Trainer fordert Variabilität

Auch ohne Mbappé und Griezmann: Wie Kovac dem FC Bayern die Weltmeister-Taktik beibringt

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Bayern Münchens Cheftrainer Niko Kovac (r.).

Niko Kovac setzt beim FC Bayern München künftig auf taktische Variabilität. Die ersten Trainingseinheiten zeigen, wie er den Ballbesitzfußball modifizieren will.

München - Das frühe WM-Aus Deutschlands und Spaniens hat gezeigt: Der reine Ballbesitzfußball muss deutlich modifiziert werden. „Ohne Geschwindigkeit bringt Ballbesitz heutzutage nicht mehr viel. Und wenn Spieler im Laufe der Endlos-Kombinationen auch noch weit vorrücken, wird der Ballbesitzfußball sogar gefährlich, weil bei Ballverlust so viele Räume für den Gegner zum Kontern entstehen“, erklärte Bayern Münchens Trainer Niko Kovac kürzlich in einer Kolumne der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Ballbesitz ist und bleibt wichtig, dennoch bedarf es einer Feinabstimmung. So ließ Kovac im Training am Donnerstag - die FCB-Profis liefen in den neuen Auswärtstrikots auf - fast 45 Minuten lang Pressing, Aufbauspiel und verschiedene Systeme üben. Dabei unterbrach der 46-Jährige nach höchstens drei Pässen, korrigierte seine Spieler und setzte auf zahlreiche Wiederholungen der Pass- und Laufwege.

Niko Kovac lässt beim FC Bayern im 3-4-3-System trainieren

Besonders interessant: Der Neu-Coach setzte zu Beginn auf ein 3-4-3-System. Später stellte Kovac auf ein 4-3-2-1-System, auch Tannenbaum-Formation genannt, um. All diese Übungen sind ein erster Fingerzeig auf die taktische Variabilität, die der Kroate seinen Spielern künftig einimpfen will.

Es ist auch zu erwarten, dass der FCB künftig Phasen in seinem Spiel haben wird, in denen er etwas abwartender und defensiver agieren wird. „Der heutige Fußball ist sehr variabel, wir müssen auf verschiedene Situationen reagieren können“, so Kovac. Der gebürtige Berliner ließ in den vergangenen Tagen daher auch das Defensivverhalten trainieren.

Die Spielweise war laut Bild vergleichbar mit der von Weltmeister Frankreich bei der WM 2018. So zogen sich alle Spieler nach einem Ballverlust in die eigene Hälfte zurück, sogar der Mittelstürmer stand an der Mittellinie. Druck auf den Gegner wurde erst dahinter gemacht. Ziel ist es, nicht ausgekontert zu werden, sondern nach Ballgewinn selbst blitzschnell umzuschalten. Auch wenn ein Spieler mit der Geschwindigkeit eines Kylian Mbappé dem Bayern-Kader fehlt.

Niko Kovac: „Wenn wir Druck machen, passieren Fehler“

In Sachen Pressing hat Niko Kovac ohnehin klare Vorstellungen: „Wenn wir Druck machen, passieren Fehler. Wenn nicht, dann nicht.“ Im Training unterteilte er das Feld dafür in fünf vertikale Zonen: In drei davon sollte sein Team verteidigen, die anderen beiden wurden freigelassen. Der Effekt: Der ballführende Gegner wird höllisch unter Druck gesetzt, verliert im Optimalfall schnell den Ball.

Man darf gespannt sein, ob die Bayern bereits am Samstag die Handschrift ihres neuen Cheftrainers erkennen lassen. Im Test gegen Paris Saint-Germain will Kovac aber noch auf das bewährte 4-3-3 zurückgreifen. „Das ist das System, das der FC Bayern immer spielt. Wir werden es im Moment dabei belassen, auch weil wir viele A-Jugendliche und U23-Spieler dabeihaben.“

Wenn die WM-Fahrer im Trainingslager in Rottach-Egern (2. bis 9. August) dann zum Aufgebot stoßen, geht der Münchner Coach in die Vollen.

Lesen Sie auch: FC Bayern München: Welchen Effekt hat die WM auf den deutschen Rekordmeister?

sk/jau

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