Der „Tiger" im Interview

Transfer-Befehl für Bayern-Bosse! Effenberg mit klarer Ansage: „Den brauchst du“

Stefan Effenberg.
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Stefan Effenberg.

Stefan Effenberg (52) war Kapitän der 2001er-Champions-League-Sieger. Die tz hat mit ihm vor dem Finale 2020 gesprochen.

  • Der FC Bayern trifft im Finale der Champions League auf Paris St. Germain.
  • Kann das Team von Trainer Hansi Flick das Triple holen?
  • Stefan Effenberg äußert nun eine eindeutige Prognose.

Lissabon - Der FC Bayern München steht im Champions-League-Finale. Dieses Gefühl kennt Stefan Effenberg natürlich. In unserem Interview spricht er über das Endspiel der Königsklasse.

Herr Effenberg, die Bayern im Finale - verdient?
Effenberg: Ja, vollkommen. Unterm Strich steht der FC Bayern mit Recht da, wo er steht. Jetzt wartet ein großer Gegner, aber Bayern München ist genauso groß.

Lothar Matthäus sagte: Wenn Bayern gegen Paris spielt wie gegen Lyon, verlieren sie.
Effenberg: Sagen wir es so: Das, was Lyon hat liegen lassen, wird Paris bestrafen. Deswegen wird Bayern nicht so extrem pressen können. Und sie brauchen Jerome Boateng. Das ist für mich ein entscheidender Punkt für Sonntag. Die Abwehr muss stehen!

Ist dieser Titel im Corona-Jahr genauso viel wert wie sonst?
Effenberg: Der Wert ist derselbe. Wenn du diesen Pokal hast, ist es das Größte, was es gibt.

Muss Flick umstellen?
Effenberg: Es gibt keinen Anlass, jemanden auszutauschen, aber es wäre sinnvoll, die Kette ein wenig zurückzuschieben. Den schnellen Spielern von Paris würde ich nicht 30, 40 Meter im Rücken geben. Den Raum zwischen Neuer und den Innenverteidigern musst du schützen.

FC Bayern München im Champions-League-Finale gegen PSG: Effenberg sicher - Es geht nicht nur um Neymar und Lewandowski

Paris wirkte sehr stark, als Team. Trotzdem reden viele über Neymar als Schlüssel - und Robert Lewandowski auf der anderen Seite.
Effenberg: Und das finde ich falsch! Zum einen kann man die beiden nicht vergleichen. Außerdem lebt so ein Finale von viel mehr als Einzelspielern. Da kommst du rein, siehst den Pokal, weißt: Jetzt musst du funktionieren. Die Tagesform wird entscheidend sein. Bei jedem, von hinten bis vorne. Nicht nur bei Neymar und Lewandowski.

Was passiert im Kopf zwischen Halbfinale und Endspiel?
Effenberg: Viel. Und ich sage aus Erfahrung: Bevor ich ein Finale verliere, scheide ich lieber im Halbfinale aus. Das sind die größten Schmerzen, die du haben kannst. Hört sich bescheuert an, ist aber so. Das hängt lange in den Knochen.

Hatten Sie 1999 beim Blick auf den Henkelpott ein anderes Gefühl als 2001?
Effenberg (überlegt): Du musst ja auf dem Weg aufs Feld daran vorbeigehen. Das Gefühl vorher war nicht groß anders, aber natürlich das danach. Wenn du dann in der Kabine sitzt und hörst von nebenan Freude pur, während du am Boden liegst. Das trifft dich doppelt und dreifach. Aber es war und ist immer eine Motivation. Wir wussten 1999: Wir sind so gut, wir müssen aufstehen und weitermachen. Die Champions League war ja für uns ein realistisches Ziel, keine Spinnerei.

Wie heuer auch.
Effenberg: Auf jeden Fall! Und vor allem für einen: für Robert Lewandowski. Dieser Sonntag ist für ihn schon ein extrem wichtiger Tag. Er ist seit sieben Jahren beim FC Bayern, immer knapp dran, aber das hilft nichts. Lewandowski braucht den Henkelpott für eine vollendete Karriere. Da führt kein Weg dran vorbei. Du kannst zum zehnten Mal Deutscher Meister werden, aber das zählt nicht.

FC Bayern München: Stefan Effenberg über Ivan Perisic: „Sofort verlängern!“

Beginnt gerade eine Bayern-Ära?
Effenberg: Wir sind mittendrin in einer Ära, national ja sowieso, aber auch international genießt Bayern höchsten Respekt. Zu Recht, das muss man klar sagen. Sie haben sich das erarbeitet, eindrucksvoll. 

Joshua Kimmich steht sinnbildlich für diese Generation. Ist er der designierte Kapitän?
Effenberg: Darauf läuft es hinaus - den Anspruch hat er auch selber. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er mit dem ganzen Drumherum, dem Druck, umgehen kann. Er wird der Kopf des FC Bayern in der Zukunft werden. Er ist ein hochintelligenter Spieler und fordert auch viel. Das gefällt mir! Solche Typen gibt es nicht mehr oft.

Was ist mit Ivan Perisic?
Effenberg: Sofort verlängern! Das ist ein Spielertyp, den ich mag. Der opfert sich, reibt sich auf, beißt, gibt nie auf, macht alles für den Erfolg. Und stänkert nicht. Den brauchst du!

Wie gefällt Ihnen Alphonso Davies?
Effenberg: Der ist Wahnsinn! Und zeigt jungen Spielern, wie schnell es gehen kann. Wenn man alles investiert, das Vertrauen bekommt und durchstartet. Der ist nicht mehr wegzudenken vom FC Bayern.

Ist er der Beste Europas?
Effenberg: Sehen Sie auf dem Niveau einen anderen Linksverteidiger auf dem Niveau? Ich nicht!

Ihr Tipp für Sonntag?
Effenberg: Ein knapper Bayern-Sieg. 2:1. Sie werden viel investieren müssen, sie werden bluten. Aber sie werden sich durchsetzen.
Interview: Hanna Raif

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