Ohne T6-Bus nach München

FC Bayern stellt sich neu auf - Sieben Neuzugänge aus Leipzig

Wieder vereint: Marcel Sabitzer (r.) wechselt zum FC Bayern München. Dort trifft er auf seinen einstigen Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann.
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Wieder vereint: Marcel Sabitzer (r.) wechselt zum FC Bayern München. Dort trifft er auf seinen einstigen Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann.

Julian Nagelsmann beteuerte, keinen T6-Bus mieten zu wollen. Zumindest hierbei hat er Wort gehalten. Warum nicht nur der FC Bayern, sondern auch RB Leipzig von den Wechseln profitiert.

Leipzig/München - In zahlreichen Sportredaktionen der deutschen Gazetten wurde in den vergangenen 24 Stunden fieberhaft nach einem Zitat von FC-Bayern-Cheftrainer Julian Nagelsmann vom 27. April gesucht. Nachdem der Wechsel des Fußballlehrers von RB Leipzig zum deutschen Rekordmeister offiziell war, wurde in der Sachsen-Metropole eilig eine Pressekonferenz einberaumt, wo Nagelsmann folgenden Satz fallen ließ: „Ich werde jetzt nicht einen T6-Bus mieten, um nach München zu fahren und im Schlepptau noch den ein oder anderen guten Spieler von Leipzig dabei zu haben.“

FC Bayern: Nagelsmann, ein Reisebus aus Leipzig und Schummeln beim Interview

Vier Monate ist diese Aussage nun alt und von der „Reisegruppe Nagelsmann“ sind letztendlich fünf Personen ihrem alten und neuen Cheftrainer von Leipzig nach München gefolgt: Die Co-Trainer Xaver Zembrod und Dino Toppmöller, Chef-Analyst Benjamin Glück, Teampsychologe Maximilian Pelka und Mittelfeldspieler Marcel Sabitzer. Zur Erinnerung: Der Wechsel von Abwehrspieler Dayot Upamecano zum deutschen Rekordmeister stand bereits vor dem Cheftrainer-Engagement von Nagelsmann in München fest.

Trotzdem ist es mehr als ungewöhnlich, dass ein Bundesliga-Klub innerhalb einer Transferperiode gleich sieben Mitarbeiter an die Konkurrenz abgibt. Bei genauerer Betrachtung sind die Hintergründe dieser „Großzügigkeit“ nachvollziehbar. Dass Nagelsmann mit Glück seinen Chef-Analysten und besten Freund mit an die Säbener Straße nehmen wird, war von Anfang an klar. Als feststand, dass sich die letztjährigen Münchner Co-Trainer Hermann Gerland und Danny Röhl dem DFB und Bundestrainer Hansi Flick anschließen wollen, musste der deutsche Rekordmeister handeln. Freilich war in der Frage nach geeigneten Assistenten Nagelsmann erster Ansprechpartner der Bayern-Verantwortlichen. Dessen Antwort lag auf der Hand.

FC Bayern: Sabitzer-Transfer spielt auch RB Leipzig in die Karten

Es spielte Bayern München in die Karten, dass Jesse Marsch als Trainer mit RB-Schule im Blut sein eigenes Trainerteam aufbauen durfte. Marsch setzte mit Achim Beierlorzer und Marco Kurth ebenfalls auf zwei Assistenten mit RB-Vergangenheit. Interessant: Leipzig sortierte daraufhin Moritz Volz aus, der ebenfalls im Trainerteam von Nagelsmann war und sich nach tz-Informationen lange Zeit Hoffnungen auf ein Engagement in München machte.

Und Teampsychologe Pelka, der Nagelsmann ebenfalls in die bayerische Landeshauptstadt folgte? Mit dieser Position beschäftigte sich die Sportliche Leitung um Hasan Salihamidzic auf Spieler-Anregung bereits vergangene Saison. Pelka war schon 2018 vom damaligen Sportdirektor Ralf Rangnick nach Leipzig geholt worden – also unabhängig von Nagelsmann. Nach drei Jahren wollte er eine neue Herausforderung.

Fakt ist: Den Namen von Sabitzer ließ Nagelsmann bei den FC-Bayern-Bossen bewusst, aber subtil fallen. Im Wissen, dass der Österreicher nach einer neuen Herausforderung suchte und RB Leipzig seinen Kapitän nur ungern nächste Saison ablösefrei ziehen lassen möchte. Der Transfer und die Millionen-Ablöse kam RB also durchaus gelegen.

Derweil verliert der FC Bayern ein Torwart-Talent. Die 22-jährige Nachwuchshoffnung wird per Last-Minute-Transfer nach England wechseln.

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