Wer in Doha punktete und wer nicht

Verlierer Neuer und Götze! Die Trainingslager-Bilanz

München - Schweinsteiger macht Hoffnung, Rode sprüht vor Motivation, Benatia wird Sorgenkind: Bayerns Trainingslager-Bilanz aus Sicht von Merkur-Reporterin Hanna Schmalenbach.

Nicht nur das Geburtstagskind Pep Guardiola wusste Sonntag Früh um kurz nach 6 Uhr, was er geleistet hatte, als er das Terminal 2 des Flughafens München verließ. 21 Stunden war der Bayern-Tross auf seinem Trip von Doha über Riad nach Hause unterwegs gewesen. Sportvorstand Matthias Sammer bekam seine Augen nach der Landung kaum mehr auf, dem ein oder anderen Spieler waren sie schon beim Warten auf dem Abflug in Saudi-Arabien sechs Stunden zuvor zugefallen. Ja, so ist es, wenn zum Abschluss einer ohnehin intensiven Woche noch ein (von Sponsoren gewünschter) Extra-Trip eingelegt werden muss.

Mario Götze in Doha.

Vor drei Jahren ging es nach Indien, 2014 nach Kuwait, nun war eben Saudi-Arabien an der Reihe. Die Kurzzusammenfassung: Flug von Doha nach Riad, Pressekonferenz mit zahlreichen einheimischen Journalisten, Mittagsruhe, Fahrt mit Polizei-Eskorte zum König-Fahd-Stadion, 4:1 nach Toren von Dante, Bastian Schweinsteiger, Robert Lewandowksi und Claudio Pizarro im Testspiel gegen Al-Hilal, Fahrt zum Flughafen, Heimflug, Transfer zur Säbener Straße, individuelle Heimfahrt. Das offizielle Fazit: „Es war ein guter Test gegen einen starken Gegner“ (Arjen Robben). Und trotzdem bleiben aus dem insgesamt zehntägigen Trainingslager-Trip der Bayern deutlich mehr Eindrücke hängen als die des strapaziösen Abschlusstages. Es gab viele Gewinner, aber auch einige Verlierer. Eine Bilanz:

Gewinner

Bastian Schweinsteiger: „Meine Nase sagt, er wird in dieser Rückrunde super spielen“, sagte Pep Guardiola zum Abschluss der acht Tage in Doha über seinen Vize-Kapitän. Und lässt man mal außer Acht, dass der Coach noch hinzufügte, dass „meine Nase nicht immer gut funktioniert“, kann man festhalten: Die ersten Eindrücke von Schweinsteiger aus dem Jahr 2015 waren tatsächlich vielversprechend. Motiviert, engagiert und spritzig agierte der 30-Jährige in allen elf Einheiten in Doha, stand in beiden Testspielen in der Startelf und traf am Samstag sogar zum 2:0. Die Befürchtungen, er würde nach der langen Verletzungpause bis Ende November noch etwas länger für den Weg zurück in die Mannschaft brauchen, bewahrheiteten sich nicht. Nur wenige Male beendete Schweinsteiger eine Einheit früher, ansonsten zog der Fanliebling auf der Aspire Anlage voll mit. „Er ist ein toller Bursche“, lobte auch Xabi Alonso, mit dem Schweinsteiger im Konkurrenzkampf stehen wird. Wenn Guardiola den richtigen Riecher hat, ist er dafür gut gerüstet.

Sebastian Rode: Der 24-Jährige hatte als einziger der oft auf der Bank sitzenden Profis in der Hinrunde nicht gemeckert – und ist nun nach den Abgängen von Pierre-Emile Hojbjerg sowie Xherdan Shaqiri nun der einzige, der noch da ist. Die Eindrücke, die Rode in seinem ersten halben Jahr in München hinterließ, bestätigten sich in Katar. Der ehemalige Frankfurter sprüht vor Ehrgeiz wie kaum ein Zweiter. Sogar beim lockeren Kreisspiel zum Einkicken grätscht er schon mal ordentlich dazwischen. Im sehenswerten Abschlussspiel gegen Ende der Woche schoss er die Mannschaft um Arjen Robben und Franck Ribery mit zwei Treffern fast im Alleingang ab. Guardiola kann sich glücklich schätzen, ihn in der Hinterhand zu haben.

