Wem vertraut Heynckes?

Jupps Startelf gegen Freiburg: Nur eine Position ist fraglich

Nach der Pleite in Paris und dem Remis in Berlin soll der FC Bayern unter Jupp Heynckes gegen den SC Freiburg wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Welcher Startelf vertraut der Routinier?

Es war nicht zuletzt die Aufstellung, die Carlo Ancelotti für das prestigeträchtigen Champions-League-Duell bei Paris St. Germain gewählt hatte und die ihn schließlich den Job als Trainer des FC Bayern München kostete. Arjen Robben und Franck Ribéry saßen nur auf der Bank, ebenso wie Weltmeister Mats Hummels. Dessen Kollege aus der Innenverteidigung, Jerome Boateng, stand nicht mal im Kader und musste die 0:3-Pleite von der Tribüne aus miterleben. Der Rest ist bekannt, Ancelotti ist schon wieder Geschichte beim Rekordmeister.

Heynckes kennt noch viele Bayern-Profis

Unter Jupp Heynckes soll alles wieder besser werden, am Samstag gegen den SC Freiburg will der Trainerfuchs endlich wieder drei Punkte einfahren. Die ersten Eindrücke nach drei Trainingseinheiten stimmen den 72-jährigen Triple-Gewinner von 2013 optimistisch. „Es läuft gut an, alle sind richtig bei der Sache und machen super mit. Es fühlt sich gut an“, schilderte Heynckes am Mittwoch seine Stimmung.

Klar ist aber auch, dass er nicht alles umkrempeln oder gar etwas völlig Neues wagen will. "Wir haben nicht die Zeit, um zu experimentieren", stellte Heynckes bereits kurz nach seinem Comeback an der Säbener Straße klar. Von Vorteil ist die Tatsache, dass Heynckes kaum Eingewöhnungszeit braucht und aus seiner vorangehenden Amtszeit beim FC Bayern noch viele aktuelle Profis kennt.

Aus der Triple-Saison stehen in Manuel Neuer, Boateng, David Alaba, Rafinha, Thomas Müller, Javi Martinez, Ribéry und Robben sowie dem reaktivierten Tom Starke noch neun Spieler im aktuellen Kader. Arturo Vidal kennt Heynckes noch aus seiner Zeit in Leverkusen. Er weiß, dass er sich auf diese Akteure verlassen kann und was er ihnen hat. dementsprechend werden viele von ihnen auch am Samstag in der Allianz Arena gegen Freiburg in der Startelf des FC Bayern stehen. Wir analysieren die einzelnen Mannschaftsteile und nennen die voraussichtliche Aufstellung.

Tor

Die eigentliche und unantastbare Nummer eins, Manuel Neuer ist verletzt. Mit seinem Haarriss im Mittelfuß fällt der Welttorhüter noch bis mindestens Januar aus, eventuell sogar noch länger. Stellvertreter Sven Ulreich sah zuletzt nicht immer souverän aus und räumte selbst ein, dass er Neuer eben nicht eins-zu-eins ersetzen könne. Erste Spekulationen waren aufgetaucht, ob nicht vielleicht Tom Starke  zwischen die Pfosten rückt. Doch Heynckes will an Ulreich nicht rütteln: "Ich schenke dem Jungen mein volles Vertrauen." Vertrauen gegen Verunsicherung - ein bewährtes Rezept von Heynckes, das auch Ulreich helfen soll, Stabilitität zu finden.

Sven Ulreich (l.) hat das volle Vertrauen des neuen Trainers.

