Auftritt ohne Argumente

Sven Ulreich vergeigt sein Debüt beim FC Bayern

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Der Nöttinger Niklas Hecht-Zirpel (r) jubelt über seinen Treffer zum 1:1 gegen den Münchner Torwart Sven Ulreich.

München - Torwart Sven Ulreich vergeigt sein Debüt beim FC Bayern und verspielt womöglich seine Chance auf weitere Pokal-Einsätze: „Ich war nervös“, sagt er.

Die Frage kam gleich zum Einstand. Als Sven Ulreich Anfang Juli beim FC Bayern vorgestellt wurde, redete er schon über einen möglichen Einsatz im DFB-Pokal. „Man freut sich, wenn man Spielzeit bekommt. Ich werde da sein, wenn ich gebraucht werde“, sagte der 27-Jährige damals. Nun, nach dem Ernstfall beim 3:1 gegen Fünftligist FC Nöttingen, muss man sagen: Das war er nur bedingt.

Ein Gegentor, wenn man vorne drei Treffer macht – das ist zu verschmerzen. Und trotzdem ziehen Torhüter nach einer Partie auch immer ihre persönliche Bilanz. Ulreich hatte nicht wirklich viel zu tun bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz für den Deutschen Meister. Kam aber ein Ball auf sein Tor, wirkte er in nahezu allen Situationen unsicher. „Man denkt, man hat schon einige Bundesligaspiele. Für den neuen Verein das erste Spiel zu machen, ist aber natürlich immer etwas Besonderes. Deshalb war ich etwas nervös“, gab er hinterher zu. Eine gelungene Premiere war es nicht.

Gleich drei Mal ließ der ehemalige Stuttgarter einen Ball nach vorne abprallen, beim 1:1-Ausgleich profitierte Torschütze Niklas Hecht-Zirpel von der Schludrigkeit des Ersatzmanns von Manuel Neuer. Dass der Nöttinger Ulreich auch noch tunnelte, passte irgendwie zu diesem Auftritt, der wenige Argumente für weitere Einsätze lieferte. Immerhin kurz vor Schluss, als Michael Schürg den Anschlusstreffer auf dem Fuß hatte, war Ulreich zur Stelle.

2,5 Millionen Euro: Die Bayern haben für Sven Ulreich vergleichsweise viel Geld in die Hand genommen, weil sie einen Torwart verpflichten wollten, der das Spiel ähnlich interpretiert wie Neuer. Pepe Reina hatte es in der Vorsaison nicht geschafft, Guardiola so von sich zu überzeugen, dass er im Pokal zum Einsatz gekommen wäre. In Barcelona hatte der Coach in diesem Wettbewerb jahrelang seine Ersatztorhüter spielen lassen.

Bei den Bayern versuchte er es nun mit Ulreich. Gegen Nöttingen blieben dessen Fehler ohne fatale Konsequenzen, in Spielen gegen andere Gegner aber wäre das Risiko größer. Eine generelle Abmachung für Pokalspiele gibt es noch nicht. Es ist aber wahrscheinlich, dass Neuer, der ohnehin beteuert, keine Pausen zu benötigen, wieder in allen drei Wettbewerben im Tor stehen wird.

„Gegen einen Oberligisten sollte man schon zu Null spielen. Da habe ich mich geärgert“, sagte Ulreich, der seinen Auftritt aber „im Großen und Ganzen als okay“ bewertete. Die Umstellung seines Spiels sei ihm schwer gefallen, erzählte er in Nöttingen, „hier muss ich mehr mitspielen, die Bälle von hinten raus, das haben wir in Stuttgart nicht so gemacht“.

Für Ulreich wird die Situation in München nicht leichter werden. In Stuttgart hatte er starke Phasen, es war aber kein Zufall, dass er seinen Stammplatz auch zwei Mal abgeben musste. Er ist ein Typ, der Selbstvertrauen braucht, um seine Leistung zu bringen. Die holt man sich über Spielpraxis. Doch damit könnte es ab jetzt schlecht aussehen.

Hanna Schmalenbach

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