Er plaudert aus dem Nähkästchen

„Was ist denn hier los!?“: Plötzlich rief Hoeneß bei Daum an - der musste erstmal den Hörer weglegen

Christoph Daum Uli Hoeneß
+
Christoph Daum und Uli Hoeneß waren jahrelang alles andere als Freunde.

Die wohl längste Fehde der deutschen Fußball-Geschichte wurde zwischen Christoph Daum und Uli Hoeneß in der Öffentlichkeit ausgetragen.

München - Im Herbst 2000 eskalierten die Situation und die Beziehung zwischen Christoph Daum (Bayer Leverkusen) und Uli Hoeneß (FC Bayern) endgültig. Als Hoeneß Andeutungen machte, dass Daum etwas mit Drogen zu tun hätte, war das mediale Interesse enorm. Wochenlang zierten die beiden die Titelblätter der Gazetten.

FC Bayern: Hoeneß und Daum - Es begann im Jahr 1989

Alles gipfelte darin, dass Christoph Daum eine Haarprobe abgab und sagte: „Ich mache das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe“. Doch das Ergebnis der Probe wurde am 20. Oktober veröffentlicht und der Kokain-Konsum konnte nachgewiesen werden. Als Trainer von Bayer 04 Leverkusen wurde er fristlos entlassen. Als designierter Bundestrainer ab dem 1. Juni 2001 wurde Daum dann auch nicht mehr in Betracht gezogen.

1989 begann die Feindschaft der beiden vor einem Topspiel des FC Bayern gegen die von Daum trainierten Kölner im Sportstudio. Elf Jahre später brachte die Koks-Affäre das Fass zum Überlaufen. Im Jahr 2020 hat der mittlerweile 66-jährige Christoph Daum ein Buch rausgebracht. Und er erzählt von einem plötzlichen Anruf.

FC Bayern: 15 Jahre nach dem Koks-Eklat meldet sich Uli Hoeneß

2015 - als 15 Jahre nach dem Koks-Eklat - soll sein Telefon geklingelt haben. An der anderen Seite der Leitung: Uli Hoeneß, der seine Knast-Strafe als Freigänger zu der Zeit absaß. „2015 rief er mich an. Ich habe das Telefon erst mal auf den Tisch gelegt und dachte: „Was ist denn hier los!?“ Ist das eine versteckte Kamera?“, so der erstaunte Daum bei Bild. Der Grund des Hoeneß-Anrufs? „Er bedankte sich dafür, dass ich in seiner schweren Phase keine negativen Kommentare über ihn abgegeben hatte“, sagt Daum.

FC Bayern: Daum kann „Hoeneß gut nachvollziehen“

Daum erzählt, wie er darauf reagierte: „Ich habe dann gesagt: ‚Okay, Uli, dafür brauchst du dich nicht zu bedanken. Es gibt in Deutschland kaum einen, der besser nachvollziehen kann, welche Fallhöhe du hattest. Kaum einen, der nachvollziehen kann, was deine Familie, Frau, Kinder und Enkel jetzt durchmachen müssen. Von daher wünsche ich dir auch, dass du das alles gut überstehst!‘“. Durchaus eine überraschende Wende in der Fehde, die wohl keine mehr ist. Es sieht alles nach Versöhnung aus.

Am Ende des Telefonats soll es noch um ein Gespräch gegangen sein. „Dann haben wir uns verabredet auf ein persönliches Treffen, und ich habe ihn jetzt vor zwei Monaten wieder angerufen: ‚Wie schaut’s aus, Uli?‘. Wir haben das Treffen jetzt wegen Corona aber erst mal verschoben“, so Daum. Im Buch hat Daum auch über seine jahrelange Zankereien mit Hoeneß geschrieben, die er sich aber vom FCB-Aufsichtsrat hat absegnen lassen. (ank)

Auch interessant

Kommentare