Louis van Gaal: Allein unter Papageien

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Louis van Gaal: Allein unter Papageien.

München - Bayern-Trainer Louis van Gaal hat sich am Montag nach dem Training mit einem Bayern-Fan angelegt. Der Niederländer bemüht dabei mal wieder sein berühmt gewordenes Papageienbild.

Vor zwei Wochen hatte der Niederländer die Kritik von Mehmet Scholl und Oliver Kahn als Papageienmusik abgetan. Wer über die Interna beim FC Bayern nicht Bescheid wüsste, der könne sich auch keine detaillierte Meinung bilden, so van Gaal. Weder über den Arbeitsstil des Generals noch über Taktik und Aufstellung.

Und wenn sich van Gaal schon nicht von ehemaligen Bayern-Größen reinreden lassen will, dann erst recht nicht vom normalen "Fußvolk". Einem Fan, der ihn am Montag nach dem Bayern-Training fragte, warum er in der Innenverteidigung nicht Breno anstelle von Timoschtschuk einsetze, entgegnete van Gaal laut "Bild"-Zeitung: "Sie sind ein Papagei."

FC Minutenschlaf: Was die Bayern heuer schon alles verpennten

Die Bayern verspielen in dieser Saison ungewöhnlich häufig komfortable Führungen oder bringen sich durch Unkonzentriertheiten binnen kürzester Zeit auf die Verliererstraße. Wir zeigen Ihnen, in welchen Spielen die Bayern in dieser Saison in einen fatalen Minutenschlaf verfielen. © Sampics
Bereits am 2. Spieltag kassierten die Bayern ihre erste Saisonniederlage: 0:2 bei Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern. © Getty
Dabei kassierten die München die beiden Treffer innerhalb von 120 Sekunden. © Getty
In der 36. und 37. Minute schlug es im Tor von Hansjörg Butt ein - die Bayern erholten sich von diesem Doppelschlag nicht mehr. © Getty
Am 7. Spieltag mussten sich die Bayern bei Borussia Dortmund wieder 0:2 geschlagen geben. © Getty
Damals kassierten die Münchner die Gegentore innerhalb von acht Minuten. © Getty
Der BVB traf, nachdem die Bayern lange Zeit überlegen gewesen waren, in der 52. und 60. Minute. © Getty
Beim Gastspiel in Mönchengladbach am 11. Spieltag ging die unrühmliche Serie weiter: Aus einer 2:1-Führung wurde zwischen der 56. und 60. Minute ein 2:3. © Getty
Damals stand Borussia Mönchengladbach auf dem letzten Platz in der Tabelle. © Getty
Immerhin besorgte Philipp Lahm kurz vor Schluss noch den Ausgleich für den Rekordmeister. © Getty
Das 3:3 fühlte sich dennoch wie eine Niederlage an. © Getty
15. Spieltag, auf Schalke: © Getty
Der FC Bayern verliert nach überragender erster Halbzeit im zweiten Durchgang völlig den Faden. © Getty
Zwei Schalker Tore in der 58. und 67. Minute besiegeln die Niederlage. © Getty
Rätselraten bei den Bayern, worin dieses Phänomen begründet liegen könnte. © Getty
Selbst in der Champions League ließen sich die Bayern mal übertölpeln. Das 2:3 beim AS Rom kassierten die Bayern nach einer 2:0-Pausenführung. © Getty
Doch die Italiener drehten das Spiel. Die Tore zum 2:2 und 2:3 fielen in der 81. und 84. Minute. © Getty
Immerhin tat diese Niederlage nicht so weh, da man längst für das Achtelfinale qualifiziert war. © Getty
Auch in den beiden siegreichen Spielen beim VfB Stuttgart (Bundesliga und DFB-Pokal, 5:3 und 6:3) kassierten die Bayern viele Gegentore in kurzen Abständen. © Getty
Beim Bundesliga-Duell durften die Schwaben in der 64. und 70. Minute treffen ... © Getty
... im DFB-Pokal klingelte es im Bayern-Kasten in der 32. und 45. Minute. © Getty
Der bisherige Tiefpunkt der Saison: Das 2:3 in der Bundesliga beim 1. FC Köln am 21. Spieltag. © Getty
Erstmals seit 1997 verspielten die Bayern wieder einen 2:0-Vorsprung in der Bundesliga und standen am Ende mit leeren Händen da. © Getty
Zeitpunkt der Gegentore: 55., 62. und 73. Minute. © Getty
Bayern-Boss Rummenigge schimpfte nach dem Spiel: "Anscheinend haben viele gedacht, der Halbzeitpfiff sei der Schlusspfiff." © Getty
Folgt noch eine Fortsetzung dieser unsäglichen Serie? Das Dreigestirn mit Karl-Heimz Rummenigge, Uli Hoeneß und Karl Hopfner wird's genau beobachten.ap © ap

Erst Scholl und Kahn, jetzt die Bayern-Fans ... Es scheint, als wäre Louis van Gaal derzeit allein unter Papageien!

