Thiago-Verletzung wiegt schwer

Vor Gipfeltreffen mit dem BVB: Wer ist eigentlich der Chef in Bayerns Mittelfeld?

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Fehlt dem FC Bayern derzeit an allen Ecken und Enden: Thiago. 

Wer ist der Chef im Mittelfeld des FC Bayern? Haben die Münchner aktuell überhaupt einen Anführer? Während Axel Witsel beim BVB performt, ist der FCB in Abwesenheit von Thiago noch auf der Suche.

München - 3. Mai 2016, Tatort Allianz Arena. Der FC Bayern hat Atletico Madrid zum Halbfinal-Rückspiel in der Champions League zu Gast. Es läuft die 31. Spielminute, Freistoß für die Münchner. 69.334 Zuschauer sehen, wie Xabi Alonso anläuft und den Ball unter der Mauer durchsteckt, 1:0 für den FCB, das Hinspiel-Ergebnis ist ausgeglichen. Das Stadion tobt und der deutsche Rekordmeister liefert an diesem Abend eine der besten Darbietungen seiner jüngeren Vereinsgeschichte - auch wenn er trotz eines 2:1-Sieges das Finale schließlich verpasst.

Einer der Gründe für diese dominante Vorstellung: Xabi Alonso. Zu diesem Zeitpunkt ist die Liverpool-Legende bereits 34 Jahre alt, liefert auf dem Rasen aber eine Paradevorführung für die Rolle des Spielmachers, des Taktgebers.

Heute, zweieinhalb Jahre später befindet sich Xabi Alonso längst in seiner wohlverdienten Fußballer-Rente. Und der FC Bayern bräuchte dringender denn je einen solchen Alonso, der das Spiel von hinten ordnet und den Taktstock schwingt, einen echten Mittelfeld-Chef eben. Insbesondere nach der Verletzung von Thiago stellt sich vor dem Gipfeltreffen mit dem BVB die Frage: Wer ist jetzt der Chef im Bayern-Mittelfeld? 

FC Bayern: Thiago-Ausfall eine mittelschwere Katastrophe - wo sind die Alternativen? 

Thiago hatte sich gerade in dieser Saison zum neuen Taktgeber der Münchner gemausert, alles lief über ihn. Seine Ideen, seine Pässe, aber auch sein kluges Defensivverhalten fehlen dem FCB aktuell an allen Ecken und Enden. In den letzten beiden Partien gegen den SC Freiburg (1:1) und AEK Athen (2:0) wurde das nur allzu deutlich. Insbesondere, wenn die Außen zugestellt sind - und das sind sie derzeit fast immer - braucht es im Zentrum einen Spieler der Marke Thiago.

Javi Martínez ist ein Defensivabräumer, ein echter Sechser, das Spiel nach vorne lenken kann er aber nicht. Jedenfalls nicht mit dem Ideenreichtum eines Thiago. James Rodríguez ist ebenfalls ein Kreativer, spielt aber weiter vorne, weil ihm schlicht die Defensivqualitäten abgehen. Leon Goretzka und Renato Sanches kommen beide (noch) nicht in Frage, Corentin Tolisso fehlt noch monatelang verletzt.

So landet man schließlich bei Joshua Kimmich. Der deutsche Nationalspieler sieht sich perspektivisch eher auf der Sechs, wurde dort ausgebildet und überzeugte auf dieser Position auch schon im DFB-Dress. Gegen die Freiburger durfte er dann auch endlich im roten Bayern-Trikot auf seiner Lieblingsposition ran, spielte aber nach eigener Aussage seine bisher schlechteste Partie, seit er an der Säbener Straße ist. Trotzdem gilt der 23-Jährige laut seines Trainers Niko Kovac weiter als Kandidat für diese Position. Auch gegen Dortmund? Angesichts der derzeitigen Situation wäre es sicherlich ein Wagnis, doch Kimmich hat schon gezeigt, dass er es kann. Zumindest bis Thiago wieder da ist

Borussia Dortmund: Axel Witsel ist der neue Chef im Zentrum 

Über solche Probleme kann Borussia Dortmund nur schmunzeln. Generell hat der BVB aktuell einige gute Gründe, gut gelaunt zu sein. Die Bundesliga führen die Schwarzgelben mit vier Punkten Vorsprung an, in der Champions League stehen sie vor dem Gruppensieg und ihre Spielweise verzückt halb Europa. Es ist sogar schon so weit, dass FCB-Präsident Uli Hoeneß vor dem Gipfel betonte, der BVB sei in diesem Spitzenspiel der Favorit

In Dortmund wurde vieles richtig gemacht im Sommer. Die Transfers samt neuem Trainer haben größtenteils eingeschlagen. Einer von ihnen, der sogenannte Königstransfer, ist Axel Witsel. Der Belgier wechselte für 20 Millionen Euro Ablöse von Tianjin Quanjian zu den Schwarzgelben und konnte die Befürchtung mancher, er habe das Fußballspielen aufgrund der mangelnden Konkurrenz in China eventuell verlernt, umgehend widerlegen. Witsel ist der neue Taktgeber im Dortmunder Mittelfeld. Dass Witsel so schnell nach seinem Wechsel zum Chef im Mittelfeld des Tabellenführers aufgestiegen ist, spricht für ihn. 

Defensiv ist er eine Bank und offensiv initiiert er immer wieder gefährliche Situationen. Der 29-Jährige vereint die Qualitäten, die dem Gegenüber aus München mit dem Ausfall von Thiago im Mittelfeld derzeit fehlen. So erzielte er beim furiosen 4:0-Hammer gegen die Defensivstrategen von Atletico Madrid das wichtige 1:0. Die gefürchteten Gegenstöße der „Rojiblancos“ wusste er mit klugem Stellungsspiel und robuster Zweikampfführung zu unterbinden und nach vorne lief ebenfalls fast alles über ihn.

Auch am Samstag gegen den FC Bayern wird er die Chefrolle im Mittelfeld übernehmen. Bleibt nur die Frage, wer ihm dann gegenüber treten wird. 

nc

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