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Müller platzt der Kragen: „Versagen“-Interview nach Gladbach-Debakel im Wortlaut

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Von: Alexander Kaindl

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Der FC Bayern München ist im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach untergegangen. Thomas Müller wurde daraufhin im Sky-Interview deutlich.

Mönchengladbach - Der FC Bayern München erlebte in der 2. Runde des DFB-Pokals eine der dunkelsten Stunden seiner jüngeren Vergangenheit. Beim 0:5 gegen Borussia Mönchengladbach wollte dem Rekordmeister ganz und gar nichts gelingen. Auch finanziell schmerzt das Ausscheiden, den Bayern gehen mehrere Millionen Euro durch die Lappen.

Einem schmeckte die Watschn natürlich überhaupt nicht: Thomas Müller. Das ehrgeizige Bayern-Urgestein stellte sich nach der Schmach den Fragen von Sky-Reporter Patrick Wasserziehr. Dort sprach der 32-jährige Weltmeister dann Klartext. Das komplette Gespräch:

Thomas Müller, die Bayern in den letzten Wochen so dominant. Heute fast chancenlos, 0:5. Haben Sie mit etwas Abstand zum Spiel schon den Ansatz einer Erklärung?

Das „fast“ muss man auf jeden Fall weglassen, wenn du hier 0:5 verlierst. Über das ganze Spiel gesehen haben wir nicht diesen Punkt gefunden, wo dieser FC-Bayern-Wut-Motor dann angeht. Wir sind von uns auch anderes gewohnt, wir sind enttäuscht von unserer eigenen Leistung. Wir können uns bei unseren Fans, die hier waren, die uns am Fernsehschirm die Daumen gedrückt haben ... da können wir uns nur entschuldigen, Gladbach natürlich zu einem Super-Spiel gratulieren. Aber normalerweise wollen wir die sein, die bestimmen, ob ein Gegner gegen uns gut spielt oder nicht. Wenn wir Manu mal ausnehmen, den wir schön alleine gelassen haben heute, dann war das von allen Beteiligten, die heute gespielt haben, denke ich eine katastrophale Leistung. Das musst du erstmal hinbekommen. So ein kollektives Versagen von einer Bayern-Mannschaft bei so einem wichtigen Spiel, bei einem K.o.-Spiel, habe ich selber jetzt noch nicht erlebt. Deswegen ist das jetzt erstmal ein bisschen schwierig zu fassen, wenn ich ehrlich bin.

FC Bayern: Thomas Müller spricht über Pokal-Blamage - „Fehler gemacht und falsche Entscheidungen getroffen“

Ja, klar. Das kann man auch verstehen. Wann haben Sie gespürt, dass im Grunde nichts geht?

Wir haben uns schon eigentlich gedacht - nach dem ersten Gegentor, nach dem zweiten Gegentor - wir können uns schütteln, wir können den Schalter umlegen. Das ist uns vielleicht in der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit ein bisschen besser gelungen. Nachdem es dann 0:3 stand, hatten wir vielleicht unsere beste Phase im Spiel. Da hätten wir es auf 3:1 stellen können kurz vor der Halbzeit. Aber das war‘s dann schon. Wir haben uns in der Halbzeit nochmal versucht, ein bisschen zu verändern. Sowohl emotional - weil es ging ja in allen Bereichen heute in die falsche Richtung. Sowohl von unseren Positionierungen, hauptsächlich natürlich von unserer Zweikampfführung, Körperlichkeit - da hat uns Gladbach den Schneid abgekauft. Aber natürlich auch im technischen Bereich haben wir Fehler gemacht und dann natürlich auch falsche Entscheidungen getroffen, haben vielleicht zu viel auch klein-klein gespielt, hätten öfter die Tiefe suchen müssen, um aus dem Druck der Gladbacher einfach rauszukommen. Aber dann kriegen wir eigentlich relativ zügig das 4:0 und irgendwann ... man hat so ein bisschen daran geglaubt, so ab der 70., vielleicht 75., wenn wir jetzt noch eins machen, dann kann vielleicht noch was Verrücktes passieren. Aber, wenn wir ganz ehrlich sind, hat‘s nicht danach ausgesehen.

Thomas Müller nach Bayerns Pokal-Debakel in Gladbach: „Relativ einfach, selbstkritisch zu sein“

Wäre es heute besonders wichtig gewesen, in der Halbzeit doch den Cheftrainer da zu haben?

Ihr könnt loslegen, wie ihr wollt. Wir haben gar kein Argument. Man kann jetzt alles herannehmen, was man will. Wir müssen uns dem stellen. Man kann alles hinterfragen heute und liegt immer richtig. Für uns gilt es, das irgendwie abzuhaken. Wir haben nicht viel Zeit. Wir haben ein paar Tage, Samstag geht es schon wieder in Berlin weiter. Aber so eine Situation hatte ich jetzt auch, glaube ich, noch nicht.

Ich kann nur sagen, es waren sehr selbstkritische Worte. Dankeschön, Thomas Müller, danke.

Ja gut, wenn man nach so einem Spiel ... da ist es auch relativ einfach, selbstkritisch zu sein.

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