Mitchell Weiser: Sein Name wurde beim FC Bayern bisher nicht unbedingt mit Gewinner-Mentalität gleichgesetzt. Aber das hat sich im letzten halben Jahr geändert. „Er ist super, hat sich gut entwickelt“, bestätigte Sammer gegenüber unserer Zeitung. Auf den Rüffel an die Jungen hatte Weiser im ersten Test gleich mit zwei Toren geantwortet. Für die anderen mitgereisten Jugendspieler gilt der 20-Jährige außerdem als Vorbild. Sammer: „Es hat bei allen ein bisschen ,Wow’ gemacht.“

David Alaba: „Wäre morgen das Champions League-Finale“, sagte Guardiola am Ende der Woche, „würde ich ihn aufstellen“. Es war schon beeindruckend, wie Alaba nach mehr als zweimonatiger Verletzungspause und einer Knie-OP zurückkam, als wäre nichts gewesen. Keine Einheit verpasste der Österreicher, in Riad feierte er als Einwechselspieler sein offizielles Comeback. Für die Mannschaft dürfte das noch wichtiger sein als jenes von Holger Badstuber, der sich ebenfalls gut einfügte und ab jetzt um seinen Platz kämpfen muss.

Verlierer

Medhi Benatia: Der Verteidiger ist eindeutig der Verlierer des Trainingslagers. Nach dem lockeren Auslaufen am Ankunftstag absolvierte er kein einziges Mannschaftstraining mehr. „Er hätte die Einheiten gebraucht“, sagte Guardiola am Ende der Woche sichtlich besorgt. Wie lange Benatias Rückenprobleme noch anhalten, vermochte niemand zu prognostizieren. Mehr als ein paar lockere Runden mit Fitness-Trainer Thomas Wilhelmi waren bisher nicht drin, bis zum Rückrundenstart in eineinhalb Wochen wird es eng.

Manuel Neuer: Sportlich kann man dem Welttorhüter (außer eines Trainings, in dem er mal nicht alle Bälle hielt) kaum etwas vorwerfen. Trotzdem aber war der Trip für den 28-Jährigen nicht unbedingt angenehm. Bereits nach drei Tagen in Doha ging es für Neuer nach Zürich zur Weltfußballer-Wahl, von da zurück nach Doha, dann über Riad wieder nach München. Dass er sich gegen Cristiano Ronaldo und Lionel Messi nicht durchsetzen konnte, wird ihn nicht lange ärgern. Die Lockerheit, die er sonst ausstrahlt, ließ er aber in Doha ab und an vermissen.

Robert Lewandowski: Dass seine Name mit der Weltfußballer-Wahl verbunden wurde, geschah eher unfreiwillig. Und trotzdem hätte Lewandowski sich im Nachgang cleverer verhalten können. Entweder er steht zu seiner Stimme für Cristiano Ronaldo, oder er lässt es. Erst so, dann so: Das wirkte unprofessionell. Auch auf dem Platz läuft es noch nicht so, wie es sich der 26-Jährige vorstellt. Zu Beginn der Woche verballerte er viel, in Riad traf er nach Hereingabe von Robben dann aber zum 3:0. Ob der Knoten platzt – und er in der Rückrunde mehr als sieben Tore schießt – muss man sehen.

Mario Götze: Erst war der 22-Jährige erkältet, in der Zwischenzeit gab es wenige Glanzmomente, am Ende zwickten die Adduktoren. Auch wenn die frühe Auswechslung in Riad eine Vorsichtsmaßnahme war: Sammer bestätigte, dass man mit Götze nun „vorsichtig sein“ müsse. Gut möglich, dass sich die Blessur etwas zieht – und Götze nicht fit in die Rückrunde gehen kann.

Hanna Schmalenbach (Münchner Merkur)

Rubriklistenbild: © dpa

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