Knifflige Einwurf-Szene

„Das ist ein irreguläres Tor“ - hätte Unions Ausgleich gegen die Bayern nicht zählen dürfen?

Bayern Münchens David Alaba und Thomas Müller nach dem 1:1-Ausgleich von Union Berlin
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Ratloser Blick: David Alaba & Co. mussten gegen Union Berlin einen späten Gegentreffer hinnehmen - aber war der auch regulär?

Ein später Gegentreffer kostet dem FC Bayern gegen Union Berlin den Sieg. Aber hätte das Tor überhaupt zählen dürfen? Die Szene vor dem Ausgleich ist strittig.

München - Der FC Bayern und Union Berlin trennten sich am Samstagnachmittag friedlich mit 1:1. In der fairen Partie (nur zwei gelbe Karten) gab es lange keine wirklichen Höhepunkte. Nach einer ersten Halbzeit ohne Münchner Schuss aufs Tor ging es torlos in die Kabinen. Im zweiten Durchgang belohnte sich die geduldig und taktisch sehr diszipliniert auftretende Münchner Mannschaft dann mit dem Führungstreffer durch Jamal Musiala (68.), ehe Marcus Ingvartsen fünf Minuten vor Schluss das 1:1 markierte. Ein Treffer, über den im Stadion nicht allzu sehr diskutiert wurde. Dabei wirft das Tor durchaus Fragen auf. Was war passiert?

FC Bayern München: Teucherts schneller Einwurf - war denn alles sauber?

Unions Teuchert hatte im Duell mit Pavard einen Einwurf für die Berliner herausgeholt und anschließend mit einem schnell ausgeführten weiten Ball Teamkollege Andrich auf die Reise geschickt. Der Mittelfeldspieler entwischte Bayern-Youngster Nianzou und legte mit viel Übersicht auf Ingvartsen an den Fünfer - 1:1. Aber war denn alles sauber?

Konkret gibt es zwei Punkte, über die man diskutieren kann. Zunächst muss man sich die Frage stellen, ob der Ball überhaupt im Aus war. Teuchert nahm die Kugel womöglich schon in die Hand, bevor sie vollständig die Linie überquerte. Die Szene ist auch nach mehrmaliger Betrachtung der TV-Bilder nicht eindeutig aufzuschlüsseln. Der Wahrnehmung des Schiedsrichters zu folgen, ist damit nachvollziehbar. War der Ball noch nicht im Aus, hätte es wegen Handspiel Freistoß für den FC Bayern geben müssen. Weil es sich dann um ein Handspiel im Sinne der Berliner Angriffsphase gehandelt hätte, wäre der Videoassistent übrigens auch zum Eingriff berechtigt gewesen.

FC Bayern München - Union Berlin: Hamann sieht falschen Einwurf - „das Tor ist irregulär“

Bleibt die Frage, ob Teucherts Einwurf regelkonform ausgeführt war. Es wirkte so, als ob der Union-Profi nicht - wie vorgeschrieben - beide Beine auf dem Boden hatte. Zumindest sah dies Didi Hamann im Sky-Studio so: „Das ist ein falscher Einwurf. Das Tor ist irregulär.“ Der Ex-Münchner meinte, dass die Aktion der Linienrichter oder der Vierte Offizielle hätte sehen müssen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man allerdings, dass sich Teuchert beim Zeitpunkt des Einwurfs tatsächlich mit beiden Beinen auf dem Boden befunden hatte.

Und übrigens: Die Ausführung eines Einwurfes darf wie die von Freistößen, Abstößen oder Eckbällen ohnehin nicht vom VAR überprüft werden. Der Videobeweis hätte also überhaupt nicht eingreifen dürfen - außer er kann belegen, dass der Ball vor dem Einwurf nicht vollständig im Aus gewesen ist.

FC Bayern München - Union Berlin: Ausgleichstreffer wohl korrekt

Die Münchner wollten sich indes nicht mit etwaigen Schiedsrichterentscheidungen beschäftigen. Hansi Flick nahm den Gegentreffer sportlich und meinte lediglich: „Man kann darüber diskutieren, aber das tue ich lieber nicht und konzentriere mich lieber auf andere Dinge.“ Darüber hinaus gab der Chefcoach zu Protokoll, dass die Szene seines Wissens nach sogar überprüft worden sei. Weil kein eindeutiger Fehler des insgesamt souverän agierenden Unparteiischen Tobias Stieler ausgemacht werden konnte, blieb es bei der Entscheidung- der Treffer zählte - wohl auch zurecht. (as)

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