„Wenn nötig, auf dem Platz sterben“

FC Bayern mit hohen Zielen: Erneuter Triple-Gewinn in Planung? Erst muss Flicks Team an Atlético vorbei

Das Ziel ist klar. Erneut das Tripel nach München holen. Der erste Gegner in der Champions League für die Bayern kommt dabei aus Madrid. Keine leichte Aufgabe.

  • In der Champions League trifft der FC Bayern zuerst auf Atlético Madrid.
  • Beide Mannschaften sind heiß auf den Henkel-Pott.
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München - Wenn der Zeiger am Mittwochabend (21. Oktober) kurz vor 21 Uhr steht, wird den Spielern des FC Bayern ein Grinsen übers Gesicht huschen. Es wird der Moment sein, an dem die Allianz Arena in Flutlicht gehüllt ist, auf den Spielball Sterne gedruckt sind und die Hymne ertönt, die den Roten die Bilder jenes 23. August wieder ins Gedächtnis zaubert. Knapp zwei Monate sind vergangen seit dem erfolgreichen Ende der Mission CL-Sieg, schon heute beginnt die aber die nächste. Das Ziel: die Titelverteidigung!

FC Bayern München: Trainer Hansi Flick hat bereits einen Plan um Atlético zu schlagen

Und es geht direkt in die Vollen. Die Bayern treffen zum Start auf die Fußballraudis von Atlético Madrid, ein Team, das den Münchnern in der Vergangenheit bereits des Öfteren erfolgreich auf den Zahn gefühlt hat. Von den vier Duellen 2016 gingen zwei an die rustikalen Spanier, die sich neuerdings auch für den etwas gepflegteren Kick interessieren (siehe Text unten). Hansi Flick lässt sich davon aber nicht beeindrucken. Er habe „einen Plan“ gegen „mit die beste Defensive in Europa“, versicherte er am Dienstag.

Und auch wenn der Triple-Trainer seine Schützlinge dazu ermahnte, wie in der vergangenen Saison auch diesmal „von Spiel zu Spiel“ zu denken, so war seinen Ausführungen auch zu entnehmen, dass er seine Mannschaft zu einer Wiederholung der jüngsten Erfolge durchaus in der Lage sieht. „Wir haben die Qualität“, unterstrich der 55-Jährige. „Und wenn wir unsere Qualität von Spiel zu Spiel einbringen, dann können wir wieder erfolgreich sein. Vielleicht auch so erfolgreich wie im letzten Jahr.“ Das Ziel: „Das Optimum“. Anders formuliert: das Triple.

FC Bayern München: Lucas Hernández freut sich auf das Spiel gegen Atlético

Immer höher, immer weiter, immer schneller – oder wie sie an der Säbener Straße zu sagen pflegen: Mia san mia! Ein Motto, das auch Lucas Hernández mittlerweile verinnerlicht zu haben scheint. Der Franzose trifft heute Abend auf seine ehemaligen Mitspieler von Atlético, denkt aber schon jetzt wie ein Bayer. „Das ist die typisch deutsche Mentalität: Man will hier gewinnen, gewinnen und gewinnen“, meinte der 24-Jährige, der Durchstarter Alphonso Davies hinten links vorerst verdrängt hat. „Wir haben erst vor Kurzem einen großartigen Erfolg gefeiert, jetzt hat man aber den Eindruck, als ob jeder hier noch motivierter wäre und den Erfolg mit aller Kraft wiederholen will.“

Titeltechnisch hätte das Jahr für Hernández nicht besser enden können, individuell will sich der teuerste Zugang der Vereinsgeschichte (80 Millionen Euro) nach seinem ersten Seuchenjahr in München nun beweisen. „Das letzte Jahr war mit den ganzen OPs nicht einfach für mich, jetzt sieht es aber schon deutlich besser aus. Ich will so stabil bleiben wie bisher und das Vertrauen des Trainers und des Klubs gewinnen, der eine große Summe in mich investiert hat. Diesen Glauben in meine Person will ich zurückzahlen und, wenn nötig, auf dem Platz sterben.“

