Champions-League-Duell am Mittwoch

Jesse Marsch: Eine Kabinenansprache wurde einst weltberühmt - Trickst er heute auch Hansi Flick aus?

Jesse Marsch steht an der Seitenlinie und gibt seinen Spielern Anweisungen.
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Jesse Marsch ist seit Sommer 2019 Trainer des FC Salzburg.

Jesse Marsch trifft mit dem FC Salzburg auf den FC Bayern. Ein Ex-Löwe kennt den US-Coach und traut ihm den Sprung zu einem Topklub wie Borussia Dortmund zu.

  • Jesse Marsch trifft mit dem FC Salzburg am Mittwoch (21 Uhr) in der Champions League auf den FC Bayern.
  • Der US-Amerikaner hat als Trainer ein steilen Aufstieg hinter sich. Die tz stellt den Senkrechtstarter vor.
  • Ex-Löwe Leonard Stolz spielte bei den New York Red Bulls unter Marsch - und schwärmt noch heute.
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München - Der FC Bayern kann am Mittwoch (21 Uhr) mit einem Sieg gegen den FC Salzburg vorzeitig das Ticket fürs Champions-League-Achtelfinale buchen - doch ein Mann möchte das verhindern: Jesse Marsch (47). Der US-Amerikaner ist seit Sommer 2019 Coach des österreichischen Meisters. Sein Name fällt inzwischen immer öfter, wenn einer von Europas Top-Klubs einen neuen Trainer sucht. Die tz stellt Marsch vor.

„Jesse verkörpert Selbstbewusstsein, Ehrgeiz und Ambition und weiß das auf sein Team zu übertragen“, sagt Leonard Stolz (29) im Gespräch mit der tz. Der Münchner muss es wissen: Nach fußballerischer Ausbildung beim SV Pullach und beim TSV 1860 München ging Stolz in die USA, schaffte nach zwei College-Stationen den Sprung zu den New York Red Bulls. Sein Trainer dort? Jesse Marsch.

Jesse Marsch: Nach Aus in Montreal ging es auf Weltreise

Nach 14 Jahren in der Major League Soccer (MLS) und zwei Kurzeinsätzen für die Nationalmannschaft beendete Marsch 2010 seine aktive Karriere und wurde Co-Trainer der amerikanischen Auswahl. Der gradlinige Karriereweg bekam im November 2012 einen ersten Knick: Marsch hatte 2011 den Chefposten bei Montreal Impact übernommen, nach nur zwölf Siegen in 36 Partien trennten sich die Wege.

Der dreifache Vater wollte Abstand vom Fußballgeschäft gewinnen, machte mit seiner Familie eine Weltreise. Sechs Monate, 32 Länder, vor allem Südostasien. Marsch sagte den Salzburger Nachrichten: „Ich habe in dieser Zeit gelernt, dass es viel wichtigere Dinge als Fußball gibt und ich mir nicht mehr so viel Stress machen darf.“

Jesse Marsch: Erst Assistent von Ralf Rangnick, dann Nachfolger von Marco Rose

Nach der Auszeit nahm der Mann aus Wisconsin einen neuen Anlauf. Erst Co-Trainer an der Princeton University, dann der große Schritt zu den New York Red Bulls. Dass Vorgänger Mike Petke bei den Fans äußerst beliebt war und die Altstars Thierry Henry und Tim Cahill den Klub verlassen hatten, ließ Marsch kalt. Stolz erzählt: „Jesse hat sich von den externen Umständen wenig beeinflussen lassen und ein Team geformt, das die von ihm angedachte Spielweise umgesetzt hat. Letztendlich war seine erste Saison die beste in der Historie des Klubs, und er wurde 2015 zum Coach des Jahres in der MLS gewählt.“

Die Marsch-Route ist bis heute die gleiche geblieben: schnelles, mutiges Pressing. Salzburg formiert er dazu meist in einem 4-2-2-2-System. Das Lebensmotto des Trainers passt dazu: „Wenn du etwas im Leben willst, wartest du nicht darauf, du gehst raus und holst es dir.“ Nach drei Jahren in New York wagte Marsch den Schritt nach Übersee. Innerhalb des RB-Imperiums ging er nach Leipzig, agierte als Assistent von Ralf Rangnick. Als Marco Rose im Sommer 2019 den Chefposten in Salzburg fürs Engagement bei Borussia Mönchengladbach räumte, trat Marsch das Erbe in der Mozartstadt an.

Jesse Marsch: Emotionale Halbzeitansprache gegen FC Liverpool wurde weltberühmt

In seiner ersten Saison sorgte der US-Coach mit den Salzburgern gleich für Aufsehen. Nicht etwa mit dem quasi obligatorischen nationalen Double aus Meisterschaft und Pokalsieg, sondern mit furiosen Auftritten in der Champions League. 6:2 und 4:1 gegen Genk, dazu das legendäre 3:4 an der Anfield Road gegen den FC Liverpool. In der Halbzeitpause damals - beim Stand von 1:3 - hielt Marsch eine Ansprache, die gefilmt wurde. „Es ist nicht ein fucking Freundschaftsspiel“, schimpfte er auf Deutsch mit sympathischem amerikanischen Einschlag. Seine Truppe verstand und lieferte Liverpool einen harten Fight - das blüht am Mittwoch auch dem FC Bayern.

Leonard Stolz (rechts) spielte in der Löwen-Jugend und für die zweite Mannschaft. In New York trainierte ihn Jesse Marsch.

Und wann zieht Marsch weiter? Der Amerikaner hat in Salzburg noch bis 2022 Vertrag, den Sprung zu einem Topklub wie Borussia Dortmund traut Ex-Spieler Stolz ihm allemal zu: „Wenn er die Chance bekommen würde, würde er sich bestens darauf vorbereiten und auch dort Erfolg haben, davon bin ich überzeugt.“

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