Die große Bilanz von Fein, Zirkzee & Co.

Bankwärmer und Leistungsträger: So ergeht es den acht Leihspielern des FC Bayern - wer hat eine Zukunft?

Bayern-Trainer Hansi Flick (l) und Sportvorstand Hasan Salihamidzic
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Wohin geht die Reise? Die Zukunft vieler verliehener Bayern-Profis ist aktuell noch unklar - auch weil nur wenige überzeugen. Trainer Hansi Flick (l) und Sportvorstand Hasan Salihamidzic müssen sich Gedanken um den Kader machen.

Acht Spieler hat der FC Bayern aktuell an andere Klubs verliehen. Wie schlagen sie sich bei ihren neuen Vereinen? Die Bilanz fällt weitestgehend ernüchternd aus.

München - Hat der FC Bayern ein neues Transfermodell für sich entdeckt? In dieser Saison wurden acht Spieler an andere Vereine verliehen - nur einer weniger als in den vier vorherigen Spielzeiten zusammen. Von einer Leihe versprechen sich dabei im Grunde genommen drei Parteien einen Vorteil. Der Spieler hofft auf mehr Einsätze, um sich dadurch wieder in den Fokus zu spielen, der aufnehmende Verein auf zusätzliche Verstärkung und der abgebende Klub, in diesem Fall der FC Bayern, auf den nächsten Entwicklungsschritt.

Aber ist eine Leihe per se immer die richtige Wahl? Der Blick auf die verliehenen Profis der Münchner zeigt eindeutig: Die meisten Leihprofis konnten bisher nicht wirklich überzeugen. Ein Überblick, wem der Transfer richtig gutgetan hat und bei welchen Spielern die Frage bleibt, ob sie jemals eine ernsthafte Option beim deutschen Rekordmeister sein werden.

Michael Cuisance (Olympique Marseille)

Michael Cuisance wechselte 2019 mit ordentlich Vorschusslorbeeren an die Isar, konnte sich aber nie wirklich beim FC Bayern durchsetzen. Die Konkurrenz für den zentralen Mittelfeldspieler war zu groß, weswegen er nach elf Einsätzen für die Roten im Sommer an Olympique Marseille verliehen wurde. Beim französischen Traditionsklub hatte der gebürtige Straßburger ein paar Startprobleme, kommt mittlerweile aber regelmäßig zum Einsatz. Neben 20 Ligaspielen (zehn in der Startelf) durfte Cuisance auch sechsmal in der Champions League ran. Zuletzt erzielte er seine ersten beiden Tore.

Wie geht es im Sommer weiter mit Cuisance? Gegenüber der tz sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic Ende 2019: „Mika ist ein guter Junge, er hat Potenzial. Wir arbeiten mit dem Trainerteam daran, dass er den nächsten Schritt hier macht. Wir haben eine Idee mit ihm.“ Ob diese Idee auch die Spielerseite sieht, ist jedoch fraglich. Zuletzt äußerte sich Cuisance öffentlich über eine Zukunft in Marseille: „Mein Wunsch ist es, bei OM zu bleiben.“ Marseille besitzt eine Kaufoption, Ausgang offen.

Joshua Zirkzee (FC Parma)

Im Winter verlieh der FC Bayern Stürmer Joshua Zirkzee in die Serie A nach Parma, nachdem zuvor eine Leihe zu Eintracht Frankfurt gescheitert war. Da Robert Lewandowski so gut wie nie verletzt ist und mit Eric Maxim Choupo-Moting ein zusätzlicher Backup bereitsteht, waren Zirkzees Chancen auf Einsatzzeiten in München gering.

In Parma versprach sich der niederländische Juniorennationalspieler mehr Spielzeit, wurde nach zwei Jokereinsätzen zuletzt allerdings durch einen Hexenschuss zurückgeworfen. Am Wochenende feierte der 19-Jährige dann sein Comeback und durfte einen überraschenden 2:0-Erfolg gegen AS Rom bejubeln. Für Parma bedeutete der Sieg den ersten Dreier seit November. Die Gelb-Blauen rangieren jedoch weiterhin auf einem Abstiegsplatz und haben die schwächste Offensive der Liga. Im Falle eines Abstiegs gilt es als ausgeschlossen, dass Parma die Kaufoption in Höhe von 15 Millionen Euro ziehen wird.

