Spiel gegen VfB Stuttgart

Guardiola: Meine Frau hat in 20 Jahren "nichts gelernt"

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Pep Guardiola.

München - Weil der VfB Stuttgart keine Betonmauer bilden will, muss der FC-Bayern-Coach Pep Guardiola sein System umstellen. Ein Vorbericht.

Cristina Serra kennt ihren Mann, seitdem er 18 ist. Als der junge Pep Guardiola im Laden ihrer Eltern eine neue Jeans kaufen wollte, war die Spanierin fasziniert. Inzwischen ist ihr Ehemann 44 Jahre alt, kein Jungspund mehr, sondern ein reifer Mann. Die beiden teilen viele Leidenschaften: Mode, Bücher, Architektur – nur die größte Passion ihres Gatten sagt Cristina Serra irgendwie gar nicht zu.

„Meine Frau hat viele Talente, aber im Fußball kennt sie sich gar nicht aus“, sagte der Bayern-Trainer am Freitag. Er schüttelte den Kopf, als er anfügte: „Wir sind mehr als 20 Jahren zusammen und sie hat nichts gelernt.“ In diesem Moment war klar, dass das Ehepaar Guardiola am Freitagabend keinen gemeinsamen Abend werde genießen können. Denn Guardiola wirkte am Tag vor der Partie gegen den VfB Stuttgart, dem letzten Spiel vor der Länderspielpause, so, als habe er im Moment nichts anderes im Kopf als: Fußball.

Auf „acht, neun Positionen“ habe er sich schon entschieden, sagte er: „Aber der Rest . . . puh.“ Dass am heutigen Samstag eine Mannschaft zu Gast ist, die sich zumindest vorgenommen hat, anders zu agieren als all die Gegner, die bisher in München waren, lässt ihn noch mehr grübeln als sonst. „Stuttgart ist wie Leverkusen“, sagte der Katalane und schwärmte von der Spielweise, die Alexander Zorniger im Schwabenland trotz weitgehender Erfolgslosigkeit vehement durchsetzen will. „Sie verdienen mehr Punkte, aber Fußball ist eben ein Mysterium.“ Der VfB steht trotz Offensivfußball mit gerade mal zehn Punkten auf dem 15. Platz. Guardiola geht aber trotzdem von einem „attraktiven Spiel aus“. Anders als beispielsweise letzte Woche in Frankfurt.

„Wir können ein paar Sachen, die den Bayern wehtun“, sagte Zorniger im Lauf der Woche. Guardiola stuft den Südschlager vor allem als gefährlich ein, weil „der Kopf noch halb bei Arsenal und halb in der Länderspielpause ist“. Mehr Zeit für Training bliebe nicht, deshalb wollte er vor dem Anpfiff viel mit seinem Team kommunizieren. Er wird dann wohl auch das Gespräch mit Arjen Robben suchen, der sich in den 55 Minuten als Bankdrücker beim 5:1 gegen Arsenal sichtlich unwohl gefühlt hatte. Dass der Niederländer nun doch im Kader für das Testspiel der Nationalmannschaft gegen Deutschland am 17. November steht, zeigt, dass seine Nicht-Berücksichtigung keine gesundheitlichen Gründe gehabt haben kann. Sondern sportliche.

Guardiola reagierte genervt auf die Nachfrage zum Thema Robben. Der Flügelspieler wisse, dass er noch „viele, viele, viele Spiele spielen wird in dieser Saison“. Eine Einsatzgarantie gelte für niemanden, für ihn sei es daher auch nicht schwieriger, „Arjen Robben zu sagen, dass er nicht spielt, als Joshua Kimmich“. Über den Youngster äußerte der Coach deutlich mehr lobende Worte als über Robben. Und auch als er über die Flexibilität der neuen Flügelzange Kingsley Coman/Douglas Costa philosophierte, kam der Holländer eher schlecht weg („sie können beide auf beiden Seiten spielen, Arjen hat links Probleme“).

Den zunehmenden Konkurrenzkampf zu moderieren, ist die eine Aufgabe, die Guardiola bevorsteht. Die zweite ist es, die letzten kleinen Fehler im Spiel abzustellen. „Sechs, sieben Konter“, wie in der zweiten Halbzeit gegen Arsenal, könne man sich in den K.o.-Spielen der Königsklasse nicht erlauben. Den Satz „wir sind noch nicht bereit, die Champions League zu gewinnen“, meinte Guardiola ernst. Aber: Jetzt kommt ja erst mal Stuttgart. Und sogar eine angebliche Fußball-Nullcheckerin wie Cristina Serra dürfte wissen, dass die Schwaben zwar ihren Mann beschäftigen – aber etwas unter Welt-Niveau spielen.

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