Ob Joshua Kimmich ihm heute Abend dabei hilft, steht angesichts der unmittelbar bevorstehenden Geburt seines zweiten Kindes noch nicht final fest. Der Rest sei – mit Ausnahme der lädierten Leroy Sané und Tanguy Nianzou – aber fit, so Flick. Auch er dürfte heute Abend kurz in Erinnerungen an jenen 23. August schwelgen. Wenn die Hymne verklingt und der Ball rollt, wird er nur noch den 29. Mai vor Augen haben. An diesem Tag findet das Endspiel in Istanbul statt.

FC Bayern gegen Atlético Madrid: Die „Anti-Fußballer“ zu Gast in München

Atlético Madrid klingt erst mal nach Fußball der fiesen Sorte. Beinharte Verteidiger, eine Handvoll Fouls und ganz viel Kampf, so dürfte der Bayern-Fan die Mannschaft von Diego Pablo Simeone in Erinnerung behalten haben. Das traf in der Tat auch zu, so um das Jahr 2016 herum, als der FCB gleich viermal gegen die Spanier antreten musste: zweimal im CL-Halbfinale der Saison 15/16, zweimal in der Gruppenphase 16/17, beide Male mit besserem Ende für Atlético. Beim ersten Duell zogen die Rot-Weißen ins Finale ein, beim zweiten wurden sie Gruppenerster vor den Münchnern. Nun kommt es erneut zum Duell mit den „Anti-Fußballern“, wie Ex-Bayer Arturo Vidal den Stil der Madrilenen damals beschrieb. Seitdem hat sich aber einiges getan.

Will die Bayern ärgern: Atletico-Coach Diego Simeone.

Der Grund: Simeone sah sich nach dem Abgang vieler Platzhirsche dazu gezwungen, sich neu zu erfinden. Diego Godín, sein verlängerter Arm auf dem Platz, Lucas Hernández, den sich die Bayern für 80 Millionen Euro schnappten, Routinier Tiago, Kapitän Gabi und Superstar Antoine Griezmann verließen die Colchoneros und stellten den legendären Coach (seit 2012 im Amt) vor eine schwere Probe, die in einer leicht veränderten Spielausrichtung mündete. Um endlich das große Ziel Champions League nach zwei Finalpleiten (2014 & 2016) zu erreichen, behielt Simeone zwar die defensive Robustheit bei, setzte jedoch fortan auf mehr spielerische Elemente. Ballgebate Spieler wie João Félix, Koke, Marcos Llorente oder Saúl (wie Verteidiger José Giménez verletzt und heute Abend nicht dabei) sorgen dafür, dass Atlético nicht mehr nur defensiv, sondern auch fußballerisch überzeugt.

Insbesondere der Portugiese Félix, der 2019 für 127 Millionen Euro von Benfica Lissabon kam, ist der neue Hoffnungsträger bei Atlético. Das 20-jährige Supertalent hat einen starken Saisonstart mit einem Tor und einem Assist hingelegt, soll auf lange Sicht in die Fußstapfen Griezmanns treten. In der Allianz Arena wird das Talent auf Simeones Geheiß aber auch viel in der Defensive aushelfen müssen. Denn auch wenn das neue Atlético gerne den Ball am Fuß hat, so weiß ihr Trainer, dass das gegen ballbesitzorientierte Bayern heute Abend eher die Ausnahme sein dürfte. Und genau hier kommt wieder der alte Simeone zum Tragen. Der Simeone, der seinen Stil trotz der neu gewonnen Attraktivität im Spiel stets nur einem einzigen Punkt unterstellt: „Im Fußball hat niemand recht“, sagt er. „Nur der, der dem Sieg näher ist als der Niederlage.“ Und das ist Atlético in der Regel. Frag nach bei Bayern.

Rubriklistenbild: © Matthew Childs/dpa

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