Hojbjerg, Kimmich, Kurt, Gaudino & Co.

Große Analyse: Welches FCB-Talent ein Weltstar wird

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Hojbjerg, Kimmich oder Eberwein (v.l.n.r.)? Welches Bayern-Talent hat das Zeug, sich beim Rekordmeister durchzusetzen?

München - Kimmich, Kurt, Gaudino - oder doch ein anderer? Die Bayern haben namhafte Talente in ihren Reihen. Doch welcher Spieler hat das Zeug, sich beim Rekordmeister durchzusetzen? Und ein internationaler Top-Star zu werden. Eine Analyse.

13. November 2002: Im bedeutungslosen Champions-League-Vorrundenspiel gegen den RC Lens steht in der 76. Minute ein 18-jähriger blonder Jungspund am Spielfeldrand des Olympiastadions. Es ist Bastian Schweinsteiger, der gleich sein Pflichtspiel-Debüt für den FC Bayern geben wird. Auch Philipp Lahm absolviert im selben Spiel in der 90. Minute sein erstes Spiel für den Rekordmeister. Über zehn Jahre später sind die Gesichter reifer und die Vitrine ist zum Bersten voll mit Erfolgen: mehrere Deutsche Meisterschaften und Pokalsiege, je ein Sieg in der Champions League, im Europäischer Supercup und der Klub-WM sowie ein Weltmeistertitel haben Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm mit dem FC Bayern und der Nationalmannschaft errungen.

Und im aktuellen Kader der ersten und zweiten Mannschaft verbergen sich nach den vergangenen Transferaktivitäten der Münchner einige heiße Kandidaten, die eine ähnliche Karriere hinlegen könnten. Wir analysieren, unter der Voraussetzung, dass sich keiner verletzt, wer das Zeug zum nächsten Superstar hat:

Julian Green (19)

Julian Green hat bei der WM mit seinen guten Auftritten als Joker auf sich aufmerksam gemacht. Die Konkurrenz bei den Münchnern war jedoch zu groß. Eine Ausleihe zum Hamburger SV sollte ihm mehr Spielzeit garantieren. Doch daraus wurde bislang nichts. Er versauert in Hamburg auf der Tribüne und hat nur fünf Einsätze gemacht - davon keiner länger als 50 Minuten. Seine Entwicklung stagniert derzeit ein wenig. Dabei hat Green in der Regionalligasaison 2013/14 in 23 Spielen mit 15 Treffern seine Torgefahr unter Beweis gestellt. Bei den Profis sprang nur ein Einsatz heraus.

Unsere Einschätzung: Ganz bitter für Green: Er hat sich verleihen lassen, um Spielpraxis zu sammeln - und findet sich dann auf der Tribüne wieder. Wenn sich nichts an seiner Situation ändert und er im Sommer zurückkehrt, wird er es ganz schwer haben. Durchsetzungspotenzial: 30%

Marco Hingerl (18)

Hingerl spielt seit zwei Jahren in der Jugend des FC Bayern und kam aus Unterhaching. Der 18-Jährige ist im Mittelfeld variabel einsetzbar: Zentral, links oder rechts. Allerdings fühlt sich Hingerl in der Zentrale sehr wohl. Bei den A-Junioren ist er einer der tragenden Säulen und erzielte bislang vier Tore und bereitete einen Treffer vor. In der Youth League glänzte er in sechs Einsätzen mit zwei Treffern und zwei Vorlagen. Anfang Januar war er einer der beiden A-Jugend-Spieler, die mit ins Trainingslager nach Doha durften. "Ich hoffe, dass ich ein bisschen frecher geworden bin. Am Anfang ist es klar, dass man zurückhaltender ist. Aber dann konnten wir auch mal den ein oder anderen ärgern", sagte der gebürtige Münchner.

