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Ablösefrei-Alarm beim FC Bayern: Kommt es jetzt zum großen Umdenken bei den Bossen?

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Von: José Carlos Menzel López

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Niklas Süle geht, David Alaba ist schon weg: Ablösefreie Transfers des FC Bayern
Niklas Süle geht, David Alaba ist schon weg: Ablösefreie Transfers des FC Bayern. © Christof STACHE / AFP / Bildmontage: tz.de

Schon wieder verliert der FC Bayern eine Abwehrstütze, ohne Geld einzunehmen. Eine Transfer-Statistik zeigt, dass es im Vergleich zu anderen Clubs Nachholbedarf gibt.

München – Gäbe es die Zehn Gebote des Rekordmeisters, so dürfte folgender Leitsatz nicht fehlen: Der FC Bayern ist kein Verkäuferclub! So meißelte es seinerzeit Karl-Heinz Rummenigge, sozusagen der Münchner Moses a.D., in Stein, als Robert Lewandowski Anfang 2018 mit Real Madrid turtelte. Er sollte Recht behalten: Auch vier Jahre später schießt der polnische Superstar weiterhin Tore im rot-weißen Dress, reifte in Stadion neben dem Fröttmaninger Berg sogar zum Weltfußballer.

Der bayerische Sinai scheint zuletzt allerdings etwas an seiner Anziehungskraft eingebüßt zu haben. Vergangenen Sommer verabschiedete sich Vereinslegende David Alaba ablösefrei nach Madrid, heuer packt auch Niklas Süle seine Koffer, ohne einen müden Cent in die Münchner Kassen zu spülen. Ist der FC Bayern etwa auch kein guter Verkäuferclub?

Bayern München und seine Wirtschaftspolitik: „Mehr Chancen als Risiken“

Der auf den ersten Blick negative Trend an der Säbener Straße birgt auch Vorteile. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn am Mittwoch zur Thematik ablösefrei: „Dieses Thema hat der FC Bayern ja nicht exklusiv. Das gibt es überall, ganz prominent auch mit Kylian Mbappé bei Paris, der den Verein ja auch sozusagen ablösefrei verlässt. Das bringt diese Pandemie mit sich. Auch wir müssen damit umgehen, dass uns der eine oder andere ablösefrei verlässt. Nur: Auf der anderen Seite gibt es da ja auch wieder Chancen, um an Spieler heranzukommen, die selbst ablösefrei sind. Und der FC Bayern ist ein hochattraktiver Verein. Für uns ergeben sich mehr Chancen als Risiken.“

Toptransfers national und international
Toptransfers national und international. © tz.de

Fakt ist: Der FC Bayern ist dank seiner gesunden Wirtschaftspolitik nicht auf das Geld anderer Clubs angewiesen. Geld ist aber stets besser als kein Geld. Und anders als auf der Einkaufsseite, wo der Rekordmeister in der Tat ein ums andere Mal unter Beweis gestellt hat, dass er großes Talent für wenig Geld akquirieren kann, lässt die Verkaufsseite zu wünschen übrig. Nicht nur die internationale Konkurrenz verkauft teurer (siehe Tabellen), auch die nationalen Rivalen nehmen durch Abgänge viel mehr Geld ein als die Münchner. Um diese These zu untermauern, reicht ein Blick auf die Rekordverkäufe der Bundesliga. Während Borussia Dortmund allein schon durch Ousmane Dembélé und Jadon Sancho über 200 Millionen Euro eingenommen hat, beläuft sich der teuerste Verkauf der FCB-Vereinsgeschichte auf lediglich 40 Millionen Euro für Douglas Costa.

FC Bayern: Ultimative Transfer-Statistik über Verkäufe und Einkäufe

Rekord-Verkäufe des FC Bayern:

1. Douglas Costa (Juventus Turin)40 Mio. Euro
2. Mats Hummels (Borussia Dortmund)30,5 Mio. Euro
3. Toni Kroos (Real Madrid)25 Mio. Euro
Owen Hargreaves (Manchester United)25 Mio. Euro
5. Thiago (FC Liverpool)22 Mio. Euro
Mario Götze (Borussia Dortmund)22 Mio. Euro
Mario Mandzukic (Atletico Madrid)22 Mio. Euro
8. Renato Sanches (OSC Lilles)20 Mio. Euro
9. Arturo Vidal (FC Barcelona)18 Mio. Euro
10. Medhi Benatia (Juventus Turin)16,7 Mio. Euro

Rekord-Einkäufe des FC Bayern:

1. Lucas Hernandez (Atletico Madrid)80 Mio. Euro
2. Leroy Sané (Manchester City)60 Mio. Euro
3. Dayot Upamecano (RB Leipzig)42,5 Mio. Euro
4. Corentin Tolisso (Olympique Lyon)41,5 Mio. Euro
5. Javi Martinez (Athletic Bilbao)40 Mio. Euro
6. Arturo Vidal (Juventus Turin)39,25 Mio. Euro
7. Mario Götze (Borussia Dortmund)37 Mio. Euro
8. Mats Hummels (Borussia Dortmund)35 Mio. Euro
Benjamin Pavard (VfB Stuttgart)35 Mio. Euro
Renato Sanches (Benfica Lissabon)35 Mio. Euro

FC Bayern auf dem Transfermarkt: Vorstandsetage um Kahn könnte Strategie ändern

Insbesondere die Fälle Alaba und Süle scheinen die Chefetage der Säbener Straße nun zum Umdenken bewogen zu haben. Wie die SportBild berichtet, wollen die Verantwortlichen ab sofort vor Beginn des letzten Vertragsjahres Klarheit schaffen, um weitere ablösefreie Abgänge in Zukunft zu unterbinden.

In diesem Zusammenhang dürfte allen voran das Tauziehen um die Zukunft von Robert Lewandowski interessant werden, dessen Arbeitspapier bekanntermaßen 2023 ausläuft. Hier lautet demnach die Devise: Entweder der Stürmer verlängert oder er wird im Sommer verkauft. Noch drängender sind die Fälle von Corentin Tolisso, Sven Ulreich und Talent Paul Wanner, deren Kontrakte jeweils zum Ende dieser Saison auslaufen. Grundsätzlich gilt bei den Bayern jedoch ein weiteres Gebot, das Rummenigge einst im Zusammenhang mit dem Abgang von Alaba kundtat: „Reisende soll man nicht aufhalten.“

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