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Knatsch mit der Fankurve

Hoeneß läutet nächste Runde im FCB-Zoff mit Ultras ein - Fan-Sprecher kontert: „Gießt unnötig Öl ins Feuer“

Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und ein Fan-Bündnis befinden sich im Clinch. Ex-Präsident Uli Hoeneß stellt die Solidarität der Ultras zum Verein infrage.

  • Die Profiklubs und die Ultra-Szene driften stetig auseinander - die Interessen sind verschieden.
  • Vor Corona hatte ein Disput zum denkwürdigen Skandalspiel in Sinsheim geführt.
  • FC-Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß sprechen Klartext.

Update vom 20. Juli, 15.10 Uhr: Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß machte jüngst mit Aussagen gegen die eigenen Ultras Schlagzeilen. Es sei wichtig, „dass die Ultras begreifen, dass sie ein wichtiges Element sind, aber dass sie nicht alleine entscheiden können“. 

Nächste Runde im Fan-Zoff? Rummenigge und Hopp teilen aus: „Fußball gehört denen, die ihn spielen“

Er meinte beim „Sonntags-Stammtisch“ des Bayerischen Rundfunks außerdem, die organisierte Fanszene müsste „aber auch wissen, dass der Fußball auch ohne Ultras funktioniert“. Hoeneß hatte sich außerdem mehr Mäßigung der Fans in der Diskussion um Fanmitsprache im Fußball gewünscht.

Nun konterte Sig Zelt vom unabhängigen Bündnis „ProFans“ die Aussagen des Bayern-Machers kritisch und meint gegenüber der DPA, „mit solchen Aussagen gießt man unnötig Öl ins Feuer“.

„Wenn er so zuspitzt: Was soll das? Dann kann ich auch sagen, dass die Bundesliga ohne den FC Bayern möglich ist, wenn er sich einer solidarischen Verteilung der TV-Gelder widersetzt“, meinte Zelt. Vor allem bei der Verteilung der Fernsehgelder fordern auch Fans, die nicht zu den Ultras zählen, eine aus ihrer Sicht gerechtere Aufteilung.

Die Ablehnung von Geisterspielen durch die Ultras bewertete Hoeneß als bezeichnend. „Damit haben sie für mich bewiesen, dass es ihnen gar nicht so sehr um den Verein geht, sondern um sich selbst und sich auch selbst darzustellen“, meinte der 68-Jährige und betonte die finanziellen Nöte vieler Profiklubs.

Sig Zelt entgegnete, dass Ultras Geisterspiele zwar abgelehnt hätten, sie hatten jedoch „auch nichts unternommen, um sie zu torpedieren oder zu sabotieren.“

Hoeneß mit harten Aussagen gegen Ultras - „Fußball funktioniert auch ohne...“

Update vom 19. Juli, 17.06 Uhr: Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß will eine Stadion-Rückkehr der Fans nicht mit aller Macht durchziehen. Er wisse, „dass unsere Leute beim FC Bayern ein gültiges Konzept erarbeiten. Ich wünsche mir das, aber die Gesundheit der Menschen ist das oberste Gebot. Wir dürfen kein Risiko eingehen“, sagte Hoeneß beim Sonntags-Stammtisch des Bayerischen Rundfunks. Beim derzeit viel diskutierten Thema, wem der Fußball eigentlich gehöre, äußerte sich Hoeneß diplomatisch. 

„Der Fußball gehört allen. Es ist sehr wichtig, dass die Ultras begreifen, dass sie ein wichtiges Element sind, aber dass sie nicht alleine entscheiden können. Ich bin für eine Kooperation“, sagte der 68-Jährige, fügte aber auch deutlich an: „Die Ultras müssen aber auch wissen, dass der Fußball auch ohne Ultras funktioniert.“

FCB-Ehrenpräsident Uli Hoeneß.

Hoeneß hebt hervor, dass er prinzipiell die den Dialog suche, allerdings habe den früheren FCB-Vereinschef die Ablehnung vieler Fans der Bundesliga-Geisterspiele enttäuscht: „Damit haben sie für mich bewiesen, dass es ihnen gar nicht so sehr um den Verein geht, sondern um sich auch selbst darzustellen.“

Nächste Runde im Fan-Zoff? Rummenigge und Hopp teilen aus: „Fußball gehört denen, die ihn spielen“

München – Der 29. Februar war ein Samstag, und man dachte fast zwei Wochen lang, dass er als wichtigster Tag der Bundesliga-Saison in die Annalen eingehen würde. Die Szenen aus Sinsheim waren einprägsam. Geschmacklose Fan-Plakate, ein Nicht-Angriffspakt, Karl-Heinz Rummenigge und Dietmar Hopp Seite an Seite, im Regen, vor applaudierenden FC-Bayern- und 1899-Hoffenheim-Profis. Eine Woche später, am 7. März, ging der bange Blick der Reporter in die Fanblöcke. Eine weitere Woche später wurde nicht mehr gespielt. Gegen Corona waren Plakate plötzlich: Nebensache.