Unsere Einschätzung: Marco Hingerl ist einer mit Identifikationspotenzial. Er kommt aus München, wirkt bodenständig und sehr ehrgeizig. Talent hat er sowieso. Aber bei den Bayern ist es ein harter Weg nach oben. Durchsetzungspotenzial: 30%

Michael Eberwein (18)

Michael Eberwein ist der zweite U19-Spieler gewesen, der in Doha Profi-Luft schnuppern durfte. Zusammen mit Hingerl hat er "einen guten Eindruck hinterlassen", findet Sportdirektor Matthias Sammer. Der Stürmer hat eine sehr gute Quote und ist mit neun Toren der zweitbeste Torjäger der A-Junioren-Bundesliga. Mit 1,93 Meter ist er ein richtiger Sturmtank, der aber auch mitspielen kann wie seine vier Assists beweisen. Allerdings sind Stoßstürmer nicht der bevorzugte Spielertyp Guardiolas und welcher Angreifer hat sich zuletzt als Jugendspieler in dem Weltstar-Ensemble des Deutschen Meisters durchgesetzt?

Unsere Einschätzung: Eberwein überzeugt in der Jugend auf voller Linie. Auch im Trainingslager hat er überzeugt. Dennoch gibt es sehr viele Stolpersteine. Durchsetzungspotenzial: 30%

Lucas Scholl (18)

Der Junior von Mehmet Scholl spielt sich Stück für Stück in das Blickfeld von Pep Guardiola. Er war im Sommer schon bei einigen Trainingseinheiten bei der ersten Mannschaft mit dabei und hat auch schon vergangene Saison mit den Profis trainiert. Möglicherweise hat ihm Vater Scholl einiges an Talent vererbt. Zum Beispiel Standardsituationen: "Er schießt sehr gute Freistöße", sagt sein Coach Heiko Vogel. Die meisten Einsätze hat Scholl jr. bei den A-Junioren und hat in zwölf Spielen zwei Tore erzielt. Aber auch für ihn gilt: Körperlich hat er noch Nachholbedarf.

Unsere Einschätzung: Ganz schwierig, weil Scholl jr. noch nicht einmal bei den Profis gespielt, sondern nur trainiert hat. Hat er den Ehrgeiz seines Vaters könnte er den Durchbruch schaffen. Aber wir trauen ihm das zu. Durchsetzungspotenzial: 35%

Mitchell Weiser (20)

Eigentlich hatten Mitchell Weiser schon alle abgeschrieben: Eine Ausleihe zum 1. FC Kaiserslautern erbrachte ihm nicht den erhofften Erfolg, zum Aufstiegsspiel der Reserve flog er in den Urlaub und im Sommer riss das Syndesmosesband beim Freizeitkick mit David Alaba. Aber im Trainingslager stieg Weiser wie ein Phoenix aus der Asche. Er überzeugte im Training und in den Testspielen. Entscheidend war speziell das erste Training nach seiner unglücklichen Verletzung: "Da hat es direkt 'Boom' gemacht", sagt Weiser. Nach seiner Einwechslung gegen ZSKA Moskau hat man diesen Willen gespürt. Trotz 17 Minuten Spielzeit hinterließ er einen bleibenden Eindruck. Das sieht auch Sportdirektor Sammer. "Mitchell arbeitet seit einem halben Jahr extrem gut, da hat es wirklich klick gemacht", sagte er im Trainingslager in Doha.

Unsere Einschätzung : Vor ein paar Wochen hätte man keinen Cent auf Weiser gesetzt. Doch er scheint - auch mental - gereift zu sein. Sein Vorteil: Auf der rechten Halbposition gibt es wenige Alternativen und er könnte Rafinha (29) beerben. Durchsetzungspotenzial: 45%

Sinan Kurt (18)

Nach einigen Querelen wechselte Top-Talent Sinan Kurt Anfang dieser Saison an die Isar. Der große Durchbruch lässt noch auf sich warten. Bislang stehen nur A-Jugend-Einsätze (sechs Tore, zwei Assists) und eine Einwechslung beim Reserve-Team im Portfolio, aber Kurt hat Geduld. "Wir sind noch jung. Deshalb müssen wir mehr machen als die anderen.", erklärte er nach dem Trainingslager. Die Vorschusslorbeeren lassen sich sehen: Eine überragende Technik mit einem linken Zauberfuß. In den restlichen Bereichen besteht aber noch Verbesserungsbedarf und er muss noch lernen mit dem großen Druck beim FC Bayern umzugehen.

