Interview zum Südgipfel der Bundesliga

Kontrahent tüftelt an Geheimplan gegen den FC Bayern - ein Münchner im Fokus

Dominieren mit dem FC Bayern die Bundesliga: Thomas Müller, Robert Lewandowski und Serge Gnabry (v.li.).
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Dominieren mit dem FC Bayern die Bundesliga: Thomas Müller, Robert Lewandowski und Serge Gnabry (v.li.).

Vor dem Südgipfel der Bundesliga spricht Stuttgarts Innenverteidiger Pascal Stenzel im Interview mit tz.de über den FC Bayern und die schwäbische Gegenwehr.

  • FC Bayern München: Der deutsche Rekordmeister muss am 9. Spieltag der Bundesliga beim VfB Stuttgart ran.
  • Nationalspieler Serge Gnabry trifft in seiner Heimatstadt auf seinen Ex-Klub.
  • Im Interview mit tz.de erklärt Stuttgarts Pascal Stenzel, wie die Schwaben Gnabry und die Offensive um Robert Lewandowski stoppen wollen.

München/Stuttgart - Hansi Flick, Trainer des FC Bayern München ist bekannt dafür, Spieler aus dem Kader des deutschen Rekordmeisters gerade gegen deren Ex-Klubs von Anfang an zu bringen.

VfB Stuttgart gegen den FC Bayern: Stürmt Schwabe Serge Gnabry bei München von Beginn an?

Das gilt vor der Bundesliga-Partie am 9. Spieltag beim VfB Stuttgart (Samstag, 15.30 Uhr, bei tz.de im Live-Ticker) für den gebürtigen Stuttgarter Serge Gnabry.

VfB-Abwehrmann Pascal Stenzel hat schon mehrmals gegen den deutschen Nationalspieler verteidigt. Doch, wie sind der 25-jährige Angreifer und Bayern-Kollege Robert Lewandowski zu stoppen? Wie können die Stuttgarter den Münchnern auf dem Platz wehtun? Stenzel erklärt den schwäbischen Plan im Interview mit tz.de.

tz.de: Herr Stenzel, rund um die deutsche Nationalmannschaft wird viel über die Qualität der Abwehr diskutiert. Sie sind Innenverteidiger und ehemaliger U21-Nationalspieler - und haben keine Ambitionen?

Pascal Stenzel: Nein, aktuell nicht. Mein Fokus liegt darauf, mit dem VfB Stuttgart in der Bundesliga zu bleiben. Alles andere spielt derzeit keine Rolle. Als Abwehrspieler weiß ich, dass man manchmal hinten als Sündenbock hingestellt wird, wenn es nicht läuft.

VfB Stuttgart gegen den FC Bayern: Pascal Stenzel und die Abwehr der Schwaben im Fokus

Dabei verteidigt heutzutage eine gesamte Mannschaft und nicht nur die Abwehr.

Absolut, das ist so. Wenn man aber als Team drei, vier Tore kassiert, heißt es oft, die Abwehrleistung war schlecht.

Innenverteidiger des VfB Stuttgart: Pascal Stenzel (li.).

Apropos drei Gegentore: Mit dem VfB Stuttgart haben Sie zuletzt 3:3 bei 1899 Hoffenheim gespielt. Insgesamt gab es vier Unentschieden in Folge. Hadern Sie, weil mehr Punkte drin gewesen wären?

Man muss das von zwei Seiten her sehen. Man muss wissen, wo wir herkommen. Wir hatten im vergangenen Jahr in der 2. Bundesliga keine einfache Saison. Da ist es nicht selbstverständlich, dass wir aktuell in der Bundesliga mit so vielen Punkten dastehen. Wenn man sich auf der anderen Seite die Spielverläufe der letzten vier Spiele anschaut, wäre mehr drin gewesen. Aber: Wir sind eine junge Truppe. Dass man die eine oder andere Szene hätte ruhiger ausspielen können, dass man den Druck hätte erhöhen können, ein Tor mehr hätte machen können, das wissen wir alle. Trotzdem sind wir zufrieden, dass wir gepunktet haben und die Spiele nicht verloren haben.

VfB Stuttgart gegen den FC Bayern: Schwaben wollen gegen München „nicht in Schönheit sterben“

Die Schwaben stehen in dieser Saison für viel Spektakel. Explosives Umschaltspiel und Tempofußball - ist das die Spielidee Ihres Trainers Pellegrino Matarazzo?

