Abteilung Attacke

"Wo sind wir denn?" Breitner im Angriffsmodus

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München - Karl-Heinz Rummenigge wollte auf der Reise nach Barcelona nicht sprechen. Dafür schaltete Paul Breitner in den Angriffsmodus.

Der Vorstandschef hatte es nicht besonders eilig. Das Lufthansa-Personal freute sich bereits sichtlich über jeden Fluggast, der sein Ticket über den Scanner zog und an Bord ging, da saß Karl-Heinz Rummenigge noch ein paar Meter vom Trubel entfernt in einem Bistro am Terminal. Vor ihm ein Topf mit Weißwürsten, daneben ein paar Kaffeetassen. Die Vorstandskollegen und der Boss genossen den letzten Münchner Snack, und zwar ganz in Ruhe. Reden wollte Rummenigge vor dem Spiel seines FC Bayern beim großen FC Barcelona nicht. Wie es heißt, sagte er sogar Interview-Termine ab, die seit längerem feststanden. Konzentration statt Kommunikation?

Es sprachen andere. Paul Breitner zum Beispiel, der nach dem Hoeneß-Ausscheiden ja auch wie kein anderer das Mia-san-Mia-Gefühl transportieren kann. Eine Botschaft vom Botschafter aus der Abteilung Attacke. Und Achtung, es ging gut los!

„Hallo? Wo sind wir denn?“, fragte Breitner im Ton der Entrüstung, als er auf die angebliche Chancenlosigkeit bei der Super-Elf des FC Barcelona angesprochen wurde. „Ich wiederhole mich gern bei dem, was bei uns grundsätzlich gilt: Der FC Bayern kann sich nur selbst schlagen. Wenn unsere Mannschaft zweimal Normalform erreicht, dann kommen wir ins ­Finale!“

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Es klang wie eine absolute Selbstverständlichkeit, und das in dieser Situation. Immerhin fehlen den Roten mit Ribéry, Robben, Alaba und Badstuber gleich vier feste Säulen, durch den Ausfall von Sebastian Rode (Muskelfaserriss im Gesäß) bricht zusätzlich eine Option für den Nahkampf im Mittelfeld weg. Aber an Breitners Optimismus war nicht zu rütteln, selbst mit Blick auf Barcelonas Offensivraketen Messi, Neymar, Suarez. Es gehe überhaupt nicht darum, einzig für sie die Defensive in der Vordergrund zu stellen. „Wer soll denn bei uns Beton anrühren? Die sollen aufpassen, was bei ihnen hinten drin so passiert!“, so Breitner.

Der FC Bayern ist heiß, hat den Tunnelblick-Modus voll angeknipst! Obwohl gerade Pep Guardiola ganz sicher sehr gern alles rechts und links vom Spiel aufsaugen würde. Der gefeierte Held ist zurück in der Heimat, brachte zum Fußballfest sogar seine Frau und die Kinder mit. Und eine klare Ansage: „Ich will gewinnen! Ich will gewinnen! Ich habe in den letzten Tagen alles dafür vorbereitet.“ Guardiola ist bereit für die Eroberung des Camp Nou, das er drei Jahre lang nicht mehr durch den Mannschaftstunnel betreten hat. Als Minimalziel hat er für heute ein Tor ausgegeben. Was dann folgt, ist eine normale Pep-Reaktion, mit allen Emotionen – Zurückhaltung wird es nicht geben. „Der Respekt vor Barcelona hängt nicht von meinem Jubel ab!“, so Pep am Dienstag. Bei allem Optimismus machte eine Aussage dann doch ein wenig Sorge. Über Messi sagte Guardiola: „Wenn er so spielt, wie ich es erwarte, ist er nicht zu stoppen. Das ist unmöglich.“ Und er sagte es, als wäre es super-super-unmöglich. Paul Breitner hätte es anders formuliert.

Michael Knippenkötter

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