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Neuzugang für den FC Bayern? DAZN-Experte rät zu Transfer: „Definitiv eine Verstärkung“

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Von: Marius Epp

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Denis Zakaria (vorne) ist beim FC Bayern im Gespräch.
Denis Zakaria (vorne) ist beim FC Bayern im Gespräch. © UWE KRAFT/imago

Besorgt sich der FC Bayern im Winter nochmal Verstärkung? DAZN-Experte Sebsatian Kneißl legt dem Rekordmeister einen Gladbach-Star ans Herz.

München - Am Sonntag (17.30 Uhr) trifft der FC Bayern in Berlin auf Hertha BSC. Das Coronavirus hat sich den Stadtrivalen TSV 1860 München zum neuen Opfer auserwählt. Während bei den Löwen die gesamte Mannschaft zur Quarantäne verdonnert wurde, hat sich die Lage beim Rekordmeister beruhigt.

Die Hertha aus Berlin musste unter der Woche eine herbe Pokal-Pleite im Derby gegen Union einstecken. tz.de hat vor der Partie mit dem Ex-Profi Sebastian Kneißl gesprochen, der Bayern bei der Alten Damen als Experte für DAZN begleitet. Er macht den Münchnern unter anderem einen Transfer-Vorschlag.

Langweilige Bundesliga? Kneißl: „Der BVB ist nicht so weit weg“

tz.de: Herr Kneißl, sechs Punkte trennen den FC Bayern und Borussia Dortmund momentan. Marco Reus fragte recht angefressen, wo die Bayern denn enteilt seien. Hat er Recht?

Sebastian Kneißl: So weit ist der BVB gar nicht weg. Sie haben die Qualität, dem FC Bayern gefährlich zu werden. Auch sie haben einen neuen Trainer und ein neues System. Aber die Bayern können auch mal verlieren, da muss man dann eben zur Stelle sein.

tz.de: Am Ende schafft‘s der BVB doch wieder nicht...

Kneißl: Man muss auch einfach honorieren, was der FC Bayern macht. Sie stehen zurecht seit Jahren ganz oben, das zeugt einfach von konstant guter Arbeit. Was mir so gut an ihnen gefällt, ist die Überzeugung in die eigene Leistung. Das fehlt mir bei vielen anderen Mannschaften.

FC Bayern: DAZN-Experte Kneißl zollt Kimmich Respekt und spricht über Süle

tz.de: Für diese Überzeugung steht Joshua Kimmich. Doch musste er durch die Impf-Geschichte an Ansehen einbüßen?

Kneißl: Er ist eine starke Persönlichkeit. Er hat eine Meinung und steht dazu, auch wenn er bei der Impf-Geschichte viel einstecken musste. Viele gehen der Kritik lieber aus dem Weg, aber er bleibt standhaft und hinterfragt die Dinge. Dass er jetzt seine Meinung geändert hat, ist ein ganz klares Zeichen von Stärke. Er ist für mich ganz klar einer der Kandidaten für das Kapitänsamt in der Nationalmannschaft. Er ist ein Führungsspieler.

DAZN-Experte Sebastian Kneißl.
DAZN-Experte Sebastian Kneißl. © DAZN/Lukas Mengeler

tz.de: Zum Führungsspieler hat es Niklas Süle beim FC Bayern noch nicht geschafft. Die Qualität dazu hätte er, davon sind viele überzeugt. Er hat ein Angebot vom FC Bayern vorliegen. Warum nimmt er es nicht an?

Kneißl: Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Die Berater, der Spieler selbst, das Umfeld und natürlich der Verein. Wenn Spieler und Verein nicht auf einem Nenner sind, zieht sich das natürlich in die Länge. Ich glaube schon, dass bei Süle das Interesse besteht, zu verlängern. Irgendwelche Modalitäten im Vertrag scheinen für ihn noch nicht zu passen. Ich würde ihn gerne länger beim FC Bayern sehen. Aber er hätte mit seiner Spielweise und Physis auch keine Probleme in anderen Ligen zu spielen, z.B. der Premiere League oder der Serie A.

DAZN-Experte Kneißl rät FC Bayern zu Transfer von Denis Zakaria

tz.de: Wenn er geht, könnte ihn Denis Zakaria von Borussia Mönchengladbach ersetzen. Die Bayern sollen sehr am Gladbacher interessiert sein, der nur noch ein halbes Jahr Vertrag hat.

