Guardiola erhöht im Endspurt den Druck

Nix super, super! Pep redet Klartext - und kritisiert sich selbst

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Pep Guardiola fordert öffentlich mehr Leistung von seinen Stars.

München - Die Zeit des "super, super" beim FC Bayern scheint beendet. Trainer Pep Guardiola zieht im Saisonendspurt auch verbal die Zügel an und nimmt seine Spieler öffentlich in die Pflicht. Auch selbstkritische Worte sind nicht mehr tabu.

Egal, wie die Saison für den FC Bayern ausgeht - für Schlagerstar Heino wird Pep Guardiola in der Rangliste der Münchner Fußballehrer immer nur maximal Zweiter bleiben. "Der absolute Trainer bleibt für mich Jupp Heynckes", bekannte der blonde Barde mit der markanten Sonnenbrille am Sonntagabend in der Fußballsendung Sky90.

2013 hatte Heynckes zum ersten Mal in Bayerns Klubgeschichte den Dreifach-Triumph aus Meisterschaft, Pokal und Champions League geschafft. Guardiola arbeitet mit Hochdruck daran, dieses Kunststück zu wiederholen. Dafür ändert der Startrainer erstmals seit seinem Amtsantritt 2013 auch seine Strategie. Ab sofort hat die Schönrednerei ein Ende!

Pep Guardiola kritisiert Spieler: "Wir müssen besser spielen"

Obwohl seine Mannschaft durch den 3:0-Heimerfolg gegen den FC Schalke 04 auch die zehnte und damit alle Bundesliga-Partien nach Champions-League-Auftritten gewonnen hatte, war von Guardiolas üblichem "super, super" nach Schlusspfiff nichts zu hören. Stattdessen packte der 45-Jährige die Verbalkeule aus.

"Wir können alle schlagen, aber nicht mit dieser Leistung. Um gegen Atletico Madrid das Finale zu erreichen, müssen wir besser spielen", kommentierte Guardiola: "Ich bin ein bisschen traurig über unsere Leistung. Wir haben 35 Minuten Fußball gespielt, mehr nicht."

Im Saison-Endspurt zieht der Katalane die Zügel an. Er will unbedingt das historische Novum von vier Meistertiteln in Folge erreichen und sich zudem mit einem Europapokal-Triumph in eine Reihe mit Heynckes, Ottmar Hitzfeld, Dettmar Cramer und Udo Lattek stellen. Dafür verlangt er der Mannschaft alles ab, körperlich wie mental. "Ich kann meine Spieler komplett verstehen. Aber es ist keine Entschuldigung, dass wir alle drei Tage spielen. Wir sind Profis, wir müssen jeden Tag Vollgas und das Beste geben", fordert Klartext-Pep.

Pep übt Selbstkritik: "Wir Trainer waren nicht gut"

Sich selbst nimmt der Spanier nicht von der Kritik aus. Auch er und seine Trainerkollegen hätten aus der Vergangenheit gelernt. "Im ersten Jahr waren wir Trainer nicht gut! Wir haben die Bundesliga vergessen, wollten in der Champions League und im Pokal zu viel erreichen", erinnert er sich an die Spielzeit 2013/14, als nach dem frühzeitig feststehenden Meistertitel in der Liga häufig nur noch eine B-Elf agierte. Die Spannung für die entscheidenden Spiele in der "Königsklasse" ging verloren, im Halbfinale gegen Real Madrid gab es eine empfindliche Klatsche. Das will Pep um jeden Preis verhindern.

Am Dienstag wartet mit dem Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen die nächste Pflichtaufgabe (Anstoß 20.30 Uhr), Guardiola erhöht den Druck: "Unsere Körpersprache war schlecht. Wir müssen in jedem Training, in jedem Spiel Vollgas geben, kämpfen! Ich hoffe, es ist eine große Lektion für das Halbfinale gegen Bremen." Der Coach will eine Pleite wie im vergangenen Jahr gegen Borussia Dortmund unbedingt vermeiden und stellt dafür die Grundtugenden des Fußballs in den Vordergrund: "Wir haben keinen Spieler wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo, der 50, 60 Tore schießt. Wir müssen laufen, laufen, laufen."

Zweimal Note 1: Bayern bezwingt mauerndes Schalke 

Sogar öffentliche Einzelkritik ist für Guardiola auf der Zielgeraden der Saison nun kein Tabu mehr. So bekam etwa Flügelflitzer Kingsley Coman nach dem Schalke-Spiel sein Fett weg. "Die erste Halbzeit ist eine große Lektion für King! Er braucht Stabilität und muss lernen, lernen", kommentierte Pep die Leistung des 19-Jährigen. Und sogar Überflieger Arturo Vidal wurde von seinem Coach verbal unsanft abgebügelt. "Arturo muss am Boden bleiben", rüffelte Guardiola seinen zuletzt besten Mann.

In seinen letzten Wochen beim FC Bayern ordnet der erfolgsbesessene Coach dem Erfolg alles unter, für Schönreden ist kein Platz mehr. Wenn am Ende erneut das Triple herausspringt, könnte Schlagersänger Heino vielleicht seine Meinung über Heynckes und Guardiola nochmal überdenken...

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