Er trifft auf seinen kleinen Bruder

Thiago und das ganz besondere Wiedersehen

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Thiago (r.) trifft auf seinen kleinen Bruder Rafinha.

München - Thiago trifft gegen den FC Barcelona nicht nur auf die Ex-Kollegen, sondern auch auf seinen kleinen Bruder Rafinha.

Das Video aus dem Jahr 1996 ist satte sechs Minuten lang und an Dramatik kaum zu überbieten. Mal liegt der kleine Thiago am Boden, mal stibitzt Rafinha seinem zwei Jahre älteren Bruder den Ball, mal läuft es genau andersherum – am Ende aber muss Mama Alcantara einschreiten. Zu viel gespielt, zu viel gerannt, zu viel gerauft: Das Spiel musste ja irgendwann ein Ende haben.

„Ich habe Gott für diesen Bruder jeden Tag gedankt“, erzählte Rafinha einmal über sein besonderes Verhältnis zu Thiago. Diese kleinen, ab und an auf Video aufgenommenen Spielchen nämlich gab es im Hause Alcantara jeden Tag. „Wir hatten niemals Streit, haben uns nie wirklich geschlagen. Wenn es dann aber den Ball zwischen uns gab, wurde es wirklich ernst“, sagt Rafinha. Einen klaren Gewinner gab es selten, dafür waren beide zu gut. Was aber aus der Jugend geblieben ist: „Wir sind beide Fan des anderen.“

Als am Freitagmittag klar war, dass der FC Bayern im Halbfinale der Champions League auf den FC Barcelona treffen würde, wussten beide: Die brüderliche Freundschaft wird Anfang Mai für mindestens zweimal 90 Minuten ruhen müssen. Die Auslosung hatten sich die beiden Latino-Spanier noch gemeinsam angesehen, via „Facetime“. Über Twitter kursierte schnell ein Foto dieses Videochats, auf dem man sie – Thiago in München, Rafinha in Barcelona – bester Laune sah. Sie freuen sich auf dieses Duell, obwohl es doch mehr Brisanz in sich trägt als die früheren Partien im Elternhaus. Es geht um den Einzug ins Finale der Königsklasse – und für die Brüder um die Frage: Wer spielt beim besseren Klub?

20 Millionen Euro haben die Bayern vor knapp zwei Jahren für Pep Guardiolas Wunschspieler Thiago an den FC Barcelona überwiesen. Es sei eine „Ehre, nun im Camp Nuo zu spielen“, sagte der ältere Alcantara zum Los, Guardiola hatte schon zuvor erzählt, dass es für ihn selbst und Thiago „eine spezielle Partie“ sei. Der Mittelfeldmann, der so lange verletzt war, wird vom Bayern-Trainer wie ein Sohn behandelt, er sieht ihn als Schlüssel für das Spiel des Double-Siegers. Die Auftritte in den letzten Partien geben ihm da Recht. „Aber“, sagte Guardiola, „alleine kann er es nicht richten“.

Thiago, der wie sein Bruder Rafinha (bürgerlich: Rafael) aus der Jugendakademie „La Masia“ entstammt, hat den Weg aus Barcelona gewählt, weil ihm damals keine Spielzeit garantiert wurde. Rafinha entschied sich – wie übrigens auch bei der Wahl für das brasilianische und nicht das spanische Nationalteam – für den anderen Weg. Der jüngere Alcantara gilt als Juwel, das übermäßige Talent hat er wie Thiago wohl von Vater Mazinho, dem brasilianischen Weltmeister von 1994, geerbt.

In der Mannschaft, die unter Trainer Luis Enrique und mit dem Offensiv-Trio Luis Suarez, Neymar und Lionel Messi zu alter Stärke gefunden hat, ist er noch kein Stammspieler, bekommt nach einem Leih-Jahr bei Celta Vigo aber immer mehr Einsatzzeiten. „Er ist ein viel ernsthafterer Fußballer als ich“, sagt Thiago über seinen kleinen Bruder. Nicht ganz so unberechenbar im Mittelfeld, nicht ganz so risikoreich auf der Suche nach dem Traumpass – aber deshalb auch (noch) mit weniger Geistesblitzen.

Barca-typisch spielen sie beide, die Technik am Ball ist überragend. Und auch der Wunsch nach dem Finaleinzug eint sie. „Wir werden alles daran setzen, um weiterzukommen und in Berlin um die Krone Europas zu spielen“, sagte Thiago am Freitag. Aus Barcelona hörte man eher Kurioses: Die Bayern seien das Wunschlos der Spieler, hieß es; zum einen, weil sie offensiv spielen, zum anderen, weil man Revanche üben will für die Schmach von 2013. Und wenn man auf das Video der Alcantaras schaut, könnte man meinen: Auch da ist noch eine Rechnung offen.  

hls

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