FCB-Trainingslager in Doha ist gestartet

Peps letztes Projekt unter Palmen

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Stars zum Anfassen – und Ablichten: Die berühmten Bayern-Profis (hier Thiago) wurden nach ihrer ersten Trainingseinheit in Katar umringt und von allen Seiten mit Smartphone-Kameras fotografiert.

Doha - Finale Stimmung in Doha: Der FC Bayern hat am Mittwoch sein Trainingslager im Wüstenstaat gestartet. Für Pep Guardiola der Auftakt zu seinem letzten Projekt.

Drollige Szenen haben sich gestern am Flughafen abgespielt, als sich der FC Bayern zu seiner Reise nach Katar aufmachte. Zunächst wurde der Teambus schlagartig von Fans belagert, als er vor Terminal 2 parkte. Dann begann das Betteln um Autogramme, das skurrilste Blüten trieb. Ein Fan fragte die Profis, ob er sie umarmen dürfe. Er wurde charmant abgeblockt.

Die Objektive zoomten auf dem Weg zum Check-In des Lufthansa-Flugs LH 2570 vor allem Pep Guardiola heran: Würden die Fans auch den Trainer umarmen wollen, nachdem er den Klub im Sommer verlässt? Seine Unterschrift war begehrt wie eh und je, und der Katalane kam den Wünschen emsig nach. Er gab sich volksnah. Ihm dürfte klar sein, dass er in den letzten sechs Monaten in München bei jeder Gelegenheit Pluspunkte sammeln muss. Sonst ist das Feuer auf ihn schnell eröffnet. Wer geht, genießt wenig Kredit. Und im Zweifel noch weniger Schutz.

Man müsse die Entscheidung des Trainers „respektieren und akzeptieren“, sagte Philipp Lahm, auch wenn der Kapitän den Abschied nicht ganz nachvollziehen kann. Er als Spieler habe bis auf ein Leihgeschäft in jungen Jahren mit dem VfB Stuttgart jedenfalls nie den Wunsch verspürt, zu gehen: „Beim FC Bayern hat man alles, was man braucht.“ Aber Guardiola sei mit seinen 44 Jahren noch ein junger Coach – dass er seinen Horizont erweitern möchte, sei da nachvollziehbar. „Wenn ich 55 oder 60 Jahre alt wäre, würde ich bleiben, bis Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß oder Matthias Sammer sagen: ,Pep, es ist genug!’“, hatte der Coach am Tag vor dem Abflug ins Trainingslager erläutert. So aber sei der Grund, sich zu verändern, „sehr einfach: Ich will in England in der Premier League trainieren. Das ist der einzige Grund.“

Guardiola wirkte bei seinen Ausführungen glaubwürdig, es war ihm ja schon bei seinem Dienstantritt der Ruf vorausgeeilt, sich eher als Handlungsreisender in Sachen Fußball zu verstehen. Er befindet sich auf einer Mission, will sich dabei selbst und die von ihm betreuten Klubs neu erfinden. England gilt wegen der enormen Investitionsmöglichkeiten als Spielfeld der Zukunft. Das reizt.

Gaudino vor Leihe, Kurt und Kirchhoff vor Vereinswechsel

Da er das nächste Ziel bereits im Hinterkopf hat, will er mit den Bayern nun umso intensiver an einem glanzvollen Ende der Liaison arbeiten. Der Auftakt unter Palmen wurde in voller Kaderstärke angetreten. Insgesamt 29 Spieler reisten ins Emirat mit, darunter sämtliche Rekonvaleszenten sowie die Talente Niklas Dorsch, Fabian Benko, Marco Friedl (je 17) und Milos Pantovic (19). Sogar ein 15-Jähriger ist dabei: Torwart Christian Früchtl soll erste Profi-Erfahrungen sammeln.

Nicht an Bord des nur halbvollen Airbus A 340-600 (rund 100 der 360 Plätze waren besetzt) saß unterdessen Jan Kirchhoff, der beim AFC Sunderland weilt, um letzte Details seines Wechsels zu klären. Sinan Kurt fehlte ebenfalls, er spielte gestern mit einer Sondergenehmigung probehalber bei Hertha BSC vor. Und auch Gianluca Gaudino blieb in München. Er verhandelt mit dem Schweizer Erstligisten St. Gallen wegen eines Leihgeschäfts. Laut seinem Vater Maurizio Gaudino, der als sein Berater fungiert, sind die Gespräche schon „weit fortgeschritten“.

Nach der Landung bat Guardiola noch am Abend zu einer ersten Übungseinheit. Man will ja keine Zeit verlieren. Auf Testspiele wird zunächst verzichtet, es soll ausschließlich intern für die Rückrunde geprobt werden. Dass der Trip abseits der sportlichen Fragen Brisanz hat, da Katar wegen der Ausbeutung der Billigarbeitskräfte am Pranger steht, ist den Stars wohlbewusst, sagte Lahm. „Die Frage ist: Was ist besser? Zuhause bleiben – oder Probleme offen ansprechen?“, meinte der Routinier, „unsere Aufgabe ist es, uns hier auf die Rückrunde vorzubereiten und nicht die Augen zuzumachen – und das wird die Mannschaft auch nicht.“

Guardiolas Demission wird die zweite Saisonhälfte nicht belasten, sagte Lahm außerdem: „Wir Spieler wollen immer das Maximum, egal, ob ein Trainer bleibt oder geht. Wir wollen so viele Titel wie möglich.“ Erst dann sind Umarmungen angebracht.

merkur.de berichtet mit einem Liveticker aus dem Trainingslager in Doha.

Andreas Werner

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