Unsere Einschätzung: Über eine Millionen Euro hat der FC Bayern für den 18-Jährigen an Gladbach überwiesen. Die Bosse sind auf jeden Fall überzeugt, dass es der U-19-Nationalspieler schaffen kann. Man muss ihm Zeit geben. Sein Durchbruch könnte in den nächsten drei bis vier Jahren - möglicherweise durch eine Ausleihe - geschehen. Durchsetzungspotenzial: 50%

Gianluca Gaudino (18)

Es war schon eine dicke Überraschung als Gianluca Gaudino auf dem Spielberichtsbogen beim Bundesligaauftakt gegen Wolfsburg stand. Nach der Verpflichtung von Xabi Alonso reduzierte sich die Zahl der Einsätze bei der ersten Mannschaft. Aber Gaudino hinterließ einen sehr guten Eindruck: Passsicherheit (eine Quote von 95% in der Bundesliga), eine feine Technik, beidfüßig und ein überragendes Spielverständnis. Außerdem genießt er eine hohe Wertschätzung bei Pep Guardiola und Matthias Sammer. Einzig seine körperliche Defizite im Zweikampf verhindern einen ganz großen Sprung. Hermann Gerland, Talentschmied des FC Bayern, ist sich ganz sicher: "Der wird Bundesliga-Spieler".

Unsere Einschätzung: Viel Potenzial, sehr viel Potenzial hat der Sohn von Maurizio Gaudino. Wird er noch körperlich robuster, hat er eine sehr erfolgreiche Karriere vor sich - wahrscheinlich dann beim FC Bayern. Durchsetzungspotenzial: 55%

Pierre-Emil Hojbjerg (19)

Derzeit ist Pierre-Emil Hojbjerg an den FC Augsburg ausgeliehen. Er geht also, wie auch schon David Alaba und Philipp Lahm oder Toni Kroos, den Umweg über einen anderen etablierten Bundesliga-Klub. Allerdings zeigte Hojbjerg schon in einigen Spielen sein riesiges Potenzial, unter anderem beim DFB-Pokalfinale 2014 gegen Dortmund. Seine Schwäche ist, dass er unter Druck noch nicht so souverän agiert und manchmal überhastet Fehlpässe produziert. Allerdings kann er dieses Manko wahrscheinlich mit mehr Spielpraxis ausmerzen. Guardiola ist trotz einiger Vorfälle in der Hinrunde überzeugt von seinem Rohdiamant. Spielübersicht und Spielintelligenz sind beim Dänen überragend. Dazu ist er sehr robust im Zweikampf und kann in der Offensive den tödlichen Pass spielen.

Unsere Einschätzung: Auch wenn es in dieser Saison nicht für den Durchbruch reichte, was der luxuriösen Besetzung im Mittelfeld geschuldet ist, könnte auch Hojbjerg spätestens in zwei, drei Jahren mit mehr Erfahrung aus der Bayern-Elf nicht mehr wegzudenken sein. Durchsetzungspotenzial: 65%

Joshua Kimmich (19)

Der U-19-Europameister Joshua Kimmich wurde von Pep Guardiola persönlich beim Spiel zwischen dem TSV 1860 und RedBull Salzburg beobachtet - und er war höchst angetan von den Fähigkeiten des zentralen Mittelfeldspielers. Kimmich, der unter anderem die Fritz-Walter-Medaille in Bronze verliehen bekam, zeichnen besonders seine Ballsicherheit, seine gute Antizipation, seine Passübersicht und eine exzellente Technik aus. Sein ehemaliger Coach beim VfB Stuttgart Ilija Aracic sagt über Kimmich: "Joshua war damals schon ein herausragender Führungsspieler. Er ist ein Anführer." Eine weitere Eigenschaft ist seine Bodenständigkeit. "Joshua war vom ersten Tag an in jeder Trainingseinheit extrem ehrgeizig. Er war immer sehr zielstrebig, selbstbewusst und trotzdem immer hilfreich und bodenständig", lobte ihn DFB-Stützpunktkoordinator Thomas Sinz auf der Webseite des Deutschen Fussball-Bundes. Diese Charakterzüge werden von Matthias Sammer und Guardiola sehr geschätzt.

Unsere Einschätzung: Kimmich wird seinen Weg gehen - beim FC Bayern und möglicherweise auch in der DFB-Elf. Der Junge bringt alles mit. Spielverständnis, Einstellung und vor allem Talent. Unter Pep Guardiola kann er richtig groß rauskommen. Und zum internationalen Top-Spieler werden. Durchsetzungspotenzial: 80%

Michael Sapper 

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