Arrivederci Serie A? Joshua Zirkzee und Parma taumeln dem Abstieg entgegen. Der Rückstand des Tabellen-19. auf das rettende Ufer beträgt vier Punkte.

Adrian Fein (PSV Eindhoven)

Nach dem Wechsel von Mittelfeld-Stratege Thiago zum FC Liverpool wurden Stimmen laut, wonach man das Vakuum in der Zentrale auch mit einem Spieler aus dem eigenen Nachwuchs füllen könnte: Adrian Fein. Der gebürtige Münchner war nach einer starken Leihsaison vom Hamburger SV zurückgekehrt und hatte zuvor seinen Vertrag beim Rekordmeister bis 2023 verlängert. Im Laufe der Vorbereitung kamen die Verantwortlichen dann jedoch zu dem Ergebnis, dass dem zentralen Mittelfeldspieler nicht ausreichend Spielzeit garantiert werden könne. Also wurde Fein nach Eindhoven verliehen.

Gelohnt hat sich dieser Schritt bis jetzt allerdings nur so semi. Fein ist keineswegs Stammspieler, stand in der Liga nur viermal in der Startelf. Insgesamt kommt der 22-Jährige auf 17 Einsätze (durchschnittliche Spielzeit: 32 Minuten), in denen ihm ein Tor und zwei Vorlagen gelangen. Trainer Roger Schmidt scheint aber trotz dieser überschaubaren Bilanz zufrieden mit Feins Entwicklung zu sein, weswegen es nicht ausgeschlossen ist, dass die PSV die Kaufoption zieht und den Mittelfeldmann langfristig an sich bindet.

Oliver Batista Meier (SC Heerenveen)

Neben Fein spielt noch ein weiterer Leihprofi in der niederländischen Eredivisie. Oliver Batista Meier kickt beim SC Heerenveen und kommt auf 15 von 27 möglichen Pflichtspielen. In seinen ersten Einsätzen ließ der technisch versierte Zehner sein Talent noch aufblitzen und steuerte ein Tor sowie zwei Vorlagen bei. Seitdem war der 20-Jährige, der im Mai 2020 sein Bundesligadebüt für den FC Bayern feierte, an keinem einzigen Tor mehr beteiligt.

Batista Meier wird im Sommer aller Voraussicht nach zum FC Bayern zurückkehren. Inwiefern er nach einem überschaubaren Leihjahr eine ernsthafte Rolle in den Personalplanungen des Triple-Siegers spielt, ist jedoch mehr als fraglich. Womöglich wird der Deutsch-Brasilianer noch ein weiteres Mal verliehen oder vornehmlich in der U23 eingesetzt.

Leon Dajaku (Union Berlin)

Eine vergleichbare Perspektive auf Einsatzzeiten bei den Profis hat Leon Dajaku. Der Offensivmann kam 2019 vom VfB Stuttgart zur zweiten Mannschaft des FCB und war ein entscheidender Faktor für die Drittligameisterschaft. Als Belohnung für starke Einsätze durfte Dajaku unter Hansi Flick dreimal für die Profis auflaufen. Aufgrund der großen Konkurrenz verlieh ihn der FC Bayern im Winter zu Union Berlin.

Die Köpenicker sicherten sich die Dienste des 19-Jährigen für eineinhalb Jahre und besitzen eine Kaufoption. Ob diese gezogen wird, ist aktuell noch unklar, da Dajaku noch keine wirkliche Rolle bei seinem neuen Klub spielt. Nach zwei Kurzeinsätzen im Januar wartet er schon länger auf die nächsten Minuten. „Bei ihm braucht es einfach noch ein bisschen Zeit. Im Moment gelingt ihm ein bisschen wenig im Training, auch unter der Woche. Daran muss er arbeiten“, meinte zuletzt Union-Coach Urs Fischer.

