Einst per Bilanztrick gewechselt

Komplett neuer Name auf der Transfer-Liste: Holt der FC Bayern einen 60-Millionen-Flop aus Barcelona?

Der FC Bayern München plant hinter den Kulissen die neue Saison. Welche Transfers tütet Hasan Salihamidzic noch ein? Offenbar ist man an Miralem Pjanic dran.

München - Es sind aufregende Wochen für Hasan Salihamidzic. Der Sportvorstand des FC Bayern München muss den Kader für die neue Saison zusammenstellen. Die größten Baustellen sind schon geschlossen. Mit Dayot Upamecano kommt einer der vielversprechendsten Innenverteidiger der Bundesliga nach München, mit Julian Nagelsmann der Wunschtrainer schlechthin. Aber trotzdem gibt es noch Handlungsbedarf.

Vor allem im zentralen Mittelfeld und auf den Flügelpositionen wollen sich die Bayern noch verstärken. Wie gefährlich ein zu dünner Kader sein kann, musste man in der nun abgelaufenen Saison häufig feststellen. Deshalb plant Brazzo mit mehr Breite im Aufgebot - auch wenn die Kasse coronabedingt natürlich nicht so prall gefüllt sein kann, wie sie das vielleicht schon einmal war.

FC Bayern München: Transfers für den Sommer - Miralem Pjanic offenbar ein Thema

Deshalb drängten sich in den vergangenen Wochen vor allem ablösefreie Spieler auf. Schließlich muss man für diese keine Millionensummen an den bisherigen Klub überweisen. Ein Name, der in diesem Zusammenhang immer wieder fiel, war der von Georginio Wijnaldum (30). Der Niederländer hat beim FC Liverpool kein neues Arbeitspapier bekommen und sucht deshalb einen neuen Verein. Haben die Bayern Chancen beim Mittelfeldmann?

Offenbar soll es nun auch eine Wijnaldum-Alternative geben: Ähnliche Position, ähnliches Alter, ähnliche Klasse - es handelt sich um Miralem Pjanic vom FC Barcelona. Der Bosnier war im Sommer 2020 für stolze 60 Millionen Euro von Juventus Turin zu den Katalanen gewechselt. Bei den Norditalienern war der mittlerweile 31-Jährige eine echte Bank, in Spanien fand er sich dann aber meist auf selbiger wieder. Pjanic kommt zwar auf 19 Liga-Einsätze bei Barca, aber nur zwei davon dauerten länger als 70 Minuten. Der Mittelfeldspieler spielt unter Trainer Ronald Koeman praktisch keine Rolle - und hinterfragte nun öffentlich seine Zukunft. Auf Instagram schrieb er unter anderem: „Diese Saison hinterlässt einen bitteren Beigeschmack und Fragen, die immer noch nach Antworten suchen.“

Glaubt man der Mundo Deportivo, dann bahnt sich ein Abschied an. Das spanische Blatt schreibt, dass Pjanic Angebote von Chelsea, PSG und mehreren Teams aus Italien hat. Und offenbar auch vom FC Bayern! Sollte Koeman bei Barca bleiben, so heißt es weiter, dann will Pjanic weg.

Miralem Pjanic: Per Transfer-Trick von Turin nach Barcelona - Abschied nach nur einem Jahr?

Was wird also aus dem 60 Millionen Euro teuren Barca-Flop? Lotst Salihamidzic tatsächlich seinen Landsmann nach München? Das Szenario erscheint doch sehr unwahrscheinlich. Zwar hat Pjanic seine Qualität in den vergangenen Jahren immer wieder unter Beweis gestellt. Aber bei den Bayern würde ihm ein ähnliches Schicksal drohen: Joshua Kimmich und Leon Goretzka sind in der Zentrale gesetzt, der Bosnier wäre also auch hier nur Reservist. Und sicher wird Barcelona seinen teuren Ersatzmann nicht günstig ziehen lassen, da man ja ein Vermögen für ihn ausgegeben hatte. Da dürfte für Bayern die Option Wijnaldum tatsächlich realistischer werden - andererseits hätten sie mit Marc Roca, Tanguy Nianzou oder den Leih-Rückkehrern Michael Cuisance und Adrian Fein weitere Alternativen für das Mittelfeld.

Übrigens: Warum kostet ein vergleichsweise alter Spieler wie Pjanic, der - so ehrlich muss man sein - nicht zur absoluten Weltspitze gehört, den FC Barcelona mitten in der Corona-Pandemie unfassbare 60 Millionen Euro? Die Antwort: Bilanztrick. Im Sommer 2020 wechselte Arthur für 70 Millionen Euro von Barcelona nach Turin, Pjanic kam im Gegenzug für 60 nach Katalonien. Damit konnten beide Vereine zum ablaufenden Geschäftsjahr ihre Bücher aufhübschen. Denn: Erlöse aus Verkäufen wandern sofort in die Bilanz. Die Einkaufssummen werden hingegen auf mehrere Jahre - je nach Vertragslaufzeit - verteilt. Kniffe, die ein Hasan Salihamidzic und der FC Bayern München wohl eher nicht nötig haben. Im Gegensatz zu Barca und Juve wollte man an der Säbener Straße auch nichts vom Thema Super League wissen. (akl)

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