Ich würde unseren Fußball als unberechenbar beschreiben, aber immer mit einem Plan. Wir haben nicht die eine Variante, Fußball zu spielen, wollen total mutig sein und schlau spielen. Wir gucken immer, was uns liegt und was uns im Spiel wichtig ist. Deswegen passt unberechenbar sicher gut.

Was meinen Sie mit schlau genau?

Dass man nicht immer in Schönheit sterben muss. Dass man mit einfachen Mitteln effektiv sein kann. Es müssen nicht immer acht Stationen sein, um ins letzte Drittel zu kommen. Manchmal reicht auch ein Ball in die Tiefe. Das zu erkennen, ist cleverer Fußball. Es läuft bestimmt noch nicht alles perfekt. Aber unser Trainer hat einen Plan und wir als Mannschaft wollen diesen Plan umsetzen.

Pascal Stenzel vom VfB Stuttgart: „Gegen Bayern brauchst du Mut“ - Serge Gnabry im Fokus

Nicht in Schönheit sterben - das dürfte auch das Motto gegen den FC Bayern sein, richtig?

Gegen Bayern brauchst du Mut, im eigenen Ballbesitz Lösungen zu finden. Sie zu verteidigen, wenn sie den Ball haben, ist richtig, richtig schwer. Selbst, wenn man es gut macht. Gegen solch einen Gegner musst du mutig sein. Du musst den Ball fordern. Du musst die nötigen Schnittstellen finden, in denen die Räume sind.

Bayern-Superstar Serge Gnabry wurde in Stuttgart geboren und bei den Kickers in Degerloch sowie beim VfB in Bad Cannstatt ausgebildet. Hört man sich da nochmal im Verein um, wie er fußballerisch auf dem Platz so tickt?

Ich habe schon das eine oder andere Mal gegen ihn gespielt und auch schon einige Spiele von ihm gesehen, sodass ich mir ein eigenes Bild machen konnte.

Heißt: Sie müssen beim ersten Ball direkt an Gnabry dran sein oder lassen Sie sich lieber etwas fallen?

Es gibt nicht die eine Lösung. Wenn man voll drauf geht, dann ist er schlau genug, in die Tiefe zu laufen. Andersherum genauso. Es kommt auf die Situation an. Gegen solche Spieler musst du einfach immer wach sein und versuchen, vorauszusehen, was passieren könnte, bevor der Ball gespielt wird. Aber selbst dann ist es schwer, ihn zu verteidigen.

Bundesliga: VfB Stuttgart gegen den FC Bayern München ohne Nicolás González

Schließlich kommt Gnabry mit Robert Lewandowski um die Ecke, der gerne mal den Ball klatschen oder prallen lässt.

Das zu verteidigen, geht alleine sowieso nicht. Wir müssen als Mannschaft total eng an den Männern dran sein. Wir werden uns einen Plan zurechtlegen, den es konsequent umzusetzen gilt.

Mit Nicolás González fällt gegen die Bayern ausgerechnet der neue Stürmerstar des VfB mit einem Innenbandanriss im Sprunggelenk aus. Dabei sind die Münchner anfällig bei schnellen Bällen hinter die Kette.

Dass Nico uns fehlt, ist offensichtlich, gerade nach den Wochen, die hinter ihm liegen (drei Tore in drei Bundesliga-Spielen in Folge, d. Red.). Wir haben aber auch andere Spieler in der Offensive, die Tempo haben und dem Gegenspieler Probleme bereiten können. Wir können und müssen Nico ersetzen. Da bleibt uns keine andere Wahl.

Pascal Stenzel vor Bayern-Spiel: VfB Stuttgart hat „eine bemerkenswerte Fan-Base“

Bei González war wiederholt das Thema, ob er Stuttgart verlässt, um sich bestenfalls höheren Zielen zu verschreiben. Ist der VfB mittlerweile ein Ausbildungsklub für internationale Jung-Stars oder sehen Sie im Verein vielmehr einen schlafenden Riesen der Bundesliga?

Wir haben einen Weg mit vielen jungen Talenten eingeschlagen, die einfach noch Zeit brauchen, aber schon sehr viel Potenzial mitbringen. Der VfB ist ein Traditionsverein, der eine bemerkenswerte Fan-Base hat. Die Stadt steht hinter dem Klub. Da sind viele Faktoren, die es in anderen Städten nicht gibt. Wir sind auf einem guten Weg. (pm)

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