Chris Richards (TSG Hoffenheim)

Mit Chris Richards hat der FC Bayern im Winter einen weiteren Profi innerhalb der Bundesliga verliehen. Der beidfüßige Abwehrspieler ist bis Juni an die TSG Hoffenheim gebunden, es gibt keine Kaufoption. Im Kraichgau trifft Richards auf seinen früheren Förderer Sebastian Hoeneß, der nach wie vor große Stücke auf den 20-Jährigen hält. Binnen kürzester Zeit ist Richards in Hoffenheim zum Stammspieler avanciert. In bisher sieben Einsätzen konnte Richards insbesondere durch seine Schnelligkeit sowie sein vorausschauendes Stellungsspiel punkten.

Dass der US-Amerikaner eine Zukunft beim FC Bayern haben kann, deutete er bereits in seinen insgesamt acht Pflichtspieleinsätzen unter Hansi Flick an. Richards Prunkstück ist dabei seine Vielfältigkeit, er kann sowohl als Innen- als auch Außenverteidiger agieren. Auch wenn der FC Bayern zuletzt mit Dayot Upamecano einen neuen Innenverteidiger verpflichtet hat, scheint Richards nächste Saison eine Rolle in München spielen zu können.

Bayern-Leihgabe Chris Richards bei seinem Europa-League-Debüt für die TSG Hoffenheim. Das Ausscheiden gegen den norwegischen Vertreter FK Molde konnte allerdings auch der Defensivspieler nicht verhindern.

Lars Lukas Mai (SV Darmstadt 98)

Da der FCB wohl eher mit Richards plant, scheint Lars Lukas Mai keine Zukunft in München zu haben. Auch wenn der 20-Jährige, der 2018 unter Jupp Heynckes zu zwei Einsätzen für den FC Bayern kam, bei Leihklub Darmstadt Stammspieler ist. Der Innenverteidiger kam in 22 Spielen zum Einsatz und genießt unter Coach Markus Anfang großes Vertrauen. Inwiefern der 1,90-Meter Mann jedoch reif für den FCB ist, scheint dennoch fraglich. Wie die gesamte Defensive der Lilien konnte auch Mai nicht immer überzeugen. Nur Sandhausen (45) und Würzburg (51) kassierten in dieser Zweitligasaison mehr Gegentreffer als Darmstadt (43).

Christian Früchtl (1. FC Nürnberg)

Torwart-Talent Christian Früchtl soll eigentlich langfristig an die Profis des FC Bayern herangeführt werden. Daher wurde der gebürtige Niederbayer im Sommer an den 1. FC Nürnberg verliehen. Seine traurige Bilanz: keine einzige Minute für den Zweitligisten. Trainer Robert Klauß setzt statt dem 21-Jährigen lieber auf Routinier Christian Mathenia.

Mit der aktuellen Situation kann Früchtl nicht zufrieden sein, zumal er offenbar lukrativere Angebote auf dem Tisch liegen hatte, wie sein Berater Christian Rößner gegenüber Spox erklärte. Zur neuen Saison kehrt der Keeper damit ohne jede Spielpraxis an die Säbener Straße zurück. Berater Rößner deutete zudem an, an keinen weiteren Leihgeschäften interessiert zu sein: „Wir gehen alle davon aus, dass er für die Saison dann auch in München bleibt.“ Dort hat Früchtl noch einen Vertrag bis 2022.

FC Bayern München: Ernüchterndes Fazit - nur Richards schlägt voll ein

Insgesamt konnte das Gros der bajuwarischen Leihspieler (noch) nicht überzeugen. Wirklich gelohnt hat sich die Leihe bisher eigentlich nur für Chris Richards und in Ansätzen für Michael Cuisance. Grundsätzlich kann es nie schaden, frühzeitig auch negative Erfahrungen im Profifußball zu sammeln, aber dennoch können die Münchner mit den meisten Leihgeschäften nicht wirklich zufrieden sein. Das trifft übrigens auch auf die beiden geliehenen Akteure zu: Douglas Costa (von Juventus Turin geliehen) und Tiago Dantas (Benfica Lissabon) hinken den Erwartungen noch hinterher. (as)

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