Louis van Gaal: Seine besten Sprüche

"Ich habe in sechs Jahren bei Ajax mehr geschafft, als Barcelona in hundert." (Van Gaal nach seiner Entlassung bei Barca im Jahr 2003) © dpa
"Sie können mich rauswerfen, und dann? Es gibt keinen Trainer mit einem besseren Lebenslauf. Wenn ich jetzt weg wäre, wen sollte Bayern dann verpflichten? Ferguson? Capello? Die sind vielleicht erfolgreicher, aber besetzt." (Van Gaal im Oktober 2009 auf die Frage, warum ihn die Bayern trotz des schlechten Saisonstarts nicht feuern sollten) © Getty
"Bayern träumte ja auch schon lange von mir" (Van Gaal nach Bekanntgabe seines Wechsels zu den Bayern im März 2009 auf die Frage, warum er schon lange vom FC Bayern träume) © Getty
"Ich bin ein anderer Trainer als die anderen, ich habe eine eigene Identität." (Van Gaal im Bayern-Magazin im August 2009) © Getty
"Ich habe einen Körper wie ein Gott." (Van Gaal im Oktober 2009) © Getty
"Ich finde es unglaublich, dass Sie das sagen. Sie haben das total falsch gesehen. Sie können nicht sagen, dass Bayern schlecht gespielt hat. Das kann nicht wahr sein." (Van Gaal im Frühjahr 2010 zu einem TV-Reporter nach dem 1:1 in Nürnberg) © Getty
"Es gibt nicht viele Trainer in der Welt, die mehr gewonnen haben als ich." (Van Gaal im Februar 2010) © Getty
"Ich kann in die Seele eines Menschen schauen." (Van Gaal im Februar 2010) © Getty
"Geld macht nicht glücklich, es ist wichtig, um sich glücklich zu fühlen, aber für mich ist Anerkennung wichtiger, vor allem die Anerkennung der Spieler." (Van Gaal im Februar 2010) © 
"Mir ist nie kalt. Ich bin warmblütig, das sagt auch meine Frau. Wir schlafen immer Löffel an Löffel." (Van Gaal im Frühjahr 2010) © Getty
„Wir haben sehr viel Spaß miteinander. Aber auch sehr viel Streit! Truus ist sehr lieb, sie kennt mich sehr gut. Und ich will immer verwöhnt werden. Das macht sie sehr gut. Wichtig ist auch, dass wir noch regelmäßig die Liebe miteinander machen!“ (Van Gaal im Frühjahr 2010 über das Verhältnis zu seiner Frau Truus) © Sampics
"Ich habe zum Vorstand gesagt, dass wir alle Titel feiern werden, ich bin ein Feierbiest." (Van Gaal vor der Meisterfeier des FC Bayern im Mai 2010) © dpa
"Ich bin wohl der flexibelste Trainer. Das Wichtigste ist, dass ich ein Mensch bin. Ein Mensch, dem ganz offensichtlich das Talent gegeben wurde, eine Mannschaft zu trainieren." (Van Gaal im Mai 2010) © Getty
"Ich bin ein Womanizer". (Van Gaal im Mai 2010) © Getty
"Es gibt Leute, die total in Gott vertrauen. Ich vertraue total in mich selbst." (Van Gaal im Mai 2010) © Getty
"Innerhalb von sechs Wochen kann ich eine Mannschaft fertigmachen." (Van Gaal im Juli 2010) © Getty
„Muss dieser Mann die Flasche geben? Ich denke nicht.“ (Van Gaal im Oktober 2010 über Spieler, die nachts aufstehen, um ihr Neugeborenes zu versorgen) © Sampics
„Ich mag die Mentalität. Das ist unglaublich. Sie sind noch fanatischer als ich.“ (Van Gaal im Oktober 2010 über deutsche Fußballer) © dpa
„Ich bin hetero, ich bin ein Frauenmann.“ (Van Gaal im Oktober 2010 auf die Frage, ob er mit Frauen besser zurechtkomme als mit Männern) © Sampics
„Sport besteht nicht nur aus Technik, sondern auch aus Strategie und Persönlichkeit. Ich habe immer eine Strategie.“ (Van Gaal im Oktober 2010) © dpa
„Ich bin so wie ich bin, und diese Art ist nicht einfach, aber ich will meine Persönlichkeit nicht ändern, nur weil andere das wollen.“ (Van Gaal im Oktober 2010) © ap
"Ich war überall der Cäsar" (Van Gaal im November 2010) © dpa

Der Bayern-Coach aber zieht seine Arbeitsweise durch. Teilweise aus Sturheit, teilweise auch personellen Zwängen geschuldet, die auch dadurch entstanden sind, dass van Gaal im vergangenen Sommer keine Neuzugänge haben wollte. 

Den "Papageien" wird's egal sein: Solange sich die Bayern weiterhin so vorführen lassen wie zuletzt in Köln, werden die Kritiker ihre Schnäbel nicht halten.

wi/tz

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