FC Bayern und der Streit mit den Ultras: „Keine Basis für seriöse Diskussion“

Manchmal ist es gut, wenn erhitzte Gemüter abkühlen. Am Konflikt, der beim 6:0 des FC Bayern in Hoffenheim und dem erneuten Schmähplakat gegen Hopp offensichtlich wurde, hat sich dennoch nichts geändert. Im Interview mit der „Sport Bild“ sagte der 80-Jährige nun sogar: „Es ist hoffnungslos!“ Im Laufe der Jahre habe sich am Umgang mit ihm „nichts gebessert, alles ist immer schlimmer geworden“. Dass das Verfahren gegen die an der Aktion beteiligten Fans seitens des DFB-Kontrollausschusses und Sportgerichts aufgrund der Corona-Pandemie eingestellt wurde, habe Hopp daher „gewundert“ – zumal er vom Verband darüber nicht mal in Kenntnis gesetzt worden ist.

Die Interessen der Parteien – Verband, Klubs, Fans – liegen weit auseinander. So weit, dass seitens der Vereine kaum mehr Verständnis für die Aktionen der eigenen Ultras vorhanden ist. Rummenigge äußerte seinen Unmut über den „Punkt, an dem ich immer nur lese: Wir fordern dies, wir fordern das“, – und stellte klar: „Wenn ich immer nur fordere, aber nie bereit bin, Pflichten und auch Verantwortung zu übernehmen, endet das in einer Einbahnstraße.“ Der 64-Jährige erkennt „keine Basis für eine seriöse Diskussion“, wenn es bei nicht erfüllten Forderungen sofort „Zirkus“ gibt.

Demonstrativer Zusammenhalt: Hopp und Rummenigge am 29. Februar. Der Bayern-Boss schämte sich für die Fan-Attacken gegen Hopp.

Gedankenspiele in zahlreiche Richtungen sind die logische Konsequenz. Hopp bevorzugt inzwischen nicht mehr den Dialog, sondern konkrete Maßnahmen. So sprach sich der Hoffenheim-Mäzen offensiver als Rummenigge für personalisierte Tickets in den Bundesliga-Stadien aus. „Wir müssen unsere Polizisten schützen, dafür sorgen, dass Menschen nicht durch Pyro verletzt werden und die Eintrittskarten personalisieren“, sagte er und bezeichnete die Kollektivstrafe als „kein scharfes Schwert“.

FC Bayern München: Rummenigge mit Klartext - „Fußball gehört denen, die ihn spielen“

Die organisierten Anhänger lehnen das Szenario freilich ab. Erst vor wenigen Tagen hatte die Interessengemeinschaft „Unsere Kurve“ die Befürchtung geäußert, dass das zweite Corona-Konzept der DFL das Sammeln personenbezogener Daten einführen könnte. Rummenigge stellte daher klar: „Fußball ohne Zuschauer will niemand.“ Gespräche mit den Fans aber lägen in Verantwortung von DFB und DFL. Von diesen hatte zuletzt das neue Bündnis „Unser Fußball“ – bestehend aus Fanszenen einiger Klubs – grundlegende Reformen für mehr wirtschaftliche Nachhaltigkeit und Fairness im Fußball gefordert. Rummenigge bezeichnete alleine den Namen des Bündnisses als „anmaßend“: „Der Fußball gehört denen, die ihn spielen. Die Fans sind Teil der Bundesliga, aber sie gehört ihnen nicht.“

Der Konter kam prompt. Der Boss des FC Bayern München habe „nichts verstanden“, sagte Bündnis-Sprecher Jan-Henrik Gruszecki: „Fußballfans geben sehr viel – vor allem Zeit und Leidenschaft, alles das, was den Fußball zu mehr macht als einen Sport.“ Wer das tue, dürfe „auch durchaus mal auf Dinge aufmerksam machen“.

Fortsetzung folgt. Und man merkt: Es geht nicht nur um diesen 29. Februar. Der Kern des Problems sitzt tief.

Rubriklistenbild: © dpa / Sven Hoppe

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