse von 222 Mio. aus Barcelona, Mbappé wurde ein Jahr später fest von Monaco verpflichtet – für vergleichsweise läppische 145 Mio. Seitdem Katar die Finger im Spiel hat, gab der Hauptstadtklub insgesamt 1,25 Milliarden für 135 Neuzugänge aus.

FC Bayern München gegen Paris St. Germain: Finanzen

Von solidem Wirtschaften hält man bei PSG wenig. Präsident Nasser Al-Khelaifi (46) ist auch Vorsitzender von Qatar Sports Investments (QSI), das 2011 PSG erwarb. Seither pumpt das Emirat lustig seine Kohle in den Klub. Zu den potentesten Sponsoren gehören Qatar Airways und Katars Tourismusbehörde. Jene zahlte bis 2017 jährlich 200 Mio., obwohl der Werbevertrag laut Experten nur drei Mio. wert war. Die UEFA ermittelte, PSG durfte fortan nur noch 100 Mio. kassieren.

Herbert Hainer (66) trat im November die Nachfolge von Uli Hoeneß als Präsident an. Der ehemalige Adidas-Boss steht mit seiner Art sinnbildlich für das solide Wirtschaften des Klubs: Es wird (meist) nur ausgegeben, was eingenommen wurde. Geld kassiert der FCB in erster Linie von Hauptsponsor Telekom (rund 35 Mio. jährlich), sowie den Anteilseigner Adidas (60 Mio.), Audi (50 Mio.) und Allianz (sechs Mio.). Über zehn Mio. pro Jahr kommen von der umstrittenen Fluggesellschaft Qatar Airways.

FC Bayern München gegen Paris St. Germain: Historie

Der FC Bayern feierte heuer sein 120-jähriges Bestehen – und zwar mit 295 000 Mitgliedern als größter Sportverein der Welt. In der Vita stehen 30 Deutsche Meisterschaften, 20 Pokalsiege und fünf Titel in der Champions League (2001, 2013) bzw. im Europapokal der Landesmeister (1974, 1975, 1976). Im Sommer sicherten sich die Münchner die achte Schale in Serie. In Europas Top-Ligen war nur Juve dominanter: neun Meisterschaften in Folge.

PSG wurde erst vor rund 50 Jahren aus der Taufe gehoben, ging aus dem Vorstadtklub Stade Saint-Germain hervor, damals ein Zweitligist. Eine Mitgliederzahl ist nicht bekannt. 1986 feierten die Pariser ihre erste von insgesamt neun Meisterschaften. Zuletzt holte das Tuchel-Team den dritten Titel nacheinander. International ist PSG – bisher – ein kleines Licht. 1996 gewann der Klub den Europapokal der Pokalsieger, 2001 den UI-Cup.

FC Bayern München gegen Paris St. Germain: Wiedersehen

Juan Bernat (27) könnte am Sonntag nicht nur den größten Erfolg seiner Karriere feiern, sondern wohl auch den süßesten. Der Spanier spielte von 2014 bis 2018 in München, hängen blieb aus dieser Zeit vor allem die knallharte Abrechnung von Uli Hoeneß. Rund zwei Jahre ist es her, dass der damalige FCB-Präsident nach dem Königsklassen-Viertelfinale gegen Sevilla schimpfte: „Bernat hat Scheißdreck gespielt und hätte uns fast die Champions-League-Saison gekostet.“ Der Linksverteidiger blieb ganz cool und erklärte, er sei dankbar für die vier Jahre in München. Jetzt trifft er mit PSG auf die Bayern!

Königliches Wiedersehen: Kingsley Coman (24) ist in Paris geboren, wechselte im Alter von neun Jahren zu PSG und machte dort auch seine ersten Schritte im Profifußball. In der französischen Hauptstadt gewann er zwei Mal die Meisterschaft (2013, 2014), ging nach Vertragsablauf für eine Saison zu Juventus Turin. Seit nunmehr fünf Jahren kickt der King für die Bayern. Er meinte vor dem Finale gegen seinen Jugendklub: „Es wird ein offenes Match mit vielen Toren.“

FC Bayern München gegen Paris St. Germain: Top-Stars

Robert Lewandowski feierte am Freitag seinen 32. Geburtstag, ein Leistungsabfall ist beim polnischen Knipser aber auch weiterhin nicht zu erwarten. So stark wie heuer hat aber selbst er noch nie aufgespielt: Lewy schoss in bislang 46 Pflichtspielen 55 Tore und legte zehn Treffer vor. In der CL traf der Pole 15-mal bei neun Einsätzen, der Rekord von Cristiano Ronaldo liegt bei 17 Toren. Übrigens: In seiner gesamten Laufbahn kostete Lewy bisher rund fünf Mio. Ablöse. Beeindruckende Zahlen hat auch Senkrechstarter Alphonso Davies vorzuweisen: Sein schnellster Sprint erreichte 36,5 km/h.

222 Millionen Euro! Neymar (28) ist der teuerste Fußballer der Welt und wird das (vorerst) auch bleiben. Selbst als er im Alter von 21 vom FC Santos zu Barça wechselte, mussten die Katalanen fast 90 Mio. hinblättern. Neymar polarisiert mit seinem Hang zur Theatralik und einem bisweilen aufreizend lässigen Auftreten, auf dem Rasen liefert er aber mit beeindruckender Zuverlässigkeit ab. Heuer kommt er in 26 Partien auf 19 Tore und zwölf Vorlagen, ist Kopf der Pariser Weltklasse-Offensive. Und er weiß einen weiteren absoluten Spitzenspieler neben sich: Kylian Mbappé (21). Der Franzose ist sogar noch schneller als Bayern-Roadrunner Davies, wurde einst mit 38 km/h „geblitzt“.

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