Abwehrkette

Weltmeister Boateng war in Heynckes‘ letzter Amtszeit als Abwehrchef bei den Roten gesetzt. Nach seiner langen Verletzungspause ist der Innenverteidiger noch nicht wieder bei 100 Prozent, aber Heynckes weiß, dass der 29-Jährige nur mit Spielpraxis zur alten Form zurückfinden kann und wird Boateng gegen Freiburg aufstellen. „Er schenkt uns Spielern viel Vertrauen, auch mir. Der Trainer erwartet, dass ich auf dem Spielfeld viel spreche. Dass ich mich innerhalb der Mannschaft einbringe und Verantwortung übernehme“, sagte Boateng gegenüber der Welt: „Ich bin mir meiner Rolle bewusst und will der Mannschaft mit guten Leistungen helfen.“

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Von Mats Hummels‘ Präsenz und Qualität war Heynckes schon nach wenigen Trainingseindrücken überzeugt, der Nationalspieler ist innen gesetzt. Links hinten wird - auch mangels Alternativen - David Alaba ran dürfen, der seit über einem Jahr in seinen Leistungen zwar stagniert, aber unter Heynckes wieder aufblühen könnte. An Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger führt ohnehin kein Weg vorbei.

Defensives Mittelfeld

In der Triple-Saison 2013 war Javi Martinez auf der Sechs einer der Grundsteine für den Erfolg. Der Spanier stabilisierte mit seinem rigorosen Zweikampfverhalten die Defensive und hielt mit seiner körperlichen Präsenz den Laden zusammen. Heynckes wird den Spanier wohl erneut aus der Abwehr eine Reihe nach vorne ziehen und ihm die defensive Verantwortung im Mittelfeld übertragen - schließlich hat er gute Erfahrungen mit Martinez gemacht, den er 2012 unbedingt von Athletic Bilbao loseisen wollte und nach langem Hin und Her auch konnte.

Jupp Heynckes hält große Stücke auf Javi Martinez (l.).

Die zweite Position im defensiven Mittelfeld ist die wohl noch einzig offene Personalie für die Partie gegen die Breisgauer. Neben „Zerstörer“ Martinez ist eine kreativere Variante vonnöten, daher haben Sebastian Rudy und Thiago Alcantara wohl die besten Karten für einen Platz in der Startelf. Corentin Tolisso muss sich vermutlich zunächst hinten anstellen, Arturo Vidal klagte am Dienstag über Muskelbeschwerden und wird sich voraussichtlich auf der Bank wiederfinden.

Offensives Mittelfeld

Franck Ribéry ist bekanntlich längerfristig verletzt, den Platz auf der linken Außenbahn im von Heynckes bevorzugten 4-2-3-1-System, das im Bedarfsfall auch zu einem 4-3-3 werden kann, wird daher Kingsley Coman einnehmen. Ancelottis Wunschspieler James Rodriguez kommt nach der erfolgreichen WM-Qualifikation mit Kolumbien erst Freitag nach München zurück und muss Heynckes noch von seiner Qualität und Wichtigkeit für das Team überzeugen.

Im zentralen offensiven Mittelfeld vertraut Heynckes auf Ersatzkapitän Thomas Müller, von dem er gleichzeitig fordert: „Es ist notwendig, dass er alle Elemente trainiert, die er braucht. Das heißt: vor dem Tor in Kombination mit den Mitspielern, aber auch im Torabschluss. Diese Abläufe kann man ins Gedächtnis zurückrufen. Über die Motivation, die Bereitschaft, sich richtig zu quälen, kann man viel erreichen.“

Von Thomas Müller fordert Heynckes die Bereitschaft, sich richtig zu quälen.

Auf rechts kommt derzeit niemand an Arjen Robben vorbei, der am Dienstag in seinem letzten Länderspiel für die Niederlande in der WM-Qualifikation gegen Schweden seine Weltklasse einmal mehr unter Beweis stellte und einen - am Ende wertlosen - Doppelpack servierte. Heynckes adelte Robben nach dessen Rücktritt aus der Nationalmannschaft und stellte ihn auf eine Stufe mit Holland-Idol Johan Cruyff.

Sturm

In Robert Lewandowski hat der FC Bayern nur einen echten Mittelstürmer im Kader - und der spielt auch immer, sollte er nicht mal ausnahmsweise verletzt sein. Lewandowski schoss Polen unter der Woche zur WM - und sich selbst in die Geschichtsbücher - und wird auch gegen Freiburg als zentrale Spitze für Torgefahr im Freiburger Strafraum sorgen.

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Video: Glomex

Rubriklistenbild: © sampics / Stefan Matzke

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