Kneißl: Ja, er wäre definitiv eine Verstärkung. Er kann sowohl in der Innenverteidigung als auch im Mittelfeld als Verbindungsspieler agieren, ich sehe ihn aber einen Tick mehr im Mittelfeld. Er kann sich anpassen, er hat die technischen Voraussetzungen und weiß, wie er seine Mitspieler in Szene setzen kann. Er taucht nicht ständig vor dem gegnerischen Tor auf, aber steht für Kontrolle auf dem Spielfeld.

Video: Zakaria? Nagelsmann: „Pflicht zu diskutieren“

tz.de: Was traust du dem jetzigen Bayern-Kader für die Champions-League-Saison zu?

Kneißl: Den FC Bayern muss man zu den Favoriten dazurechnen. Mein Wunsch-Finale ist: Nagelsmann gegen Pep. Ich sehe die Engländer mit City und Liverpool weit vorne. Aber dann kommen schon die Bayern. Sie haben das Spielermaterial und einen guten Trainer.

FC Bayern: Sebastian Kneißl sieht Ähnlichkeiten zwischen Nagelsmann und Guardiola

tz.de: Nagelsmann tritt das schwere Erbe von Hansi Flick an. Auf dem Platz wird trotzdem langsam sichtbar, dass er den FC Bayern nochmal ein Stück weiterentwickeln kann. Was hat sich taktisch geändert?

Kneißl: Die Spieler werden mit Inhalten überladen, ähnlich wie bei Pep Guardiola. Das war unter Flick, Kovac oder Ancelotti anders. Das ist für die Spieler neu, sie mussten sich anpassen. Das setzt nochmal neue Reize, sie haben schließlich alles gewonnen. Er lässt viele verschiedene Grundordnungen spielen, ist variabel. Es war genau der richtige Schritt, ihn zu holen.

tz.de: War es für Hertha BSC der richtige Schritt, Tayfun Korkut zu holen?

Kneißl: Die meisten würden sagen: Nein. Weil sie auf die letzten Stationen von ihm schauen. Ich bewerte das aber anders - für mich zählt nur das Hier und Jetzt: Gibt er der Mannschaft eine Richtung vor? Kann er sie entwickeln? Und da sehe ich schon einen Fortschritt, die Hertha spielt deutlich gepflegteren Fußball. Natürlich sieht man das an den Ergebnissen noch nicht.

tz.de: Der Kader und die Ansprüche der Hertha waren in den letzten Jahren immer zu Höherem berufen. Was läuft schief?

DAZN-Experte Kneißl vermisst echte Typen im Fußball

Kneißl: Sie haben individuelle Qualität. Aber dass dir das allein Erfolg bringt, ist in den wenigsten Mannschaften der Fall. Die Mannschaft muss eine Einheit werden. Der Trubel in den letzten Jahren schlägt sich aber zwangsläufig von oben nach unten durch. Die Leistung der Mannschaft spiegelt nur das wieder, was innerhalb des Vereins los ist. Aber: Fredi Bobic leistet außergewöhnlich gute Arbeit. Die Mannschaft zeigt das nur noch nicht.

tz.de: In der Dokuserie „Underground of Berlin“ (Die zweite Staffel des DAZN-Originals über die goldene Berliner Generation erscheint am 18. Februar beim Streaminganbieter) geht es um die ehemaligen „Bad Boys“ der Hertha. Kevin-Prince Boateng war einer von ihnen und ist nun wieder da. Fehlen der Hertha trotzdem mehr „Straßenkicker“ wie Änis Ben-Hatira, Patrick Ebert und Co.?

Kneißl: Diese Typen fehlen generell im Fußball. Sie stehen bzw. standen für den Klub. Diese Jungs sind wichtig, weil sie Reibung erzeugen. Wir denken in Deutschland immer, wir brauchen Spieler, die mit ihren Verhaltensweisen nicht auffallen. Doch! Du brauchst zwei, drei Spieler in der Mannschaft, die mal einen raushauen und dem Mitspieler auch mal sagen, wenn er schlecht spielt.

Interview: Marius Epp

Sebastian Kneißl stand in seiner aktiven Fußball-Karriere unter anderem beim FC Chelsea unter Vertrag und ist seit einigen Jahren als Experte beim Streaminganbieter DAZN tätig. Bei Top-Spielen der Bundesliga, Champions League und anderen Ligen steht er den Kommentatoren mit seiner Expertise zur Seite. Zudem bietet er Spieler- Trainer- und Mental-Coachings an. (epp)

Hertha BSC - FC Bayern läuft am Sonntag ab 16.30 Uhr live bei DAZN:

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