Großes tz-Interview

Vom FCB zu 1860? Rafinha: "Das kannst Du nicht machen"

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Rafinha hat der tz ein Interview zu seinem 30. Geburtstag gegeben. Spannend, was er über seine Zukunft beim FC Bayern sagt.

München - 2011 kam Rafinha als alter Bekannter nach Deutschland zurück, spielt seither beim FC Bayern – und scheint immer besser zu werden. Wie das? Zu seinem 30. Geburtstag hat die tz mit dem Brasilianer gesprochen.

Rafinha, Sie sind als Stimmungsmacher in der Kabine bekannt, lieben Musik, tanzen gern. Nun werden Sie 30, wie wird das gefeiert? 

Rafinha: Unglaublich, oder? Ich werde 30. Ich bin in meinem elften Jahr hier in Deutschland, das ist Wahnsinn. Die Zeit läuft einfach so weg. Aber ich fühle mich sehr jung, habe noch so viel Energie. An meinem Körper merke ich nicht, dass ich 30 werde…

Woran dann? Sind Sie etwa erwachsen geworden? 

Rafinha: Ja, so langsam (lacht). Ich bin mit 19 Jahren nach Deutschland gekommen, das war eine ganz andere Zeit. Aber es ist gut so, wie es nun ist. Ich habe viele Erfahrungen gemacht in den ganzen Jahren. Komisch ist nur, wenn die jungen Spieler zu mir sagen: Wir haben dich schon im Fernsehen gesehen, da gab es noch Premiere – nicht Sky (lacht).

Sie haben 2005 bei Schalke 04 angefangen. 

Rafinha: Wenn ich zurück schaue, bin ich schon sehr froh und stolz, wie es gelaufen ist. Denn als Brasilianer so jung nach Deutschland zu kommen – puh, das ist schwer. Aber ich habe mich gut angepasst.

Ein Grund mehr, jetzt richtig zu feiern. Was haben Sie denn nun vor?

Rafinha: Ich will ein großes Essen machen mit meiner Familie. Und auch die Mannschaft will ich einladen, zumindest die, die noch hier sind in der Länderspielwoche. Aber auch alle Physios, alle Freunde. 30 ist etwas Besonderes, da muss man feiern!

Wie würden Sie denn feiern, wenn Sie in Brasilien wären? 

Rafinha: Dann wäre die Party noch ein bisschen größer, noch mehr Stimmung dabei. Aber das kriegen wir hier auch hin. Ich lasse meine Familie einfliegen, meinen Bruder, meine Mama. Wir machen den Grill an, ich mache ein bisschen Livemusik. Ich spiele ja sehr gern Gitarre. Wir werden das genießen.

Wie oft sind Sie denn noch in Ihrer Heimat Londrina? 

Rafinha: Zweimal im Jahr. Im Juni vier Wochen, im Dezember zwei.

Früher sind Sie auch mal länger geblieben als erlaubt. 

Rafinha: Ich habe das einmal gemacht. Und beim zweiten Mal waren es gleich mehrere Spieler, aber alle haben nur über mich geredet. Aber wie gesagt: Ich war jung, diese Zeiten sind vorbei.

Körperlich sind Sie sehr fit, haben kaum Blessuren. Woher kommt das?

Rafinha: Oh ja, Gott sei Dank. Seit ich Profi bin, hatte ich keine große Verletzung, ich brauchte keine Operation. Dabei gehe ich eigentlich in jeden Zweikampf, spiele immer hart. Ich weiß nicht, es gibt da kein Geheimnis.

Liegt es in den Genen? 

Rafinha: Muss wohl. Vor allem, weil ja jeder weiß: Das Training in Deutschland ist viel härter als in Brasilien, das Spiel ist sehr körperbetont. Ich würde sagen, ich bin auf dem Höhepunkt meiner Fitness, da bin ich zu 100 Prozent sicher. Wenn du jung bist, jagst du jedem Ball hinterher, übertreibst es völlig. Mit fast 30 sparst du dir auch mal den ein oder anderen Weg, läufst cleverer.

Wie anspruchsvoll ist das Spiel von Pep Guardiola? Wären Sie dem auch mit Anfang 20 gerecht geworden? 

Rafinha: Nein. Es ist doch ganz einfach: Nach dem Triple 2013 haben alle gesagt, besser geht es nicht. Und dann kommt Pep und wir haben einen anderen Fußball gelernt. Mit Heynckes war es auch super, aber jetzt ist es etwas ganz anderes. Und meine Erfahrung hilft mir, ich weiß, was Pep Guardiola möchte. Ich bin viel reifer geworden unter ihm.

Sie spielen ja sogar ab und zu Innenverteidigung!

Rafinha: Oh ja (lacht). Bei Jupp habe ich auch schon Außenstürmer gespielt oder Linksverteidiger. Aber Innenverteidiger, das war neu. Aber es hat super funktioniert! Es ist gut, wenn du flexibel bist. Im Notfall bin ich da, überall.

Ihr Vertrag läuft bis 2017: Was passiert danach? 

Rafinha : Das sind noch fast zwei Jahre! Ich bin da ganz ruhig bei diesem Thema, das ist mir noch zu früh.

Könnten Sie sich vorstellen, noch mal nach Katar zu gehen, oder in die USA? 

Rafinha: Nein, auf keinen Fall. Ich spiele hier, und wenn ich sehe, dass mein Niveau nachlässt, dann gehe ich zurück nach Brasilien und würde dort gern noch ein bisschen spielen. Ich habe es aber noch nicht entschieden.

Claudio Pizarro hat gerade 1860 eine Absage erteilt. War das richtig so?

Rafinha: Ja, absolut. Das kannst du nicht machen. Nichts gegen Sechzig, aber nach neun Jahren FC Bayern? Ich habe Claudio gesagt: Sorry, aber die müssen einen anderen Stürmer holen (lacht).

Ihr Freund Dante ist gerade erst zum VfL Wolfsburg gewechselt. Waren Sie ein bisschen traurig?

Rafinha: Traurig – und sauer auf Wolfsburg (lacht). Die haben schon zwei Kumpel von mir geholt: erst Luiz Gustavo, jetzt Dante. Aber im Ernst: Das ist natürlich traurig, weil wir fast jeden Tag zusammen waren, meine Familie versteht sich sehr gut mit seiner Familie. Unsere Kinder haben zusammen gespielt. Aber so ist der Fußball, das Geschäft ist sehr dynamisch. Die Zeit mit ihm war super, wir haben viele Titel zusammen gewonnen.

Interview: Michael Knippenkötter

 

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